Einzelhandel
Auch Wal-Mart wird pessimistisch

Wenn es in den vergangenen Monaten darum ging, einen Gewinner der US-Konjunkturkrise auszumachen, fiel meist vor allem ein Name: Wal-Mart. Der größte Einzelhändler der Welt lockt mit seinem Billigpreis-Konzept viele US-Bürger in die Filialen, die sich den Einkauf in anderen Supermärkten nicht mehr leisten können.

NEW YORK. So konnte der Konzern im dritten Quartal seinen Nettogewinn mehr als erwartet steigern: Er kletterte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast zehn Prozent auf 3,1 Mrd. Dollar. Je Aktie liegt das Ergebnis aus fortlaufendem Geschäft bei 0,77 Dollar - Analysten waren im Schnitt von 0,76 Dollar ausgegangen.

Auch beim Nettoumsatz legte Wal-Mart zu: Mit einem Plus von 7,5 Prozent auf 97,6 Mrd. Dollar entsprach er den Erwartungen. "Wir sind sehr zufrieden mit unseren Ergebnissen in diesem Quartal", sagte Wal-Mart-Chef Lee Scott. Erfolgsbringer seien vor allem Billig-Pizzen und Preisnachlässe bei Pflegeprodukten und Flachbildschirmen gewesen, hieß es. Trotz des schwierigen Umfelds habe sich der Konzern weiterhin gut geschlagen. Selbst für das Weihnachtsgeschäft gibt man sich am Firmensitz in Bentonville, Arkansas, optimistisch - ganz anders bei der Konkurrenz, die das schlechteste Geschäft seit Jahrzehnten fürchtet. Vorbörslich konnten Wal-Mart-Aktien leicht auf 52,62 Dollar zulegen.

Dennoch, ewig von der Krise verschont scheint auch Wal-Mart nicht zu bleiben: Für das Ende Januar 2009 auslaufende Geschäftsjahr musste der Konzern seine Gewinnprognose senken. Der Gewinn je Aktie soll nun zwischen 3,42 und 3,46 Dollar liegen. Zuvor war Wal-Mart noch von 3,43 bis 3,50 Dollar ausgegangen. Als Ursache für die schlechteren Aussichten nennt der Konzern vor allem den wieder stärker werdenden Dollar. "Die schnellen Veränderungen bei den Wechselkursen während der vergangenen Wochen werden das Ergebnis je Aktie im vierten Quartal voraussichtlich mit 0,06 Dollar negativ beeinflussen", so Finanzvorstand Tom Schoewe. Die starke internationale Entwicklung könne dadurch beeinträchtigt werden.

Das Umfeld für Einzelhändler in Amerika könnte schlechter kaum sein. Die Konsumausgaben sind im dritten Quartal um 3,1 Prozent gesunken - ein Einbruch, wie es ihn zuletzt 1991 gegeben hatte. Vor allem deshalb ist die US-Wirtschaft in den vergangenen drei Monaten um 0,3 Prozent geschrumpft.

Zugleich ist das Vertrauen der Amerikaner in die Wirtschaftsentwicklung auf ein Rekordtief gesunken. Der wichtige Verbrauchervertrauensindex des New Yorker Wirtschaftsforschungsinstituts Conference Board fiel von revidierten 61,4 Punkten im September auf 38 Zähler im Oktober - dem tiefsten Stand seit Beginn der Aufzeichnung im Jahr 1967. Viele US-Konsumenten sind durch den Verfall der Hauspreise und durch steigende Arbeitslosigkeit verschuldet.

Dass da kein Geld mehr für teure Einkäufe übrig bleibt, schmerzt auch Best Buy. Die Konsumelektronik-Kette musste am Mittwoch bekannt geben, dass Gewinn und Umsatz im laufenden Jahr stärker einbrechen werden als erwartet. "Wir haben in unseren 42 Jahren noch niemals solche schwierigen Zeiten erlebt", sagte Firmenchef Brian Dunn. Die Leute änderten ihr Kaufverhalten "dramatisch". Konkurrent Circuit City hatte am Montag Insolvenz angemeldet.

Die Nachrichten aus den USA zogen am Donnerstag auch Werte von europäischen Einzelhändlern nach unten. So verlor etwa die Metro-Aktie zwischenzeitlich gut zehn Prozent. Zum Konzern gehören die Elektronik-Ketten Media Markt und Saturn. Auch die Papiere des britischen Einzelhändlers Marks & Spencer büßten ein.

Nils Rüdel
Nils Rüdel
Handelsblatt / Deskchef Politik
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