Einzelhandel
Branchen-Mindestlohn nimmt Gestalt an

Die Gewerkschaft Verdi und die Arbeitgeber wollen im Frühjahr die nötigen Beschlüsse für einen Mindestlohn fassen. Die Branche strebt damit nach einer Imageverbesserung. Seither hatte sich der Handel lange vehement gegen einen Mindestlohn gesperrt.
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BERLIN. Der deutsche Einzelhandel bereitet sich konkret auf die Einführung eines Mindestlohns für seine insgesamt 2,7 Millionen Beschäftigten vor. Die Vorklärungen für entsprechende Vereinbarungen mit der Gewerkschaft Verdi könnten voraussichtlich schon im Januar abgeschlossen werden, erwartet der Handelsverband HDE. "Wir bauen darauf, dass uns die tarifvertragliche Umsetzung des Mindestlohns im ersten Halbjahr 2011 gelingt", sagte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser dem Handelsblatt. Im April beginnt im Einzelhandel ohnehin die reguläre Tarifrunde 2011.

Festlegungen auf eine Lohnhöhe gibt es nach den bisherigen Sondierungen zwar noch nicht. Doch geben die Einstiegsgehälter der aktuellen Tarifverträge Anhaltspunkte. Sie liegen je nach Region zwischen rund sieben und 8,80 Euro pro Stunde. "Ein Mindestlohn, der sich an dieser Bandbreite orientiert, ist aus Sicht unseres Verbandes gut zu vertreten", sagte Sanktjohanser.

Ärger über Schlecker und KiK

Die Pläne bedeuten für die generelle Debatte über Mindestlöhne einen ebenso großen Einschnitt wie für den Einzelhandel selbst: Vor gut zehn Jahren hatte die Branche ihre einstmals gängige Praxis aufgegeben, Tarifverträge für allgemein verbindlich erklären zu lassen und damit auch die sonst nicht tarifgebundenen Firmen auf ihre Standards zu verpflichten. Seither hatte sich der Handel lange vehement gegen Mindestlohn-Forderungen gesperrt.

Inzwischen sorgen sich die Händler aber immer mehr wegen der Außenwirkung umstrittener Arbeitsbedingungen. Große Empörung hatte etwa die Drogeriekette Schlecker mit ihren Zeitarbeitspraktiken ausgelöst, auch der Textildiscounter KiK stand am Pranger.

"Hier geht es für den Einzelhandel eindeutig auch ums Image", betont Sanktjohanser. "Die vielen Diskussionen über umstrittene Arbeitsbedingungen, die es in jüngster Zeit gab, liegen nicht im Interesse unserer Branche." Umgekehrt baut der Handel mit seinen Plänen aber auch der Sorge vor, dass ihm die Gestaltung der Arbeitsbedingungen aus der Hand genommen werden könnte: Die Große Koalition hatte 2009 ein "Mindestarbeitsbedingungengesetz" beschlossen, mit dem die Regierung neue Lohnuntergrenzen auch ohne den Weg über Tarifverhandlungen festsetzen kann.

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