Einzelhandel
Entsetzen bei Hertie-Mitarbeitern

Bei den Gesprächen um die Hertie-Immobilien ist eine Gesamtlösung für die insolvente Kaufhauskette vom Tisch. Die von Belegschaft, Insolvenzverwalter und beteiligten Kommunen favorisierte deutsch-chinesische Investorengruppe hat am Freitag in Frankfurt keine neuen Verhandlungen mit dem Immobilieneigentümer Dawnay Day aufnehmen können, da dieser die Bieter laut Betriebsrat nicht eingeladen hatte.

HB FRANKFURT. In der Hauptverwaltung der Deutschen Bank, die als Moderator aufgetreten war, wollten mehrere Dutzend Bürgermeister mit dem Investor über die weitere Verwertung der 54 einzelnen Gebäude verhandeln.

Der Betriebsrat von Hertie zeigte sich entsetzt, dass eine letzte Chance zum Erhalt von 2700 Arbeitsplätzen nicht genutzt worden sei. "Die Chinesen haben - auch aus Sicht der Arbeitnehmer ein gutes Angebot im Gepäck", sagte Bernd Horn, Vorsitzender des Hertie - Gesamtbetriebsrats. Er sei empört, dass weder die Investoren noch der Hertie-Insolvenzverwalter oder Belegschaftsvertreter an den sogenannten "runden Tisch" geladen worden seien.

Viele Kollegen forderten inzwischen eine Enteignung von Dawnay Day. Er befürchte, "dass auf Kosten der Arbeitnehmer große Immobilienspekulationen betrieben werden". Auch die Deutsche Bank sei gefordert, das Problem zu lösen.

Die stellvertretende Gesamtbetriebsrats-Vorsitzende Andrea Beyer sprach von einer absurden Situation. "Wir haben ein Konzept, wir brauchen kein Staatsgeld, wir haben absolut finanzstarke Investoren - und dennoch sträubt sich Dawnay Day, zu verkaufen."

Der Investor hatte 2005 zunächst 74 von Arcandor (damals noch KarstadtQuelle) als unrentabel verkaufte kleinere Karstadt-Filialen übernommen und sie im März 2007 in Hertie umbenannt. Nach Schließung weiterer Geschäfte blieben zuletzt noch 54 Filialen, als das Unternehmen im Juli 2008 Insolvenz anmeldete. Versuche einer Rettung scheiterten.

Am 20. Mai beschloss die Gläubigerversammlung, die Bemühungen einzustellen. Insolvenzverwalter Biner Bähr selbst hatte einen Schlussstrich empfohlen. Er sehe keine Chance mehr für die Rettung der Warenhäuser, da Dawnay Day sich weigere, möglichen Investoren marktübliche langfristige Mietverträge zu geben.

Nach Angaben der Maklerfirma Atisreal ist der Einzelverkauf der Hertie-Kaufhäuser inzwischen vorangekommen. Seit Mai seien zehn Objekte verkauft worden. Es handelt sich um teils bereits geschlossene und teils aktive Hertie-Filialen. Die Immobilien waren getrennt vom Handelsgeschäft an Investoren verkauft worden. In den Geschäften von Hertie hat bereits der Ausverkauf begonnen. Für die Beschäftigten laufen Sozialplanverhandlungen.

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