Einzelhandel
Gerüchte um Verkäufe bei Carrefour

Laut einer französischen Zeitung üben Großaktionäre Druck auf den Einzelhandelsriesen Carrefour auf, die schnell wachsenden Filialen in Südamerika und Asien zu verkaufen, um den dümpelnden Börsenkurs neuen Schwung zu geben. Experten warnen: Kurzfristig könnte der Konzern so Geld einnehmen, langfristig würde sich Carrefour jedoch schaden.

PARIS. Die beiden Großaktionäre des Einzelhandelsriesen Carrefour, Bernard Arnault und der US-Investor Colony Capital, üben laut einem Bericht der Tageszeitung "Le Monde" Druck auf das Carrefour-Management aus, die schnell wachsenden Filialen in Südamerika und Asien zu verkaufen. Ziel sei, dem dümpelnden Börsenkurs von Carrefour neuen Schwung zu geben. Carrefour wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren. Ein Sprecher von Blue Capital, dem Investorenvehikel von Arnault und Colony, ließ eine Anfrage unbeantwortet.

Am Montag scheint das Kalkül aufgegangen zu sein, die Carrefour-Aktie legte mit mehr als zwei Prozent stärker zu als der französische Aktienmarkt. Analysten halten den Plan indes für falsch: Auf diese Weise könnte Carrefour zwar schnell Geld einnehmen, würde sich aber langfristig schaden, heißt es.

Colony und der LVMH-Eigner Arnault waren im März 2007 bei Carrefour eingestiegen. Heute hält das Investoren-Duo 13,5 Prozent des Kapitals. Seit dem Einstieg hat die Carrefour-Aktie rund 30 Prozent an Wert verloren.

Ursprünglich wollten Arnault und Colony mit einem Verkauf des Immobilienvermögens Carrefours ihr Investment vergolden. Daher hat der Handelsriese seine Supermärkte bereits in eine eigene Immobilienfiliale, "Carrefour Property" eingebracht, deren Wert mit rund 14 Mrd. Euro taxiert wird. Doch die Finanzkrise hat die Verkaufspläne über den Haufen geworfen, Carrefour könnte seine Immobilien derzeit nur mit starken Preisnachlässen verkaufen.

"Le Monde" zitiert Sébastian Bazin, Chef von Colony Capital in Europa damit, dass "die Beziehungen zwischen Lars (Olofsson, dem neuen Carrefour-CEO, d. Red) und Blue Capital von Anfang an exzellent sind". Olofsson habe vier Jahre Zeit, die Carrefour-Strategie anzupassen. Im Klartext: Zwischen Großaktionär und Management gebe es keine Spannungen über die Strategie.

Olofsson hat bisher kein Wort über mögliche Verkäufe der schnell wachsenden Töchter in Südamerika und Asien verloren. Vielmehr hatte er bei der Vorstellung seines Strategieplans im Juni ein umfassendes Sparprogramm über 4,5 Mrd. Euro angekündigt.

Doch "Le Monde" beruft sich auf Management-Kreise von Carrefour, denen zufolge Arnault und Colony "riesigen Druck" ausüben würden, dass Carrefour seine Auslandstöchter in den Emerging Markets verkauft, um den Erlös über eine Sonderdividende an die Aktionäre auszuschütten. Der Verkauf der Aktivitäten in Südamerika und Asien könnte laut Schätzungen bis zu elf Milliarden Euro einbringen. Im größten Einzelmarkt Frankreich kämpft Carrefour dagegen nach wie vor um seine Stellung.

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