Einzelhandel
Razzia bei Edeka

Es hätte ein Tag zum Feiern werden können: Deutschlands größte Lebensmittelkette Edeka präsentierte gute Zahlen und kündigte an, tausende neue Jobs und Ausbildungsplätze schaffen zu wollen. Doch kurz darauf bekam die Firma unangenehmen Besuch vom Bundeskartellamt. Es gehe um nachträglich geforderte Rabatte.

HAMBURG. Einen besseren Tag hätte sich das Bundeskartellamt nicht aussuchen können. Während Edeka-Vorstandschef Markus Mosa am Mittwoch in den Kellerräumen der Konzernzentrale an Hamburgs New-York-Ring über den Geschäftsgang berichtete, durchsuchten zur selben Zeit Behördenvertreter wenige Etagen höher sein Vorstandsbüro. „Ich könnte mir etwas Schöneres vorstellen“, bemerkte der 41-jährige Konzernlenker vor der versammelten Presse - und bemühte sich dabei redlich, seine fröhliche Miene nicht zu verlieren.

Das öffentlichkeitswirksame Rollkommando gegen Deutschlands größten Lebensmittelhändler zeigt: Der Erfolg von Edeka weckt verschärft den Argwohn der Bonner Wettbewerbshüter. Die hatten schon im vergangenen Sommer die Übernahme der Discountkette Plus gestoppt, um sie dann anschließend nur unter schweren Auflagen zu genehmigen. 330 der insgesamt 2670 Filialen blieben auf Druck der Behörde bei der Übernahme ausgespart – und wurden später vom Wettbewerber Rewe übernommen. Zudem verzichtete Edeka auf die geplante Einkaufsgemeinschaft mit Tengelmann, um den Deal zu retten.

Trotz der Zugeständnisse aber bleibt Edeka unter Beobachtung. Weil die Hamburger ihre durch die Plus-Übernahme vergrößerte Nachfragemacht angeblich ausgenutzt haben, droht ihnen nun ein Bußgeld. Im vergangenen November, so der Vorwurf des Kartellamts, habe Edeka ohne eine entsprechende Gegenleistung von seinen Lieferanten verlängerte Zahlungsziele verlangt.

Obwohl sich der Handelsriese wegen des geforderten „Hochzeitsrabatts“ bereits eine einstweilige Verfügung des Hamburger Landgerichts einhandelte, hält Einkaufsvorstand Gert Schambach die Klagen der Lieferanten für unsinnig. „Wir bieten vor allem den Markenherstellern durch die Übernahme von Plus deutlich verbesserte Absatzchancen“, sagte er gestern.

Doch selbst ohne die ab Jahresanfang verlangten Zugeständnisse der Lieferanten, so zeigen die Geschäftszahlen, wächst der Markführer profitabler als die meisten seiner Wettbewerber. Während der deutsche Lebensmittelhandel 2008 im Schnitt um 1,5 Prozent zulegte, verkaufte die Edeka-Gruppe 4,9 Prozent mehr in ihren Supermärkten – und kam damit auf 32 Mrd. Euro Umsatz. Selbst auf vergleichbarer Fläche gingen die Erlöse um 4,7 Prozent nach oben.

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