Einzelhandel
Schicksal von Hertie entscheidet sich heute

Heute entscheidet sich, wann die restlichen Standorte der insolventen Warenhauskette Hertie geschlossen werden. Doch noch hat Hertie nicht ganz aufgegeben, obwohl die Gläubiger für eine komplette Schließung der Kette plädieren. Die Deutsche Bank soll Herties Vermieter MABV zu einer Minderung der Pachten bewegen.

DÜSSELDORF. Bei der insolventen Warenhauskette Hertie entscheidet sich heute, wann die restlichen 54 Standorte der ehemaligen Karstadt-Quelle-Tochter geschlossen werden. "Darüber werden wir am Dienstag Verhandlungen mit unserem Betriebsrat führen", sagte ein Sprecher auf Anfrage. Er rechne mit einem Schlussverkauf Ende Juli oder Anfang August.

Ganz aufgegeben hat Hertie jedoch offenbar immer noch nicht - obwohl die Gläubigerversammlung am 20. Mai das Aus für das Traditionsunternehmen beschlossen hatte. Weil Insolvenzverwalter Biner Bähr mit dem Versuch gescheitert war, das Unternehmen an Investoren zu verkaufen, plädierten die Gläubiger für eine komplette Schließung der Kette.

Dennoch wollen am heutigen Dienstag 35 Bürgermeister der betroffenen Städte zur Konzernzentrale der Deutschen Bank nach Frankfurt reisen, um ihren Unmut zu bekunden. Die Bank hatte die Übernahme der damals noch unter Karstadt Kompakt firmierenden Kette durch den britischen Investor Dawnay Day finanziert, die Kredite anschließend verbrieft und an Investoren weitergereicht. Die Grundstücke blieben ihr als Sicherheit.

Nun soll die Deutsche Bank als Vermittler Herties Vermieter MABV zu einer Minderung der hohen Pachten bewegen. Die in den Niederlanden registrierte MABV, eine Tochter der inzwischen ebenfalls insolventen Gesellschaft Dawnay Day, hatte allerdings durchblicken lassen, dass ihnen leere Kaufhäuser am liebsten seien. Dann nämlich ließe sich leichter ein neuer Mieter finden.

Doch auch die Pläne von MABV erscheinen reichlich optimistisch. Der Weiterverkauf der Häuser, für die MABV die Maklerfirma Atisreal eingeschaltet hat, ist offenbar ins Stocken geraten. "Allein das Haus in Hamburg ist definitiv verkauft", berichtet ein Hertie-Sprecher. Dort sei Kaufland eingestiegen. Alle übrigen Kaufverträge seien noch nicht in trockenen Tüchern. In München gebe es zwar für zwei Standorte Käufer, das Eigentum sei aber noch nicht übergegangen. "In Wolfenbüttel ist der geplante Verkauf sogar geplatzt", sagte er, "und auch für das Haus in Wesseling gibt es noch Unklarheiten." Eine Sprecherin der Frankfurter Maklerfirma konnte dazu zunächst keine Auskunft geben.

Einen verzweifelten Versuch, Hertie doch noch zu retten, soll es auch noch einmal von Seiten der Belegschaft geben. Sie will am kommenden Montag für den Erhalt der Häuser demonstrieren. Laut Informationen aus dem Betriebsrat stehen 2 600 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

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