Einzelhandels-Studie: Verbraucher misstrauen dem Billig-Image

Einzelhandels-Studie
Verbraucher misstrauen dem Billig-Image

Der Preis spielt für die Deutschen eine besondere Rolle. Steigt er, wechseln die Verbraucher entweder das Produkt oder gleich den Händler. Von Marketing-Tricks lassen sich die Konsumenten auch nicht mehr täuschen.
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DüsseldorfDeutsche Einzelhändler haben ein Problem: Egal ob sie Nahrungsmittel, Kosmetik oder Textilien verkaufen – eigentlich müssten sie die Preise erhöhen. Denn ihre Kosten steigen rapide.

Die chinesischen Näher verlangen mehr Lohn, klagt die Textilbranche. Die Rohstoffkosten steigen, jammern Persil-Produzent Henkel und Dr. Oetker unisono. Den Verbrauchern hierzulande ist das aber herzlich egal. Sie verzeihen Preiserhöhungen viel weniger als andere Europäer. Das zeigt eine Studie der Unternehmensberatung OC&C, die dem Handelsblatt vorliegt.

Steigen die Preise für ein Produkt, wechseln laut der Studie 56 Prozent der Deutschen entweder das Produkt oder gleich den Händler. Und das, obwohl sie mit Preiserhöhungen rechnen. In England und den USA reagiert so nur ein Drittel der Verbraucher, der Rest akzeptiert die Preiserhöhung oder kauft einfach weniger ein.

Obendrein sind die Deutschen extrem misstrauisch: In keinem anderen Land unterstellen 42 Prozent der Käufer den Händlern, die Preise vor allem wegen ihrer Marge anheben zu wollen – und nicht wegen der Rohstoffpreise.

Dabei kennen die deutschen Verbraucher laut der OC&C-Studie die Preise so gut wie kaum jemand sonst: Sie verschätzen sich am wenigsten, wenn sie befragt werden. Und sie halten die Preise generell für billiger als die Konsumenten in den USA, in England, den Niederlanden, Frankreich oder China.

Infografik

Elektronik wird preiswerter

Konsumentenerwartung zur künftigen Preisentwicklung
nach Branchen 2012/13

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  • Ja, die arme Henkel. Nur 8,2% Marge nach Steuern in 2011 in wirtschaftlich sehr harten Zeiten, das ist nur noch einen Schritt von der Insolvenz entfernt. Als Aktionär freut es mich, wenn Unternehmen so wirtschaften können. Als Konsument versuche ich mich von solch überteuertem Markenmist fernzuhalten. Wer meint das er die Dinge aus der Werbung braucht, darf sie gerne kaufen.

  • Neulich habe ich wie immer einige kg Äpfel gekauft.
    Der Preis schien ok.
    Leider habe ich dann an der Kasse gesehen, dass nur 900 g in der Packung waren, nicht 1000 g wie vorgetäuscht.
    Die Kassiererin musste die Äpfel dann wieder ins (Betrugs)-Regal zurückbringen.

    Im Übrigen, jede Firma wird beim Einkauf von Vorprodukten auf den Preis achten und bei vergleichbarer Qualität den preisgünstigeren Anbieter wählen. Beim privaten Einkäufer wird aber anscheinend ein anderes Verhalten erwartet. Schön blöd wer sich als Kunde darauf einlässt und überhöhte Preise zahlt. Auch NoName-Produkte sind (nicht immer) aber sehr oft in der gleichen Qualität zu haben wie Markenprodukte, - nur preisgünstiger.

  • "Der deutsche Endverbraucher - das neoliberalste Wesen -
    überhaupt!" So formulierte schon vor Jahren der jetzige Chefredakteur dieses Blattes Gabor Steingart. Er dürfte recht haben und dagegen ist auch gar nichts zu sagen. Allerdings sollte das Wort neoliberal bei einer derart
    weiten Verbreitung und hohen Popularität dann auch nicht als Schimpfwort z. B. gegen Unternehmer Verwendung finden.

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