Einzelhandelskonzern Wie der Metro-Chef die Insidervorwürfe abschütteln will

Konzern-Aufspaltung und Insider-Vorwürfe: Der Handelsriese Metro kommt nicht zur Ruhe. CEO Olaf Koch will endlich wieder übers Geschäft reden.
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Metro: Wie der Chef die Insidervorwürfe abschütteln will Quelle: dpa
Olaf Koch

Nach der Konzernaufspaltung und dem Verdacht des Insiderhandels will der Metro-Chef nun wieder übers Geschäft reden.

(Foto: dpa)

DüsseldorfMetro-Aufsichtsratschef Jürgen Steinemann sieht trotz der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der Aufspaltung des alten Metro-Konzerns kein Fehlverhalten des Düsseldorfer Handelsriesen. Vorwürfe, der Kapitalmarkt sei zu spät über Pläne zur Aufspaltung des Metro-Konzerns in einen Lebensmittelhändler und einen Elektronikhändler um Media-Saturn informiert worden, würden nicht tragen, sagte Steinemann bei der Hauptversammlung am Freitag in Düsseldorf.

Der Kapitalmarkt sei vielmehr stets rechtzeitig über die Pläne in Kenntnis gesetzt worden. Vorstand und Aufsichtsrat gingen von einem gesetzeskonformen Verhalten aus. Auch gegen ihn selbst gerichtete Vorwürfe der Staatsanwaltschaft seien unbegründet.

Auch Metro-Chef Olaf Koch will endlich wieder übers Geschäft reden. Bei der Hauptversammlung im vergangenen Jahr gab es nur ein Thema: die bevorstehende Aufspaltung des Konzerns. Vor zwei Jahren dominierte der Verkauf der Warenhauskette Kaufhof die Aktionärsversammlung.

Doch an diesem Freitag in Congress Center in Düsseldorf streift Olaf Koch das nur noch am Rande – ebenso wie die Insidervorwürfe: „Seit 18 Quartalen wächst bei Metro der Umsatz, das gibt es in unserer Branche nicht so oft“, ruft er den Aktionären mit einem gewissen Stolz in der Stimme zu. Im Kern aber gehe es anders als früher nicht mehr um Einkaufsmacht oder schiere Größe, sondern um Relevanz für den Kunden. „Um weiter zu wachsen, müssen wir Mehrwert für unsere Kunden schaffen“, so Koch.

Um das zu illustrieren, erzählt er eine Anekdote aus Paris. Da habe ein Stammkunde gesagt, er werde künftig nicht mehr kommen. Das Angebot sei super, aber er brauche mit dem Auto eine Stunde bis zum Markt, das könne er sich nicht mehr erlauben. Da habe ihm der Marktleiter gesagt: „Kommen Sie doch einfach mit der Metro zur Metro.“ Die ausgesuchte Ware bekomme er dann innerhalb von zwei Stunden ins Restaurant geliefert. Dafür war der Kunde dann sogar bereit, einen Aufpreis zu bezahlen.

„Das ist nur möglich, wenn wir ganz nah am Kunden sind“, so Koch. Das Unternehmen habe es so geschafft, im abgelaufenen Jahr den Umsatz im Belieferungsgeschäft um 25 Prozent zu steigern. Mittlerweile macht die Belieferung schon fast 16 Prozent des Gesamtgeschäfts aus. Nach Einschätzung von Koch ist künftig ein Umsatz in der Belieferung von 15 Millionen Euro pro Markt möglich. Damit würde sich der heutige Belieferungsumsatz von 4,6 Milliarden Euro mehr als verdoppeln.

Die neuen Services haben dazu beigetragen, dass in einem „herausfordernden“ Jahr, wie Koch es nennt, durchaus respektable Ergebnisse erzielt wurden. Flächenbereinigt stieg der Umsatz im Geschäftsjahr 2016/17 um 0,5 Prozent. Das Ergebnis vor Steuern (Ebit vor Sonderfaktoren) lag mit 1,1 Milliarden Euro auf dem Niveau des Vorjahres.

Trotzdem bleiben die Märkte reserviert. Die Metro-Aktie liegt zurzeit unter der Erstnotiz nach der Abspaltung der Elektroniksparte in die Ceconomy AG im Juli 2017. Damals startete die neue Metro bei 18 Euro, heute liegt sie bei 17,7 Euro. Und auch am heutigen Tag der Hauptversammlung bewegte sie sich eher seitlich.

Besonders kritisch gesehen wird von den Analysten und den Investoren das schwache Russland-Geschäft, das ist auch Koch bewusst. Er zeigt sich sehr zuversichtlich, dass das Unternehmen im russischen Markt die richtigen Maßnahmen eingeleitet hat, um das Geschäft wieder in die Spur zu bringen. Doch ihm ist klar, dass er rasch liefern muss: „Machen wir uns nichts vor, der Kapitalmarkt lässt sich nur durch Fakten überzeugen.“

Die Vorgaben sind durchaus ehrgeizig. Der operative Gewinn soll in diesem Jahr nach den Planungen des Managements um 10 Prozent zulegen. „Ihr Unternehmen steckt voller Möglichkeiten“, verspricht Koch den Aktionären. Bis diese Botschaft an den Kapitalmärkte ankommt, wird aber wohl noch etwas dauern.

Und auch der Verdacht des Insiderhandels und der Marktmanipulation im Zusammenhang mit der Aufspaltung der alten Metro verunsichern Investoren. Die Vorwürfe der Marktmanipulation richten sich gegen den alten fünfköpfigen Metro-Vorstand um Metro-Chef Olaf Koch. Metro hatte sich im vergangenen Jahr in einen Lebensmittelhändler und die Holding Ceconomy um den Elektronikhändler Media-Saturn aufgespalten.

Ermittlungen richten sich auch gegen Metro-Aufsichtsratschef Steinemann. Es geht um Aktienkäufe, die Steinemann tätigte, kurz bevor der Konzern Ende März 2016 seine Aufspaltungspläne publik machte. Die Aktie der damaligen Metro AG legte am Tag der Ankündigung in der Spitze um 15 Prozent zu. Steinemann hatte einer Pflichtmitteilung zufolge am 22. Februar 2016 für gut eine Million Euro 43.000 Aktien der damaligen Metro AG gekauft.

Mit Material von Reuters.

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