Einzelhandelskonzerne
Metro greift nach Karstadt

Der Handelskonzern Metro will die 121 Karstadt-Warenhäuser des angeschlagenen Konkurrenten Arcandor übernehmen und mit seinen Kaufhof-Häusern zusammenlegen. Die Hoffnungen auf Staatshilfe für Arcandor erhielten indes einen Dämpfer. Kommt nun die Deutsche Warenhaus AG?

DÜSSELDORF Einen entsprechenden Bericht der "Bild am Sonntag" bestätigten Konzernkreise der Metro am Sonntag. Demnach hat Metro-Chef Eckhard Cordes vergangene Woche in einem Schreiben an Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg seine Bereitschaft "zu umfassenden und konstruktiven Gesprächen für eine privatwirtschaftliche Lösung für die Zukunftssicherung" von Karstadt erklärt.

Nach Informationen des Handelsblatts hat eine Strategiegruppe des Metro-Konzerns in den vergangenen Wochen einen konkreten Fusionsplan erstellt. Er sieht vor, dass Kaufhof und Arcandor eine Minderheitsbeteiligung an der neu zu gründenden Deutschen Warenhaus AG halten. Hinzu kommen sollen Banken und Vermieter. Die unternehmerische Führung des Konzerns soll demnach bei Kaufhof liegen.

Die Karstadt-Mutter Arcandor ist in lebendbedrohliche Schieflage geraten und strebt eine staatliche Bürgschaft von 650 Millionen Euro sowie Kredite der Staatsbank KfW an. Dies will der Metro-Konzern, zu dem der Kaufhof gehört, unter allen Umständen verhindern. Auch deshalb ist Metro-Chef Cordes mit seinem Schreiben an Guttenberg aktiv geworden.

Vorbehalte äußerte dagegen Arcandor. Der geplante Zusammenschluss habe „für die Verbraucher, den Wettbewerb und die Mitarbeiter gravierende Nachteile“, sagte Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick der BamS. Er äußerte Zweifel, ob ein Schulterschluss von Karstadt und Kaufhof von den Wettbewerbshütern genehmigt würde. Ein Arcandor-Sprecher ergänzte, außerdem sei ein signifikanter Arbeitsplatzabbau zu befürchten.

Nach Informationen des Handelsblatts gibt es noch keinen direkten Kontakt zwischen Kaufhof und Karstadt. Der Aufsichtsrat der Karstadt-Mutter Arcandor trifft sich am Sonntag zu einer Sondersitzung, dort soll dem Vernehmen nach aber vor allem über die Staatshilfen beraten werden.

Cordes Plan sieht vor, die "Mehrheit der Karstadt-Häuser und damit einen großen Teil der Arbeitsplätze zu erhalten", wie er an den Wirtschaftsminister schrieb. Dabei geht es ihm um die Filialen, nicht um die Konzernzentrale von Arcandor in Essen.

Auch deshalb sieht Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick die Pläne seines Konkurrenten offenbar kritisch. Pläne für eine Warenhausallianz hatte es in der Vergangenheit immer wieder gegeben, doch hatte zunächst der Kaufhof kein Interesse signalisiert. Denn der Metro-Tochter geht es vergleichsweise gut, im Gegensatz zur hochdefizitären Arcandor macht der Kaufhof gute Geschäfte und erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Vorsteuerergebnis von auf 113 Mio. Euro - ein Plus von 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Arcandor hingegen braucht bis zum 12. Juni eine Einigung mit seinen Gläubigerbanken über die Verlängerung einer Kreditlinie in der Höhe der angestrebten Staatsbürgschaft.

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