Einzelhandelskrise
Woolworths geht in die Insolvenz

Die befürchtete Pleitewelle im britischen Einzelhandel hat noch vor Weihnachten begonnen. Die Führung der Warenhauskette Woolworths wollte nach Informationen der BBC noch am Mittwochabend einen Insolvenzverwalter bestellen.

dih/Reuters LONDON. Verhandlungen in letzter Minute über einen Verkauf der mehr als 800 Filialen hatten bis dahin keinen Erfolg. Schulden von 385 Mio. Pfund (457 Mio. Euro) stand nur noch ein Börsenwert von 18 Mio. Pfund gegenüber. Auch die Möbelhandelskette MFI berief gestern Insolvenzverwalter. Zusammen sind davon mehr als 30 000 Beschäftigte betroffen.

Die Geschäfte von Woolworths - das keine Verbindung zur deutschen Woolworth-Kette hat - entwickeln sich schon seit Jahren schlecht. Nun macht die Konsumflaute dem Traditionsunternehmen den Garaus.

Zuletzt plante der Vorstand, sich auf die profitable Großhandelssparte EUK zurückzuziehen. Sie beliefert britische Buch- und Musikshops und Supermärkte mit Büchern, CDs und DVDs. Er verhandelte bis zuletzt über das Verkauf des Filialnetzes an den Restrukturierungsexperten Hilco UK, der in Deutschland durch das missglückte Engagement bei Hertie bekannt ist. Medienberichten zufolge sollte der Kaufpreis nur ein symbolisches Pfund Sterling betragen. Doch der größte Einzelaktionär von Woolworths, der Immobilieninvestor Ardeshir Naghshineh, machte öffentlich Front gegen den Verkauf der Filialen. Ihm gehören knapp elf Prozent an dem Unternehmen.

Die Insolvenzverwaltung - die nach britischem Recht vom Unternehmen selbst bestellt wird - soll laut BBC die Wirtschaftsprüfungsfirma Deloitte übernehmen. Sie schließe Einzel- wie Großhandel ein. Nicht betroffen sei die Sparte 2 Entertain, ein Gemeinschaftsunternehmen mit BBC Worldwide, dem kommerziellen Ableger des öffentlich-rechtlichen Rundfunksenders BBC. Ein Sprecher bestätigte, dass BBC Worldwide darüber verhandele, 2 Entertain ganz zu übernehmen. Das Unternehmen veröffentlicht DVDs von BBC-Sendungen. Der Verkauf könnte rund 100 Mio. Pfund (120 Mio. Euro) einbringen.

Am gleichen Tag bestellte auch die Möbelhandelskette MFI Insolvenzverwalter. Erst vor zwei Monaten hatte MFI 80 Filialen geschlossen und das Management hatte angekündigt, die restlichen 110 Läden mit Hilfe von Investoren zu übernehmen. Dazu kommt es nun nicht mehr.

Die deutsche Kette Tchibo leitet wegen der Konsumschwäche den Rückzug aus Großbritannien ein. Die Zusammenarbeit mit den dortigen Handelsketten Somerfield und Sainsburys werde 2009 aufgegeben, kündigte ein Tchibo-Sprecher gestern in Hamburg an. Die beiden Handelsketten betreiben etwa 100 Vertriebsdepots von Tchibo in ihren Geschäften. Zudem will Tchibo etwa eigene 50 Filialen im Großraum London schließen.

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