Eisenbahnverkehr
Bahnchef Lutz will volle Züge

Der neue Bahnchef fährt mit Rückenwind: Umsatz, Gewinn und Fahrgastzahlen steigen in den ersten Monaten des Jahres. Um mehr Kunden in die Züge zu locken, ruft Richard Lutz das Ende der permanenten Preiserhöhungen aus.
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BerlinDie Deutsche Bahn hat ihre Strategie, steigende Kosten durch permanente Preiserhöhungen aufzufangen, wohl endgültig aufgegeben. Der seit zwei Monaten amtierende Konzernchef Richard Lutz setzt auf höhere Auslastung der Züge etwa durch Sparpreise. Wichtig ist Lutz in diesem Zusammenhang auch die Betriebsaufnahme der neuen Schnellfahrstrecke Berlin-München ab Jahresende. Damit werde die Fahrzeit von sechs auf unter vier Stunden im ICE-Sprinter verkürzt, sagte Lutz am Montagabend in Berlin.

Es sei die „größte Angebotserweiterung seit 20 Jahren“. Entlang dieser Linie profitierten 17 Millionen Bundesbürger von der neuen Verbindung. Die Bahn hofft darauf, sowohl Pkw-Nutzer wie auch Kunden der Fluggesellschaften auf dieser Strecke gewinnen zu können.

Nach Angaben von Lutz fährt die Bahn zurzeit „mit Rückenwind“. Schon 2016 hatten sich Fahrgastzahlen, Umsatz und Ergebnis verbessert. Und auch in diesem Jahr zeichnen sich weitere Steigerungen ab. Der Umsatz soll von 40,6 Milliarden auf mindestens 41,5 Milliarden Euro steigen, der Gewinn von 1,95 Milliarden auf 2,1 Milliarden Euro. In den ersten vier Monaten des Jahres sei die Zahl der Fahrgäste im Fernverkehr um drei Prozent gestiegen, berichtete Lutz. Wir sind „deutlich besser als erwartet über alle Geschäftsfelder“, sagte er.

Das gilt bislang auch für die Pünktlichkeit der Züge. Die liegt laut Bahn per 28. Mai bei 82 Prozent und damit drei Prozentpunkte besser als 2016. Lutz wies aber darauf hin, dass im Laufe des Jahres noch einige Großbaustellen den Wert nach unten drücken könnten. Die Bahn zählt Fernzüge als pünktlich, wenn sie weniger als sechs Minuten Verspätung haben.

Richard Lutz war Ende März zum Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn befördert worden. Sein Vorgänger Rüdiger Grube hatte Ende Januar im Streit mit dem Aufsichtsrat auf eine Vertragsverlängerung verzichtet und seinen Job kurzfristig aufgegeben hatte. Lutz ist ein langjähriger Wegbegleiter Grubes und hält auch an dem Sanierungsplan „Zukunft Bahn“ fest. Die Bahn will damit gegen sinkende Fahrgastzahlen, hohe Verspätungen und Qualitätsmängel vorgehen. Der Plan läuft bis 2021.

Lutz ist der erste Bahnchef, der in Doppelfunktion zugleich auch das Finanzressort führt. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte die Wahl mit Kontinuität begründet. Der 52jährige Manager ist seit 23 Jahren im Unternehmen, seit 2009 als Finanzvorstand. „Ich werde keine Revolution in Sachen Strategie anzetteln“, versicherte Lutz denn auch am Montag erneut.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent

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  • ... und die Stammkunden?

    Wirklich super fände ich, wenn Herr Lutz auch mal etwas für seine Stammkunden organisieren würde: Diese bezahlen mehrere tausend Euros für eine Bahncard 100 und erkaufen sich so eine Sitzplatzreservierung "ohne Suchen" im "Comfort Bereich". Nicht selten (mind. in den Wochenend-Pendlerzügen) ist jedoch der Comfort Bereich zu gering dimensioniert oder schlecht ausgeschildert. Dann werden diese Plätze von den Neukunden (und häufig auch ihrem Reisegepäck) gern genutzt und der Stammkunde begibt sich auf die Suche nach einer Alternative. Vielleicht sorgt schon eine verständliche Beschilderung oder ein freundlicher Hinweis der Schaffner für eine bessere Orientierung der von Herrn Lutz mit niedrigeren Preisen geworbenen Neukunden.

  • Noch voller?

    Bei meinem letzten Versuch mal mit der Bahn zu fahren musste ich 20 min. warten. Als der Zug dann ankam, war auch klar warum: total überfüllt.
    Natürlich: es war ein Volksfest, zu welchem die Menschen dann eben gerne auch mal mit dem Zug fahren. Auf sowas kann sich die Bahn natürlich nicht einstellen - woher soll die Bahn denn sowas auch wissen ...

    ... mangels Platz sind wir dann -wie etwa die Hälfte der Wartenden- trotz bereits gelöstem Ticket dann doch mit dem Auto gefahren ...

  • Berlin München unter vier Stunden, das hört sich gut an. Was ist mit ebenso wichtigen Strecken, die vollkommen irrational stiefkindlich behandelt werden. Warum muss ein ICE von Düsseldorf nach Berlin in Düsseldorf Hbf, Düsseldorf Flughafen, Duisburg, Essen, Bochum, Dortmund, Hamm, Bielefeld, Hannover usw. halten. Auf der Strecke von Düsseldorf bis Hannover ist ein IC und sogar ein RE nicht wesentlich langsamer, max. 10 min. Die Anbindung der Ruhrgebietes ist gut genug. Eine Reisezeitverkürzung auf deutlich unter 2 Stunden bis Hannover wäre wünschenswert, um das echte Pendeln zu erleichtern. Wenn man auf die hälfte der Stationen verzichten würde. Düsseldorf Hbf, oder Düsseldorf Flughafen, das wäre noch egal und dann max ein Stopp im Ruhrgebiet z.B. Essen, der Stopp in Hamm ist verständlich, da hier zwei Züge gekoppelt werden und der Stopp in Bielefeld ist auch verständlich...wie kann es sein, dass man mit dem Auto auf einer solchen Strecke nicht langsamer als ein ICE ist. Bitte korrigieren und zwar umgehend

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