Elektronikfachmärkte treten in Deutschland auf der Stelle
Media-Saturn wächst im Ausland

Die Metro-Tochter Media-Saturn-Holding GmbH verlegt ihr Wachstum zunehmend ins Ausland. Der Grund: In Deutschland stoßen ihre beiden Elektronik-Fachmarktketten aus Ingolstadt zunehmend an Wachstumsgrenzen. Während das Unternehmen in Westeuropa in den ersten neun Monaten um 25 % zulegte, wuchs der Umsatz im Inland nur noch um 2,7 %.

cs/jojo INGOLSTADT. Auf vergleichbarer Fläche verlieren Mediamarkt und Saturn in Deutschland sogar zunehmend Kunden. Nur durch die Eröffnung fünf neuer Märkte stieg im Inland der Umsatz im Sommerquartal noch einmal um 0,4 %. Flächenbereinigt blieb der Metro-Tochter ein Minus von 1,8 %.

Das Expansionstempo will der Vorsitzende der Geschäftsführung, Leopold Stiefel, dennoch nicht drosseln. Jedes Jahr sollen 50 Märkte hinzukommen, im laufenden Jahr sogar 52, davon 30 im Ausland. Mit 435 Elektronikgeschäften der Marken Mediamarkt und Saturn – davon immer noch mehr als zwei Drittel in Deutschland – sieht sich das Unternehmen als Nummer eins in Europa. Zu den zehn Staaten, in denen Media-Saturn derzeit Fernseher, CDs, Computer und Kühlschränke verkauft, werden bald neue dazu kommen: Nächstes Jahr eröffnen die ersten Läden in Portugal, dann stehen Griechenland und Russland auf der Tagesordnung.

Beide Ketten seien gleichermaßen profitabel, sagte Stiefel gestern vor der Presse. Lieferanten bezweifeln dies allerdings. Bei Mediamarkt sei das Geschäft ins Stocken geraten, heißt es bei mehreren Herstellern von Unterhaltungselektronik. Weil geschultes Verkaufspersonal fehle, sei der Umsatz pro Kunde inzwischen zu gering, glauben die Lieferanten. Vergangene Woche trennte sich Mediamarkt von seinem Geschäftsführer Wilfried Pohl, ohne auf Anfrage des Handelsblatts einen Grund zu nennen. Selbst der Betriebsratsvorsitzende wollte sich zu Pohls Abgang nicht äußern. Die Angelegenheit sei zu heikel.

Die Media-Saturn-Holding gehört zu mehr als 75 % dem Düsseldorfer Handelsriesen Metro. Den Rest der Anteile halten neben Leopold Stiefel die Gründer Erich und Helga Kellerhals sowie Walter Gunz. In den ersten drei Quartalen des Jahres erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 6,9 Mrd. Euro, ein Plus gegenüber dem Vorjahr von knapp 10 %. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg bis September um fast 21 % auf 119 Mill. Euro. Die hohen Wachstumsraten sollen auch im Rest des Jahres und 2004 beibehalten werden.

Die Media-Saturn-Holding gilt als ausgesprochen öffentlichkeitsscheues Unternehmen. Auch bei der Informationspolitik richten sich die Ingolstädter offenbar nach ihrem markanten Werbespruch: „Geiz ist geil.“

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