Emirates und der Pilotenmangel
Golf-Airline stößt an die Grenzen des Wachstums

Emirates startete als erste Fluggesellschaft vom Persischen Golf – und ist heute eine feste Größe in der Branche. Doch die rasante Expansion hat Folgen: Allmählich werden die Piloten knapp.
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FrankfurtDie Zahlen, die Henry Donohoe nennt, sind beeindruckend: „Wir werden 450 zusätzliche Piloten einstellen. 2016 werden voraussichtlich 20 neue Flugzeuge eingeflottet“, berichtet der Flugkapitän und Senior Vice President Flight Operations bei Emirates.

Wer gedacht hatte, die Airline vom Persischen Golf würde langsam mal auf die Wachstumsbremse treten, hat sich getäuscht. Das Unternehmen expandiert rasanter denn je. Doch während Flugzeuge recht leicht zu besorgen sind, ist das bei Flugzeugführern weniger einfach. Denn es droht ein weltweiter Engpass.

In einer vor wenigen Tagen vorgestellten Studie beziffert der Flugzeughersteller Boeing den Bedarf für die kommenden Jahre auf weltweit 558.000 neue Flugzeugführer. In Nordamerika und Europa werden jeweils 95.000 gebraucht, in Asien in den kommenden 20 Jahren sogar 226.000 Piloten, davon 100.000 in China.

Der Mangel bremst vor allem stark wachsende Fluggesellschaften wie Emirates. Hinzu kommt hier ein weiteres Problem: Unternehmenskenner berichten von einer sehr hohen Fluktuationsrate bei den Piloten. „Bei Emirates müssen die Piloten das fliegen, was gesetzlich maximal erlaubt ist: Das geht an die Substanz, weshalb viele Piloten abspringen“, beschreibt ein Insider die Situation bei Emirates.

Donohoe will dieses Thema nicht kommentieren, den Engpass räumt er allerdings ein: „Wir sind uns bereits länger eines potentiellen Pilotenmangels bewusst.“ Deshalb habe man bereits entsprechende Maßnahmen unternommen. So errichte man derzeit am Flughafen Dubai ein neues Ausbildungszentrum. Ende 2016 soll es in Betrieb gehen. „Das Programm nimmt etwa dreieinhalb Jahre in Anspruch und wird ab 2016 eine jährliche Kapazität von 160 bis 200 Flugschülern haben“, erläutert der Flugkapitän und Manager.

Der gewaltige Bedarf hängt auch mit der neuen Strategie zusammen, die Emirates-Chef Tim Clark der Airline seit kurzem verordnet.

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Kommentare zu " Emirates und der Pilotenmangel: Golf-Airline stößt an die Grenzen des Wachstums"

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  • Komisch, ein Bekannter von mir (Kapitän auf A320) wurde bei Qatar Airways entlassen.
    Er erzählte mir, dass es dort eine ganze Welle von Entlassungen vor allem ausländischer Mitarbeiter/innen gab und weiter gibt.
    Er musste innerhalb von ein paar Wochen Katar verlassen und nach D zurückkehren.
    Kein Witz - aktuell lebt er von Hartz IV.
    Auch ist es nicht so erstrebenswert, ständig auf Nachtflügen eingesetzt zu werden, was oft der Fall war.
    Natürlich wird dort blendend und steuerfrei verdient, aber zu welchem Preis?

  • Gut das ich Flugangst habe und nur mit dem Schiff oder Zug verreise.

  • Und die wären?
    „Bei Emirates müssen die Piloten das fliegen, was gesetzlich maximal erlaubt ist: Das geht an die Substanz, weshalb viele Piloten abspringen“,

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