EnBW-Chef Utz Claassen in der Kritik
Investcorp sucht Käufer für Apcoa

Thomas Middelhoff steht in seiner Nebenbeschäftigung als Berater für die arabische Beteiligungsgesellschaft Investcorp vor einem grandiosen Coup. Nur zweieinhalb Jahre nachdem er den Parkhausbetreiber Apcoa von EnBW übernommen hat, ist er dabei, das Unternehmen für ein Mehrfaches wieder zu verkaufen.

DÜSSELDORF. Die Angebotsunterlagen werden nach Angaben von Investcorp noch in dieser Woche an potenzielle Erwerber versandt. Im Gespräch ist ein Preis von 700 Mill. Euro. 2005 wurde der britische Marktführer NCP für 810 Mill. Euro vom Finanzinvestor 3i übernommen – mithin für das Dreizehnfache des Betriebsergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda).

Apcoa erwartet 2006 ein Ebitda von 53 Mill. Euro – das Dreizehnfache wären 689 Mill. Euro. Investcorp verweist außerdem darauf, dass Apcoa sein Ebitda 2005 und 2006 um je 18 Prozent gesteigert hat und international besser aufgestellt sei als NCP. Folglich sei Apcoa auch mehr wert.

Sollte der Verkaufspreis für Apcoa auch nur in die Nähe von 700 Mill. Euro kommen, bedeutet das Investment für Middelhoff einen grandiosen Coup. Die Parkhausübernahme war der erste Kauf Middelhoffs in seiner Rolle als Senior Advisor für Investcorp. Der Karstadt-Chef ist bei Investcorp nicht nur Berater, sondern bei den Übernahmen, die er einfädelt, auch mit eigenem Geld beteiligt. 2004 zahlte Investcorp 265 Mill. Euro für Apcoa. Nun winkt ein Gewinn von mehr als 250 Prozent.

Middelhoff bestätigte dem Handelsblatt die Verkaufsabsichten und zeigt sich zufrieden. „Apcoa profitiert von einem steigenden Trend zum Outsourcing der Parkraumbewirtschaftung und ist als Marktführer hervorragend aufgestellt“, sagte der Manager, der auch Aufsichtsratsvorsitzender von Apcoa ist.

Bei allem Lob wirft der Verkauf aber auch eine Frage auf. Der Umsatz von Apcoa stieg seit 2004 um zehn Prozent, für 2006 erwartet das Management 483 Mill. Euro. Wie nun kann ein Unternehmen, das zwar deutlich, aber keineswegs dramatisch wächst, heute mehr als zweieinhalb Mal so viel wert sein wie vor zweieinhalb Jahren? Entweder ist der angestrebte Preis 2006 viel zu hoch, oder der Verkaufspreis war 2004 viel zu niedrig.

Wolfgang Müller hat sich seine Meinung gebildet. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Salamander kaufte Apcoa im Jahr 2000 für 180 Mill. Euro. Den Verkauf 2004 für 265 Mill. Euro hält er für absurd niedrig und macht den Vorstandsvorsitzenden der Salamander-Mutter EnBW, Utz Claassen, verantwortlich. Der hatte 2004 schon Monate vor der Vertragsunterschrift den Verkauf von Apcoa an Investcorp angekündigt und blieb mehrfach den Vollzug schuldig. „Allein das hat 40 bis 50 Millionen gekostet“, sagt Müller. „Claassen hat den Verkauf völlig unprofessionell betrieben. Da wurde das Vermögen der Aktionäre verschleudert.“

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