Ende der Bieterfrist Lufthansa übernimmt Großteil von Air Berlin

Lufthansa übernimmt wie geplant einen Großteil von Air Berlin. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Verhandlungskreise. Die Zukunft der Cargo-Sparte ist dagegen noch in der Schwebe.
Update: 11.10.2017 - 16:24 Uhr Kommentieren

„Zukunft ist von dunklen Wolken umgeben“ – Weiterhin Ungewissheit für Air-Berlin-Mitarbeiter

„Zukunft ist von dunklen Wolken umgeben“ – Weiterhin Ungewissheit für Air-Berlin-Mitarbeiter

BerlinDie Lufthansa steht einem Agenturbericht zufolge kurz vor der Übernahme von großen Teilen der insolventen Konkurrentin Air Berlin. „Der Deal mit der Lufthansa steht, man ist sich handelseinig“, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Der Vertrag sei allerdings noch nicht unterschrieben. Das Paket beinhalte die Air-Berlin-Tochter Niki, die Luftfahrtgesellschaft Walter und einige weitere Kurzstreckenmaschinen.

Air Berlin hatte angekündigt, mit Lufthansa und der britischen Easyjet bis diesen Donnerstag exklusiv über den Kauf von Teilen der Airline zu verhandeln. Ein Lufthansa-Sprecher wollte die Informationen nicht bestätigen. Doch sei der Dax-Konzern zuversichtlich, bei den Verhandlungen die angestrebte Frist einhalten zu können. Ein Sprecher von Air Berlin wollte dazu keinen Kommentar abgeben.

Die Lufthansa hatte für 81 der noch gut 130 Maschinen von Air Berlin geboten. Noch nicht abgeschlossen sind unterdessen die Verhandlungen von Air Berlin mit Easyjet.

Die spektakulärsten Airline-Pleiten
2017: Air Berlin
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Mit Air Berlin hat die zweitgrößte Airline Deutschlands Insolvenz angemeldet. Die Pleite bahnte sich seit längerem an: Das Unternehmen mit rund 8.600 Beschäftigten schrieb seit Jahren Verluste und hielt sich hauptsächlich durch Finanzspritzen ihres Großaktionärs Etihad noch in der Luft. Am Freitag drehte die nationale Airline der Vereinigten Arabischen Emirate den Berlinern aber den Geldhahn zu. Mit dem Kredit von 150 Millionen Euro stellt nun der Bund den Flugbetrieb vorerst sicher.

Harter Wettbewerb
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Air Berlin ist kein Einzelfall. Die goldenen Zeiten der Luftfahrt sind seit der Liberalisierung des Marktes, die in den 1980er-Jahren einsetzte, vorbei. Seitdem regiert ein knallharter Wettbewerb die Lüfte. Auch die Branchenkrise nach den Anschlägen des 11. September 2001 und das Aufkommen der Billigflieger sorgen dafür, dass viele bekannte Airlines in die Pleite gerutscht sind.

1991: Pan American Airways
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Wie kein zweites Unternehmen stand „Pan Am“ für das glamouröse Jet-Zeitalter. 1927 flogen die ersten Postflugzeuge unter dem Namen zwischen Florida und Havanna. Schnell wurde das Unternehmen zu einer der größten US-Fluggesellschaften. Die Airline war eine der ersten, die Interkontinentalflüge anbot, und setzte zahlreiche Standards in der zivilen Luftfahrt. Das blau-weiße „meatball“-Logo von Pan American genießt bis heute Kultstatus.

1991: Pan American Airways
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In den 1980er-Jahren begann der Stern von Pan Am zu sinken. Durch die Deregulierung des US-Marktes kamen zahlreiche Konkurrenten auf. 1988 wurde über dem schottischen Lockerbie eine Maschine durch einen Terroranschlag zum Absturz gebracht, was das Vertrauen der Öffentlichkeit erschütterte. 1991 folgte die Übernahme durch Delta Air Lines.

1992, 1995 und 2001: Trans World Airlines
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Auch TWA gehörte zu den Pionieren der Luftfahrt. Gegründet 1930 als „Transcontinental and Western Air“, machte der exzentrische Milliardär Howard Hughes („The Aviator“) das Unternehmen zur zeitweise größten Airline der Welt. Hinter Pan Am war TWA die inoffiziell zweite Flaggschiff-Gesellschaft der USA. 1985 kaufte der Investor Carl Icahn TWA.

1992, 1995 und 2001: Trans World Airlines
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In den 1990er-Jahren musste TWA zwei Mal in kurzer Folge Gläubigerschutz beantragen. 1996 starben beim Absturz einer Boeing 747 über dem Atlantik 230 Menschen. Die stark geschrumpfte Airline kam 2001 wieder in finanzielle Schwierigkeiten und wurde von Konkurrent American Airlines übernommen.

2001: SwissAir
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1931 gegründet galt die Airline wegen ihrer finanziellen Stabilität lange als „fliegende Bank“. Aufgrund der politischen Neutralität der Schweiz konnte SwissAir zahlreiche lukrative Ziele in Afrika und im Nahen Osten anfliegen.

Doch auch, wenn es nicht zu einer Einigung mit den Briten bis Donnerstag komme, sei ein Abschluss mit ihnen noch möglich, sagten zwei Insider. Auch die Thomas-Cook-Tochter Condor sei ein weiterer möglicher Abnehmer. Condor wollte sich nicht äußern, von Easyjet war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Unterdessen startete das Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht einen neuen Anlauf zur Übernahme der Techniksparte von Air Berlin „Wir haben in einer Bietergemeinschaft ein angepasstes Angebot für große Teile der Air Berlin Technik und für die Leisure Cargo vorgelegt“, sagte ein Firmensprecher am Mittwoch, ohne Details zu nennen. Wie Reuters aus dem Umfeld der Verhandlungen erfuhr, bietet Zeitfracht zusammen mit dem Wartungsunternehmen Nayak und dessen Eignern.

Air Berlin ist seit Mitte August pleite und verhandelt noch bis Donnerstag exklusiv mit Lufthansa und dem britischen Billigflieger Easyjet über den Verkauf von Teilen des Konzerns. In dem getrennten Verfahren für die Techniksparte wurde die Bieterfrist für zwei Wochen bis zum 22. Oktober verlängert. Die Technik-Sparte hat rund 1200 Beschäftigte, was umgerechnet etwa 850 Vollzeitstellen entspricht. Die größten Standorte sind Berlin, Düsseldorf und München.

Der Betriebsrat in Düsseldorf warf der Lufthansa derweil vor, „Air Berlin Technik über die Klinge springen“ zu lassen. Hintergrund sei, dass die Lufthansa die Wartung von 20 Turboprop-Flugzeugen (Q400), die sie kaufen will, künftig selbst übernehmen wolle. Für die Techniksparte der Berliner sei es aber wichtig, dass man diese Maschinen weiter warte, betonten die Arbeitnehmervertreter. „Nur dann kann die Basis für den weiteren Betrieb und die weitere Beschäftigung der Mitarbeiter erhalten werden.“

Sonst seien 920 Jobs massiv gefährdet. „Diesen Preis ist die Lufthansa offensichtlich bereit zu zahlen“, erklärte der Betriebsrat. Ein Lufthansa-Sprecher sagte dazu: „Die Insolvenz der Air-Berlin-Gruppe ist nicht von der Lufthansa zu verantworten.“ Der Konzern plane nicht, an den Wartungsverträgen der Tochter Eurowings mit der Lufthansa Technik etwas zu ändern. Die Lufthansa will 81 Maschinen der insolventen Air Berlin zum Ausbau von Eurowings übernehmen.

100.000 Kunden von Flugstreichungen betroffen
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