Ende der Bieterfrist
Lufthansa übernimmt Großteil von Air Berlin

Lufthansa übernimmt wie geplant einen Großteil von Air Berlin. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Verhandlungskreise. Die Zukunft der Cargo-Sparte ist dagegen noch in der Schwebe.
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BerlinDie Lufthansa steht einem Agenturbericht zufolge kurz vor der Übernahme von großen Teilen der insolventen Konkurrentin Air Berlin. „Der Deal mit der Lufthansa steht, man ist sich handelseinig“, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Der Vertrag sei allerdings noch nicht unterschrieben. Das Paket beinhalte die Air-Berlin-Tochter Niki, die Luftfahrtgesellschaft Walter und einige weitere Kurzstreckenmaschinen.

Air Berlin hatte angekündigt, mit Lufthansa und der britischen Easyjet bis diesen Donnerstag exklusiv über den Kauf von Teilen der Airline zu verhandeln. Ein Lufthansa-Sprecher wollte die Informationen nicht bestätigen. Doch sei der Dax-Konzern zuversichtlich, bei den Verhandlungen die angestrebte Frist einhalten zu können. Ein Sprecher von Air Berlin wollte dazu keinen Kommentar abgeben.

Die Lufthansa hatte für 81 der noch gut 130 Maschinen von Air Berlin geboten. Noch nicht abgeschlossen sind unterdessen die Verhandlungen von Air Berlin mit Easyjet.

Doch auch, wenn es nicht zu einer Einigung mit den Briten bis Donnerstag komme, sei ein Abschluss mit ihnen noch möglich, sagten zwei Insider. Auch die Thomas-Cook-Tochter Condor sei ein weiterer möglicher Abnehmer. Condor wollte sich nicht äußern, von Easyjet war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Unterdessen startete das Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht einen neuen Anlauf zur Übernahme der Techniksparte von Air Berlin „Wir haben in einer Bietergemeinschaft ein angepasstes Angebot für große Teile der Air Berlin Technik und für die Leisure Cargo vorgelegt“, sagte ein Firmensprecher am Mittwoch, ohne Details zu nennen. Wie Reuters aus dem Umfeld der Verhandlungen erfuhr, bietet Zeitfracht zusammen mit dem Wartungsunternehmen Nayak und dessen Eignern.

Air Berlin ist seit Mitte August pleite und verhandelt noch bis Donnerstag exklusiv mit Lufthansa und dem britischen Billigflieger Easyjet über den Verkauf von Teilen des Konzerns. In dem getrennten Verfahren für die Techniksparte wurde die Bieterfrist für zwei Wochen bis zum 22. Oktober verlängert. Die Technik-Sparte hat rund 1200 Beschäftigte, was umgerechnet etwa 850 Vollzeitstellen entspricht. Die größten Standorte sind Berlin, Düsseldorf und München.

Der Betriebsrat in Düsseldorf warf der Lufthansa derweil vor, „Air Berlin Technik über die Klinge springen“ zu lassen. Hintergrund sei, dass die Lufthansa die Wartung von 20 Turboprop-Flugzeugen (Q400), die sie kaufen will, künftig selbst übernehmen wolle. Für die Techniksparte der Berliner sei es aber wichtig, dass man diese Maschinen weiter warte, betonten die Arbeitnehmervertreter. „Nur dann kann die Basis für den weiteren Betrieb und die weitere Beschäftigung der Mitarbeiter erhalten werden.“

Sonst seien 920 Jobs massiv gefährdet. „Diesen Preis ist die Lufthansa offensichtlich bereit zu zahlen“, erklärte der Betriebsrat. Ein Lufthansa-Sprecher sagte dazu: „Die Insolvenz der Air-Berlin-Gruppe ist nicht von der Lufthansa zu verantworten.“ Der Konzern plane nicht, an den Wartungsverträgen der Tochter Eurowings mit der Lufthansa Technik etwas zu ändern. Die Lufthansa will 81 Maschinen der insolventen Air Berlin zum Ausbau von Eurowings übernehmen.

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