Ende der Einzelhandelskrise nicht in Sicht
Weihnachtsgeschäft letzte Hoffnung für Einzelhandel

Weiter ist ein Ende der Krise im deutschen Einzelhandel nicht in Sicht. Der Branchenverband HDE rechnet wegen der anhaltenden Konsumflaute für das ablaufende Jahr mit dem dritten Umsatzrückgang in Folge.

HB FRANKFURT. Zwei zusätzliche Verkaufstage und der Verzicht auf Rabattschlachten sollen immerhin eine Steigerung der Erlöse im Weihnachtsgeschäft bringen, wie BAG-Präsident Walter Deuss am Mittwoch in Frankfurt ankündigte. Für das kommende Jahr hofft der Verband allenfalls auf stagnierende Geschäfte sowie einen verlangsamten Stellenabbau. „Rosigen Zeiten wird der Einzelhandel aber nicht entgegensehen“, machte Deuss deutlich. Er dämpfte damit zugleich Hoffnungen auf eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums durch eine anziehende Binnenkonjunktur.

Deuss beklagte eine „fast schon depressive Haltung“ der durch Reformdebatten, hohe Arbeitslosigkeit und stagnierende Realeinkommen verunsicherten Verbraucher. Für 2004 geht die Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels (BAG) von einem Umsatzrückgang von 0,4 % aus. Damit lägen die Erlöse zum Jahresende mit 372 Mrd. € um 2,3 % unter dem Niveau des Jahres 2001. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) hatte seinen Ausblick für das laufende Jahr zuletzt auf ein Minus von 0,5 % zurückgenommen. Ursprünglich hatten beide Verbände ein Umsatzplus von nominal 0,5 % vorausgesagt, was inflationsbereinigt eine Stagnation bedeutet hätte. In den ersten neun Monaten verbuchte der Einzelhandel Einbußen von nominal 1,1 %, wozu insbesondere schwache Geschäfte im Versandhandel und Bekleidungseinzelhandel beitrugen.

Für einen versöhnlichen Jahresausklang soll das Weihnachtsgeschäft sorgen, für das die BAG ein Umsatzplus von gut drei Prozent erwartet. Im Vorjahr hatten unter anderem drastische Rabattaktionen noch zu einem Einbruch um 17 % geführt. Deuss sieht Anzeichen, dass sich die Kunden in diesem Jahr nicht nur in den Warenhäusern umschauen, sondern wieder mehr und verstärkt auch Produkte von höherer Qualität einkaufen.

Für das kommende Jahr hofft der Verband, dass die Verbraucher die vorgesehenen Steuerentlastungen nicht in den Sparstrumpf stecken, sondern dem Einzelhandel in die Kassen spülen. Eine „schwarze Null“ 2005 wäre bereits ein Erfolg, betonte Deuss. Bei den Preisen erwartet er „nur eine marginale Entwicklung nach oben“.

Seinen Worten zufolge leidet die Branche auch daran, dass die Deutschen einen immer größeren Anteil ihres Einkommens für Reisen und Telefonieren ausgeben statt für Konsumartikel. Die Zahl der Insolvenzen im Einzelhandel wird nach BAG-Schätzung 2004 auf 4500 (Vorjahr: 4305) weiter ansteigen. Ende März zählte die Branche rund 56 600 Beschäftigte weniger als vor Jahresfrist, ein Minus von etwa drei Prozent. Dieser Stellenabbau dürfte sich Deuss zufolge fortsetzen, „wenn auch nicht in demselben Ausmaß“.

Den Warenhäusern empfahl der BAG-Präsident mehr Fantasie bei der Präsentation der Sortimente und gute Serviceangebote, um sich gegen Billiganbieter und Konkurrenz auf der so genannten „Grünen Wiese“ durchzusetzen. Zur Krise des Karstadt-Quelle-Konzerns, den Deuss bis zum Jahr 2000 leitete, wolle der Verband sich nicht äußern.

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