Ende der großen Kataloge
Hintergrund: Schöne bunte Katalogwelt

Kaum eine Sparte des Handels hat eine so abwechslungsreiche Geschichte vorzuweisen wie der Versandhandel. Erste deutsche Anbieter gibt es seit 1884.

Neckermann gehört zur zweiten Generation der Versandhäuser. Die profitiert von der Währungsreform 1948: Es herrscht Knappheit, aber die Waren sind wieder frei zu beziehen. Kataloge haben ein gutes Image: Sie bieten günstige Preise, gesicherte Qualität und ein großen Angebot. Neckermann verschickt seine Kataloge zum ersten Mal 1950. Der Neuling überholt rasch die zahlreichen etablierten Spezialanbieter. Je dicker der Katalog, desto besser, lautet das Motto.

Der typische Kunde kommt aus der Mittelschicht und lebt auf dem Land. In den 60er-Jahren ist das Durchblättern der rund 400 bunten Seiten ein Familienereignis. Die Befürworter der Kataloge bescheinigen ihnen einen großen Anteil an der Verbreitung des Wohlstands. Kritiker wie der Philosoph Hans Magnus Enzensberger werfen den Versendern vor, die Kunden durch ihre Kataloge in eine „kleinbürgerliche Hölle“ zu führen.

Mit prächtigen Gewinnen wird Neckermann zum begehrten Übernahmeobjekt: Karstadt kauft den Versandhändler 1977 auf. Die Wiedervereinigung 1989 bringt dem Versandhandel neuen Schwung. Die einstigen DDR-Bürger bestellen, was die Kataloge hergeben. Doch diese Sonderkonjunktur kann die Probleme des Versandhandels nur kurzzeitig überdecken. Denn auch auf dem Lande gibt es immer mehr Filialen großer Modeketten. Außerdem bietet das Internet mehr als selbst der umfangreichste Katalog.

Das Ende der großen Kataloge läutet Karstadt-Quelle im August 2004 ein: Die Schwarten von Quelle und Neckermann gelten als nicht mehr zeitgemäß und werden durch Einzelkataloge zu speziellen Themen wie Sport oder Lifestyle ersetzt. Neckermann verschickt seine sieben Millionen Kataloge 2005 zum letzten Mal.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%