Ende des Briefmonopols
Wenn der Postmann dreimal klingelt

Deutschland fiebert der nächsten großen Marktöffnung entgegen: Am 1. Januar 2008 verliert die Deutsche Post ihr Briefmonopol. Die Konkurrenten stehen schon in den Startlöchern. Wie profitieren die Kunden? Und was bedeutet die Änderung für das Briefeschreiben überhaupt?
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DÜSSELDORF. Die drei Damen in den weißen Blusen und dunklen Hosen haben ganz schön zu tun: Telefonate annehmen, Nachrichten notieren, Besucher begrüßen. Rund 80 Firmen residieren hier im World-Wide Business Centre an der Düsseldorfer Königsallee - und wollen pausenlos bedient werden. Da haben die Damen keine Zeit für Extras. Und dann auch noch das: 9.30 Uhr. Peter Langer, 37, gelbes Polohemd, blaugelber Blouson, platzt herein. "Die Post", ruft der bullige Mittdreißiger, legt einen Stapel Briefe ab, lässt sich den Empfang der Einschreiben quittieren und eilt davon. Die Damen unterbrechen ihre Arbeit, sortieren die Post und verteilen sie an die Empfänger.

10.25 Uhr. Annemarie Lauenroth, 58, blaue Jeans, orange-blaue Jacke, tritt ein. "Guten Tag, TNT Post", sagt die zierliche Blonde, greift in ihre orangefarbene Umhängetasche und überreicht einen Packen Sendungen. Wieder unterbrechen die Empfangsdamen ihre Arbeit, sortieren die Briefe und verteilen sie.

11.05 Uhr. Michael Pernau, 30, grüner Pullover, grüne Baseballmütze, grüne Hose, prescht durch die Tür. "West Mail, guten Morgen", sagt der jungenhafte Typ mit dem frechen Spitzbart, übergibt einen Schwung Briefe und verschwindet wieder. Noch einmal müssen die Damen ran - Einschreiben abzeichnen, Briefe sortieren, Briefe verteilen. "Für uns ist das ein Nachteil, wenn dreimal am Tag die Post kommt", sagt Office Managerin Anja Becker. "Es behindert das normale Geschäft - so wie wenn jemand zu Hause dreimal am Tag den Briefträger reinlassen müsste."

Dreimal am Tag Briefe öffnen, dreimal den Briefträger klingeln hören, um Einschreiben entgegenzunehmen: Für Managerin Becker ist die gelb-orange-grüne Dreifaltigkeit jeden Morgen schon Alltag.

Der großen Masse der Unternehmen und Verbraucher in Deutschland steht die Post in Etappen erst noch bevor - und einiges mehr. Was sich in den Bürohäusern an der Düsseldorfer Prachtmeile abspielt, gibt nur einen Vorgeschmack auf ein Ereignis, das 2008 die ganze Republik erfassen wird: der Fall des Briefmonopols - die nächste große Marktöffnung in Deutschland.

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