Endgültiges Aus
Praktiker-Aktie: Minus 40 Prozent auf alles!

Der Kampf ist verloren: Die insolvente Baumarktkette Praktiker wird nun endgültig zerschlagen, denn der Insolvenzverwalter hat keinen Käufer gefunden. An der Börse sind die Anleger entsetzt – die Aktie geht auf Talfahrt.
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DüsseldorfDie Baumarktkette Praktiker, 1978 im Saarland gegründet, ist am Ende. Das Unternehmen, das inzwischen auf eine Historie von 35 Jahren zurückblicken kann, steht nun endgültig vor dem Aus. Dem vorläufigen Insolvenzverwalter Christopher Seagon ist es nicht gelungen, einen Käufer zu finden. In 130 Märkten beginnt Ende nächster Woche der Ausverkauf, teilten die vorläufigen Insolvenzverwalter am Mittwoch in Hamburg mit.

Die Anleger an der Börse reagieren geschockt: Bis zum Nachmittag verliert die Aktie rund 40 Prozent an Wert und notiert aktuell bei 0,05 Euro – ein Trauerspiel. Damit unterbietet der SDax-Titel das bisherige Allzeittief bei 0,075 Euro deutlich. Das Erstaunliche daran ist eigentlich, dass es noch Anleger gibt, für die das endgültige Aus eine Überraschung darstellt.

Am Abend dürfte die Deutsche Börse die Praktiker-Aktie aus dem SDax werfen. Dass die Papiere nach der Sitzung des Arbeitskreises Aktienindizes ihren Platz räumen müssen, gilt als sicher.

Von dem Ende der Baumarktkette sind wohl 5300 Mitarbeiter, davon 1780 geringfügig Beschäftigte, betroffen. Ihnen werde zunächst nicht gekündigt. Erst am Ende des Investorenprozesses, der bis Oktober abgeschlossen sein soll, werde sich absehen lassen, was aus den einzelnen Standorten werde. Die Gewerkschaft Verdi erklärte, der Ausverkauf der Praktiker-Filialen sei eine „verheerende Katastrophe“ für tausende von Beschäftigten und mahnte die Übernahme von sozialer Verantwortung aller Beteiligten an. „Es glaubt niemand wirklich, dass die Praktiker-Beschäftigten nach dem Leerverkauf von den neuen Betreibern auch tatsächlich übernommen werden“, sagte Verdi-Vorstand Stefanie Nutzenberger. „Es wird Standorte geben, die so interessant sind, dass es vermutlich Übernehmer geben wird - aber es ist notwendig, dass es ein Konzept und Transparenz darüber gibt, wie die Fortführung nach dem Leerverkauf sichergestellt werden kann.“

Einige davon könnten sowohl von Branchenkonkurrenten als auch von anderen Einzelhändlern wie Textilunternehmen und Elektronikketten übernommen werden. Besser sehe es für die ebenfalls insolvente Konzerntochter Max Bahr aus, für die mehrere Angebote aus dem In- und Ausland vorlägen. Es bestehe nicht nur Interesse an den 132 Max-Bahr-Märkten, sondern darüber hinaus auch an weiteren 42 Praktiker-Filialen, die auf die Marke Max Bahr umgeflaggt werden sollten, heißt es in einem Bericht der „Welt“. Dazu war es durch die Insolvenz im Juli nicht mehr gekommen.

So hatte etwa die Baumarktkette Hornbach ein Auge auf einzelne Märkte geworfen. „Auch wir prüfen, ob wir Baumärkte von den insolventen Konkurrenten übernehmen, wenn sie konzeptionell zu uns passen“, hatte Hornbach-Finanzvorstand Roman Pelka der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ gesagt. Man befinde sich „aber noch in der Prüfphase“.

Im Juli war der lange Überlebenskampf von Praktiker gescheitert, die Baumarktkette meldete Insolvenz an. Zwei Wochen später scheiterte auch die Tochter Max Bahr, die als Hoffnungsträger des Konzern gegolten hatte. Zum Verhängnis war Praktiker auch das Billigkonzept geworden, das unter dem Slogan „20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung“ beworben wurde. Mit jahrelangen Preisschlachten hat sich der Konzern selbst in die Krise manövriert. Zuletzt versuchte der Praktiker-Chef Thomas Fox noch den Kurs zu korrigieren - vergeblich. Der 55-jährige Fox galt in der Branche auch nicht als Handelsstratege, den Praktiker dringend gebraucht hätte. Seine Spezialität, so schrieb es das "manager magazin" im März, ist es, in der Insolvenz Kosten zu kappen. So soll er es zuvor schon bei der Warenhausfirma Karstadt, beim Möbelhersteller Schieder und bei der Drogeriekette Ihr Platz praktiziert haben. Schon vor Monaten kursierten Gerüchte, das Fox bei Praktiker eine Planinsolvenz angestrebt habe, damit er sich von teuren Mietverpflichtungen losreißen kann. Praktiker dementierte.

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  • Es ist wirklich unfassbar, das es den feinen Beratern vorläufig gelungen ist, auch aus der letztlich insolventen Praktiker-Gruppe in 2011/2012 noch 70 Mio. EUR rausgeholt zu haben. Es bleibt zu hoffen, dass der Insolvenzverwalter mögliche Rückforderungsansprüche aufgrund der wertlosen Beraterarbeit gegen die Beraterfirmen erfolgreich geltend machen kann.
    Übrigens: Im Falle der ebenfalls insolventen Q Cells erwägt der Insolvenzverwalter Rückforderungsansprüche gegen die vom Handelsblatt als „angesehenste und zugleich außergewöhnlichste Sozietät unter den Wirtschaftskanzleien“ gelobte Anwaltskanzlei Hengeler Mueller. In diesem Fall haben die smarten Anwälte noch weit bis in das Jahr 2012 an der Sanierung des Unternehmens gefeilt und Honorare kassiert, obwohl zu diesem Zeitpunkt aber längst klar gewesen sei, dass die Rettung aussichtslos ist
    Es wird Zeit, dass das Handeln der Organe (insbesondere die Einschaltung von Sanierungsberatern) der betroffenen Gesellschaften und der von Ihnen eingeschalteten Berater in Sanierungssituationen kritischer beobachtet wird, nicht zuletzt unter Corporate Governance-Aspekten. Es kann nicht sein, dass sanierungsbedürftige Unternehmen zu Lasten der Insolvenzmasse und der Mitarbeitet kurz vor der tatsächlichen Insolvenz von den einschlägig bekannten Beraterfirmen noch ausgeplündert werden!

  • ob da 5300 mitarbeiter dranhängen ist dir wohl völlig egal

  • Mir tut der leid der glaubt das die Baumarktrangliste Informationswert zum wirtschaftlichen Niedergang der Praktikerbaumärkte.
    Aussagekräftige währe eine Erhebung der Höhe der Staubschichten auf der Ware.
    Nicht nur Donata Riedel arbeitet schlecht beim Handelsblatt.

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