Energie-Abrechner
Techem profitiert vorerst nicht von Atom-Aus

Das Aus für die Atomkraft in Deutschland bringt dem Energie-Abrechner Techem vorerst nicht mehr Geschäft. „Mittel- und langfristig werden wir von der Energiewende profitieren“, sagte Vorstandschef Hans-Lothar Schäfer.
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EschbornTechem wirbt mit dem Versprechen sinkender Energiekosten um Vermieter und Unternehmen als Kunden. Die Steuerung von Zentralheizungen nach dem Verbrauch, den der Energieabrechner ohnehin per Funk ständig automatisch misst, soll allein zehn Prozent Energie sparen. Nach der Umstellung auf Sonnen- und Windenergie rechnen Experten mit steigenden Stromkosten.

Kurzfristig wiege aber das Ende der Steuervorteile für Contracting-Verträge stärker, mit denen das Unternehmen Hotels, Bädern oder Einzelhändlern die Beschaffung von Strom und den Betrieb von Heizanlagen abnimmt, sagte Schäfer. Deshalb rechne Techem für das Geschäftsjahr 2011/12 (Ende März) nur mit einem stagnierenden Umsatz, nachdem er im vergangenen Geschäftsjahr um 6,5 Prozent auf 732 Millionen Euro zugelegt hatte.

Das Kerngeschäft, die Abrechnung von Heiz- und Wasserkosten, soll auch 2011/12 um fünf bis sechs Prozent wachsen, zuletzt hatte Techem dort um 5,8 Prozent auf 517 Millionen zugelegt. Vor allem die Expansion ins Ausland soll Zuwächse bringen. In Ländern wie Brasilien oder der Türkei stecke das Geschäft noch in den Kinderschuhen. Das Contracting war mit 8,3 Prozent stärker gewachsen. Dort fehle den Unternehmenskunden nun aber die Planungssicherheit, erklärte Schäfer die Zurückhaltung.

Techem sei vor Steuern und Zinsen (Ebit) profitabel, sagte Finanzchef Steffen Bätjer. Das Ergebnis sei „sehr zufriedenstellend“. Die Nettoverschuldung, die nach der Übernahme durch einen Fonds der australischen Macquarie-Gruppe bei 1,1 Milliarden Euro gelegen hatte, sei bereits ein Stück abgetragen worden. Ein Weiterverkauf sei auf lange Sicht nicht zu erwarten - der Infrastrukturfonds halte seine Beteiligungen über Zeiträume von zehn Jahren
„oder ein Vielfaches davon“, sagte Schäfer.

Größere Zukäufe plant Techem nicht. „Im Markt ist etwas Ruhe eingekehrt“, sagte der Firmenchef. Die Zahl von 150 Ablesern und Abrechnern in Deutschland sei stabil. Größter Konkurrent von Techem ist Ista, die dem Finanzinvestor CVC gehört. „Wir haben aktuell nichts auf dem Radar, würden uns aber Unternehmen anschauen, wenn es passt“, sagte Schäfer. Im Contracting hat Techem im März die kleine Freiburger GWE mit 35 Millionen Euro Umsatz übernommen. Diese ist im Energiemanagement vor allem im Gesundheitssektor aktiv.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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