Energiebranche
Vattenfall will Kontrolle über Netze abgeben

Der Energiekonzern Vattenfall geht auf Konfrontationskurs zu seinen deutschen Konkurrenten. Im Gerangel mit der EU-Kommission um die Entflechtung von Produktion und Netz ist Konzernchef Lars Göran Josefsson deutlich kompromissbereiter als Eon und RWE und zu einer weitgehenden Abgabe der Kontrolle bereit. „Wir stehen keiner Lösung im Weg“, sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Gleichzeitig attackierte Josefsson die Lobbyarbeit der deutschen Atombranche.

BERLIN.Die EU-Kommission wird am kommenden Mittwoch ein Gesetzespaket veröffentlichen, mit dem sie den schleppenden Wettbewerb auf dem europäischen Strom- und Gasmarkt ankurbeln will. Um das Paket wird bereits seit Wochen gestritten. Kernpunkt ist die Entflechtung der großen Versorger, die die Verfügungsgewalt über die Übertragsungsnetze abgeben sollen. Dabei stehen zwei Modelle zur Wahl. Die Kommission fordert, dass die Energiekonzerne sich entweder vom Eigentum an ihren Netzen trennen – dem sogenannten ownership unbundling – oder aber zumindest das Netz-Management an einen unabhängigen Systembetreiber übertragen. Der Systembetreiber soll über den Netzzugang und auch über alle Netzinvestitionen entscheiden.

Während Eon und RWE beide Varianten kategorisch ablehnen, würde sich Josefsson in letzter Konsequenz selbst dem ownership unbundling nicht verschließen – auch wenn er es nicht für den besten Weg hält. Es werfe viele rechtliche Fragen auf und bringe den Wettbewerb auch nicht entscheidend voran.

Der Vattenfall-Chef plädiert deshalb dafür, die Netze über die Landesgrenzen zu verbinden, und ist hier zu weitgehenden Zugeständnissen bereit. „Wir sind bereit, unsere Transportnetze in einen regionalen Übertragungsnetzbetreiber einzubringen, der als unabhängiges Unternehmen das Netz managt und vor allem Investionsentscheidungen mit Blick auf einen grenzüberschreitenden Markt tifft“, sagte Josefsson. Diesen Vorschlag hatte er bereits im Frühjahr EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in einem Schreiben dargelegt.

Vattenfall hat zwar bereits gemeinsam mit Eon, RWE und fünf weiteren Unternehmen eine Initiative für einen Regionalmarkt in fünf westeuropäischen Ländern angestoßen. Die Unternehmen aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Luxemburg haben vereinbart, gemeinsam die grenzüberschreitenden Leitungen effizienter zu nutzen, den Handel mit Strom über Ländergrenzen hinweg zu erleichtern und den Markt liquider zu machen. Vor allem sollen Engpässe bei der Anbindung der nationalen Netze identifiziert und beseitigt werden.

Die Vorstellungen, wie weit die Kooperation letztlich gehen soll, gehen aber weit auseinander. Josefsson sieht die Initiative als „nützlichen Schritt“ auf dem Weg zu einem unabhängigen Systembetreiber in diesem Regionalmarkt. Eon und RWE wollen die Verfügungsgewalt über ihr eigenes Netz dagegen nicht aufgeben.

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