Energiekonzern misst dem Markt großes Potenzial bei, schreckt vor großen Übernahmen aber zurück: Eon nimmt Italien ins Visier

Energiekonzern misst dem Markt großes Potenzial bei, schreckt vor großen Übernahmen aber zurück
Eon nimmt Italien ins Visier

Nach Osteuropa rückt zunehmend der italienische Markt in den Fokus der Düsseldorfer Eon AG. „Wenn der Konzern in Italien expandieren will, muss er endlich auch große Kaufgelegenheiten wahrnehmen“, heißt es in Eon-nahen Kreisen.

DÜSSELDORF. Schon seit Wochen wird über ein Interesse des Unternehmens an Italiens zweitgrößter Stromgesellschaft Edison spekuliert, die ihrem Besitzer Electricité de France (EdF) Ärger bereitet. Eon hält sich aber bedeckt.

Fakt ist, dass Deutschlands größter Energiekonzern dem südeuropäischen Land einen hohen Stellenwert beimisst. „Italien ist einer der attraktivsten Märkte für Strom und Gas“, bekräftigte Vorstandschef Wulf Bernotat erst jüngst vor Investoren in New York. Mit 2,5 Prozent habe der Strommarkt nach Spanien die zweitgrößte Wachstumsrate in Europa und auch bei Gas liege Italien mit drei Prozent in der Spitzengruppe. Neben den Kernregionen Zentraleuropa, Großbritannien, Skandinavien und den USA will sich Eon nach Bernotats Worten nur in drei weiteren Regionen engagieren – Russland, Osteuropa und Italien.

Während Eon in Russland aber an seiner Kooperation mit dem Gasriesen Gazprom bastelt und sich in Osteuropa durch Übernahmen eine flächendeckende Präsenz aufbaut, ist das Engagement auf dem italienischen Markt bislang verschwindend gering. Eon ist zwar an mehreren kommunalen Gasversorgern beteiligt, kommt aber nur auf einen Marktanteil von fünf Prozent – in anderen Ländern ist es ein Vielfaches. Bei Strom ist Eon über Projekte kaum hinausgekommen. In Livorno an der toskanischen Küste und bei Rom will der Konzern 800 Mill. Euro in zwei Gaskraftwerke investieren. Die Genehmigungen stehen aber noch aus.

„Der Bau von Kraftwerken ist derzeit die richtige Strategie“, sagt Analyst Matthias Heck von Sal. Oppenheim. In Italien mangele es an Anlagen und Eon könne so von den hohen italienischen Strompreisen profitieren. Karlheinz Bozem, Energieexperte der Unternehmensberatung Booz, Allen & Hamilton sieht das anders: „Wenn der Konzern sich in Italien engagiert, dann muss er es richtig machen und auch eine große Übernahme wagen.“ Wer Kraftwerke baue, benötige auch eine Vertriebsbasis. Allerdings gebe nur wenige Kandidaten: „Edison wäre aber ein Riesensprung“, sagte Bozem.

Den Namen Edison hat kein geringerer als der Chef des bisherigen Eigentümers EdF, Pierre Gadonneix, ins Spiel gebracht. Die EdF erwäge den Rückzug und Eon habe Interesse signalisiert, sagte Gadonneix im Dezember. Sein Unternehmen prüft aber mehrere Optionen.

Hintergrund: Für die EdF ist Edison ein Problemfall. Die Franzosen halten 18 Prozent an der Holding Italenergia, die wiederum mit 62 Prozent an Edison beteiligt ist. Die anderen Italenergia-Aktionäre können im Rahmen einer Put-Option EdF weitere Anteile an der Holding verkaufen. Die finanzschwache EdF müsste dann eine milliardenschwere Kaufsumme aufbringen – ohne erkennbaren Nutzen: Weil die EdF noch in Staatsbesitz ist, darf sie nach italienischen Recht nur ein begrenztes Stimmrecht ausüben – über gerade einmal zwei Prozent. Für Eon würde dies nicht gelten. Von Analysten auf Gadonneix’ Aussagen angesprochen sagte Bernotat schlicht, er nehme zu Marktspekulationen keine Stellung.

Mit einem Zukauf wie Edison würde Eon seine Präsenz in Italien schlagartig vergrößern. Das Unternehmen hat schließlich einen Umsatz von 5,6 Mrd. Euro und einen Anteil am Strommarkt von 17 Prozent. Eon müsste aber seine Strategie neu justieren. Nach den milliardenschweren Übernahmen unter der Ägide seines Vorgängers Ulrich Hartmann stehen für Bernotat Rendite und Dividende an oberster Stelle. Zukäufe müssen strenge Kriterien erfüllen und sollen nur klein- bis mittelgroß sein – als Grenze gelten fünf Mrd. Euro. Analysten schätzen den Wert von Edison auf rund elf Mrd. Euro.

Dabei hat Eon die finanzielle Stärke für große Übernahmen. Die Gewinne sprudeln und mit Nettoverbindlichkeiten von rund sechs Mrd. Euro steht der Konzern im Vergleich zur Konkurrenz gut da. Zudem sind weitere Einnahmen durch Verkäufe absehbar. Die Integration der Zukäufe sei richtig gewesen, aber die habe Eon verdaut, sagt Berater Bozem: „Jetzt muss Eon die nächsten Schritte wagen.“

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