Energieriese will Vertrauen zurückgewinne Eon legt Gaskunden seine Kalkulation offen

Als erster Gasversorger wird der Energieriese Eon die Kalkulation seiner Gaspreise offenlegen. Bundesweit beliefert das Unternehmen 1,1 Millionen Haushalte.

HB DÜSSELDORF. Den Anfang mache noch im November die norddeutsche Regionalgesellschaft Eon Hanse, die anderen Regionalgesellschaften folgten zeitnah, kündigte Eon am Freitag in Düsseldorf an. Eon Hanse selbst hatte den Schritt schon vor mehr als einer Woche angekündigt. Eon will in den Rechnungen genau auflisten, wie sich der Gaspreis zusammensetzt.

Preistreiberei und Kundenabzocke - die Liste der Vorwürfe ist lang, mit der sich Eon-Chef Wulf Bernotat derzeit konfrontiert sieht. Doch angesichts dramatischer Gaspreiserhöhungen von bis zu 30 Prozent und fehlender Alternativen für die Privatkunden räumt der Manager des größten deutschen Energiekonzerns ein: „Da hat sich etwas aufgestaut“.

Selbst der Staat hat sich inzwischen eingeschaltet: Das Bundeskartellamt will den Ferngasversorger Eon Ruhrgas zwingen, kürzere und damit für die kommunalen Gasversorger günstigere Verträge abzuschließen. Alte Verträge sollen umgestellt werden.

„Wir müssen als Marktführer zeigen, dass wir gläsern sind“, geht Eon-Chef Bernotat nun in die Offensive. Künftig will Eon in den Rechnungen seinen Endkunden genau aufzeigen, wie sich die Gaspreise zusammensetzen. Dazu gehöre unter anderem die detaillierte Auflistung der Kosten- und Ertragsbestandteile wie Abgaben, Steuern, Bezugs- und Netzgebühren. Begleitet werde die Kalkulation von unabhängigen Wirtschaftsprüfern, teilte das Unternehmen mit.

Neben Eon waren auch die anderen Energieversorger in den vergangenen Monaten wegen steigender Gaspreise in die Kritik geraten. Widerstand formierte sich: Einzelne Kommunen weigerten sich, die Preisaufschläge zu zahlen. In Niedersachsen hat die Landeskartellbehörde eine Überprüfung der Gaspreise eingeleitet. In Hamburg wird die bundesweit erste Sammelklage von Verbrauchern gegen Gaspreiserhöhungen der Eon Hanse verhandelt. Das Urteil wird im Dezember erwartet.

Ende Oktober signalisierte Eon seine Bereitschaft, den Streit beizulegen. Die Tochterfirma Eon Hanse, die mit rund 500 000 Haushaltskunden größter Endversorger im Konzernverbund ist, erklärte sich bereit, vor Gericht die Kalkulation offen zu legen. Das Unternehmen habe nichts zu verbergen und wolle alle Zweifel an der Angemessenheit seiner Preise ausräumen, auch wenn die Konkurrenten dadurch einen einseitigen Wettbewerbsvorteil erhielten. Das Gericht gab Eon Hanse bis zum 21. November Zeit, die Kalkulation einzureichen.

Inzwischen sind nach Angaben des Bundes der Energieverbraucher (BEV) aber auch in Bremen, Dresden, Thüringen und Heilbronn Klagen von Verbrauchern gegen Gasverorger eingereicht worden oder in Vorbereitung. Über 500 000 Verbraucher hätten die Zahlung der neuerlichen Preisaufschläge verweigert, sagte Verbandschef Aribert Peters. Durch die Offenlegung der Eon-Kalkulation sieht er die anderen Versorger unter Zugzwang, ebenfalls mit offenen Karten zu spielen.

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