Energieversorger
EnBW-Chef: „Ich bin kein Coupon-Schneider“

EnBW hat vom Bundeskartellamt die Freigabe erhalten, sich mit 48 Prozent an Verbundnetz Gas (VNG), einem der größten deutschen Gasgroßhändler, zu beteiligen. Im Handelsblatt-Interview spricht Vorstandschef Hans-Peter Villis über die Strategie des Energiekonzerns bei Zu- und Verkäufen – und dessen finanzielle Lage.

Herr Villis, wie wichtig ist die Entscheidung des Bundeskartellamts für Sie?

Das ist eine erfreuliche Nachricht. Ein Einstieg bei VNG kann für uns reizvoll sein, weil wir unser Gasgeschäft stärken wollen und müssen. Im Vergleich zum Strom haben wir beim Gas noch Nachholbedarf.

Letztlich bezahlt EnBW aber einen hohen Preis. Sie müssen rund 1,2 Mrd. Euro investieren und erhalten nur eine Minderheitsbeteiligung.

Wir streben schon eine Allianz an und versprechen uns im Fall einer Beteiligung an VNG klare strategische Vorteile. Schließlich ist VNG ein großer deutscher Importeur, hat Zugang zu Speichern und zur Gasproduktion.

Sie wollen sich also nicht mit der Rolle eines reinen Minderheitsaktionärs abfinden?

Nein, ich bin kein Coupon-Schneider, der nur seinen Anteil am wirtschaftlichen Ergebnis will. Bedenken Sie, dass die anderen Aktionäre Gazprom und Wintershall als Lieferanten auch ihren direkten unternehmerischen Einfluss am Geschäft haben. Da wollen wir als größter Anteilseigner nicht nur zusehen, was übrig bleibt. Wir werden uns daher nur beteiligen, wenn wir die Möglichkeit haben, gemeinsam Geschäfte zu machen.

Naja, bei den anderen Aktionären – Gazprom, Wintershall, GDF Suez und einer Gruppe von kommunalen Aktionären – sind Sie aber nicht wirklich willkommen.

Wir wissen, dass wir bei Einzelnen nicht nur mit offen Armen empfangen werden. Skepsis ist bei Veränderungen normal und nachvollziehbar. Ich denke, dass wir aber durch unsere unternehmerische Perspektive überzeugen können.

Der bisherige Eigentümer des Pakets, der Regionalversorger EWE, hat sich mit seinem Konsortialpartner, den Kommunen, verkracht. Die Mehrheit werden Sie also nicht erlangen können, oder?

Das haben wir auch nicht vor. Ich habe die Hoffnung auf einen Konsortialvertrag mit den Kommunen aber noch nicht aufgegeben, auch wenn das deren Verband bislang ablehnt.

Dass es sich um vinkulierte Namensaktien handelt, macht die Sache nicht einfacher. Die Mehrheit der VNG-Aktionäre muss Ihrem Einstieg zustimmen.

Ja, das stimmt. Ich spüre aber wachsende Unterstützung durch die Politik für eine deutsche Lösung, für die wir ja stehen. Es gibt dort inzwischen ein großes Interesse, dass die VNG endlich wieder stabile Verhältnisse bekommt, und man schätzt uns als Partner. Ich habe schon viele Gespräche geführt und werde das jetzt, nach der Freigabe verstärken.

Und wenn es nicht mit einem Konsortialvertrag klappt?

Dann könnte ich mir auch so eine strategische Partnerschaft vorstellen. Wir könnten ja einen Teil der Aktien an die anderen Anteilseigner abgeben. Das würden wir aber nur machen, wenn wir im Gegenzug im Sinne eines Wertausgleichs konkrete Kooperationen eingehen – etwa wenn wir langfristige Gaslieferverträge oder Speicherkapazitäten bekommen.

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