Energievorhaben der Bundesregierung
Heiße Debatte, kühles Konzept

Auch wenn es die Debatten in den Medien vermuten lassen: Beim Energiekonzept der Bundesregierung geht es nicht hauptsächlich um die Verlängerung der Atomkraftwerkslaufzeiten. Berlin will besonders die Sanierungen im Altbaubestand antreiben - und zwar mit den Mitteln des Marktes. Doch wer trägt die Last? Die Mieterlobby wappnet sich bereits für den Kampf.
  • 0

Monatelang wurde um das Energiekonzept der Bundesregierung gestritten. Wer die Debatte verfolgt hat, musste über weite Strecken den Eindruck gewinnen, es gehe am Ende hauptsächlich um die Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke. Wer aber heute das "Energiekonzept für eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung" in den Händen hält, bemerkt schnell, dass das Papier der Bundesregierung an ganz anderen Stellen Akzente setzt: Die Themen Energieeffizienz und speziell die energetische Gebäudesanierung nehmen darin einen hohen Stellenwert ein. Tatsächlich sind die Potenziale enorm, die sich in diesen Bereichen kostengünstig nutzen lassen.

Besonders anschaulich wird das im Gebäudesektor. Rund 40 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs und rund ein Drittel der Kohlendioxidemissionen entfallen auf diesen Bereich. Die Werte könnten drastisch gesenkt werden: Bestehende Gebäude brauchen etwa dreimal soviel Energie zur Beheizung wie Neubauten. Drei Viertel des Altbaubestands stammen aus der Zeit vor der ersten Wärmeschutzverordnung von 1978. Diese Häuser sind zu einem erheblichen Teil gar nicht oder nur schlecht energetisch saniert.

Mit der Dämmung der Gebäudehülle und der Kellerdecke sowie dem Austausch der Fenster lässt sich eine Menge Energie einsparen. Große Potenziale schlummern auch in der Heiztechnik. Viele Anlagen sind völlig überaltert und entsprechen längst nicht mehr dem Stand der Technik. Nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur (dena) genügen nur zwölf Prozent der Heizungsanlagen den heutigen Anforderungen. Vor sich hin rumpelnde Kellerdinos, über 20 Jahre alt, sind der Normalfall.

Durch fachgerechtes Sanieren und moderne Gebäudetechnik können nach Einschätzung von Fachleuten im Gebäudebestand bis zu 80 Prozent des Energieverbrauchs eingespart werden. Genau diesen Wert peilt die Bundesregierung in ihrem Energiekonzept bis 2050 an. Die Politik hebt das Thema energetische Gebäudesanierung mit diesen ehrgeizigen Zielbeschreibungen auf eine neue Ebene.

Bislang führte es eher ein Schattendasein. Mit Blick auf Kohlendioxideinsparungen wurde besonders gerne über den Ausbau der erneuerbaren Energien in der Stromversorgung gesprochen. Mit Rückenwind aus der Politik konnten die Erneuerbaren ihren Siegeszug antreten, finanziell bestens ausgestattet durch die Einspeisevergütungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Nun aber setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass sich speziell im Gebäudebereich riesige Potenziale zur CO2-Einsparung heben lassen - zu erheblich geringeren Kosten als bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien.

Seite 1:

Heiße Debatte, kühles Konzept

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Energievorhaben der Bundesregierung: Heiße Debatte, kühles Konzept"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%