Energiewende
Offshore-Infrastruktur kostet die Häfen eine Milliarde

Die Betreiber rufen nach finanzieller Hilfe des Bundes bei der Umstellung auf die Hochsee-Windkraft. Benötigt werden vor allem große Lagerflächen und Plätze zur Vormontage der gewaltigen Anlagen.
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HamburgDie deutschen Häfen müssen für den Ausbau der Windenergie vor den Küsten kräftig investieren. „Die Energiewende ist eine nationale Aufgabe“, sagte Klaus-Dieter Peters, Präsident des Zentralverbandes der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS), am Dienstag in Hamburg. „Für den Ausbau der Hafeninfrastruktur ist deshalb die Unterstützung des Bundes erforderlich.“ Der Verband fordert nun Hilfe in Form von Krediten der staatlichen Förderbank KfW, um Investitionen von rund einer Milliarde Euro finanzieren zu können.

Nach dem Ausbaukonzept der Bundesregierung sollen bis 2020 in Nord- und Ostsee Windenergieanlagen mit einer Leistung von zehn Gigawatt gebaut werden. Das sind 2000 Windkraftanlagen insgesamt oder 250 im Jahr - ungefähr an jedem Arbeitstag eine. Die Anlagen müssen nahe der Häfen vormontiert werden, weil sie zu groß und schwer für längere Landtransporte sind. Zudem erfordern sie große Lagerflächen, weil die Anlagen nur bei gutem Wetter auf hoher See aufgebaut werden können. Während der Lagerung ist eine Stromversorgung notwendig. Die Seehäfen stehen damit vor völlig neuen Herausforderungen.

Peters begrüßte die Aufstockung des Verkehrsetats für 2012 um eine auf elf Milliarden Euro. Erforderlich sei allerdings eine nachhaltige Erhöhung der Mittel, um die seewärtigen Zufahrten und die Hinterlandanbindungen der deutschen Seehäfen mit Straßen, Schienen und Wasserwegen bedarfsgerecht auszubauen.

Wirtschaftlich stehen die Häfen insgesamt gut da. „Wir haben die Krise deutlich schneller überwunden als erwartet“, sagte Peters. Für das laufende Jahr erwarte der ZDS einen Zuwachs des Güterumschlags in den Seehäfen um sechs Prozent auf 290 Millionen Tonnen. Das ist noch nicht ganz das Niveau vor der Krise, als 318 Millionen Tonnen umgeschlagen wurden. Im kommenden Jahr werde sich das Wachstum nur abgeschwächt fortsetzen; der ZDS rechnet mit einem Plus von zwei Prozent auf 296 Millionen Tonnen. Rund 60 Prozent des Umschlags entfallen auf die beiden Großhäfen Hamburg und Bremen/Bremerhaven. Bedeutend für den Seegüterumschlag sind auch Wilhelmshaven, Rostock und Lübeck.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Schon wieder hält jemand die Hand auf, weil er Geld verdienen möchte. Das ist Usus in Deutschland und sollte von der Politik endlich klarer abgewiesen werden. Subventionen können für die Einführung neuer und wichtiger Technologien wichtig sein, für die Forschung, nicht aber für die Alimentierung von bestehenden Marktstrukturen. Es geht schliesslich nichts verloren, wenn die Häfen selbst investieren müssen.

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