Engpässe bei der Verbrennung
Gebühren für Gewerbemüll steigen massiv

Die deutschen Unternehmen müssen deutlich steigende Preise für die Entsorgung von Restmüll verkraften. Die Beseitigung einer Tonne Gewerbeabfall in einer Verbrennungsanlage koste inzwischen 180 bis 200 Euro – zwei bis drei mal so viel wie noch vor wenigen Monaten, sagt Herwart Wilms, Vertriebschef beim größten deutschen Entsorger, der Remondis AG & Co. KG.

BERLIN. Bis zum Jahreswechsel sei mit einem Anstieg auf 230 Euro zu rechnen. Ein Trend den auch der Bundesverband der deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE) bestätigt. Auf Industrie und Gewerbe kämen in diesem Jahr Zusatzkosten von über 600 Mill. Euro zu, heißt es. Damit bestätigen sich die Prognosen von Entsorgungsexperten – wie des Marktforschungsunternehmens Prognos –, die mit Engpässen in der Branche wegen einer gesetzlichen Neuregelung gerechnet haben.

Seit Anfang Juni ist die Technische Anleitung Siedlungsabfall (TASi) in Kraft, nach der Restmüll nicht mehr unvorbehandelt auf Deponien entsorgt werden darf, sondern in Müllverbrennungs- oder mechanisch-biologischen Anlagen beseitigt werden muss. Während im Vorfeld die Betreiber von Deponien mit Dumpingpreisen von 20 bis 30 Euro je Tonne versuchten, noch große Mengen anzuziehen, drängen jetzt die Müllströme in die Anlagen. Dort fehlen aber Kapazitäten für rund vier Mill. Tonnen jährlich. Den Engpass spüren vor allem Gewerbebetriebe, weil sich die Kommunen für den Hausmüll schon vor Jahren Kapazitäten gesichert und die Preise angepasst haben. Auch sind insbesondere kleine und mittelständische Firmen betroffen, weil sie bis zuletzt versuchten, die günstigen Deponiepreise auszunutzen. Neue Anlagen sind in Bau, werden aber erst in ein, zwei Jahren in Betrieb genommen.

„Der Preis für Gewerbemüll hat sich dem für Haushaltsmüll angepasst“, sagt Remondis-Manager Wilms, „und das wird auch auf Dauer so bleiben.“ Im Prinzip sei das auch richtig, weil der Druck zum Recycling steige.

Die Entwicklung spaltet aber die Branche. Der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE), der vor allem mittelständische Müllfirmen vertritt, wirft den großen Entsorgern vor, ihre Marktmacht auszuspielen. Mittelständische Entsorger, die sich keine eigenen Anlagen bauen könnten, würden bewusst aus den Verbrennungsanlagen gedrängt, um den Markt weiter zu konzentrieren, sagt Hauptgeschäftsführer Hans-Günter Fischer. Die Branchenriesen verlangten von den kleinen Entsorgern zum Teil höhere Preise als von den eigenen Gewerbekunden. Er warnt vor einem „Entsorgungsnotstand“. Schon jetzt füllten sich bei Firmen und Entsorgern die Halden: „Nach dem Ende der Ferien sind die Mengen nicht mehr zu bewältigen.“

Remondis und der BDE, der als Interessenvertreter der großen Entsorger gilt), weisen die Vorwürfe zurück und bezeichnen die Lage als beherrschbar. „Von einem Notstand zu sprechen ist unseriös“, sagt BDE-Vertreter Harmening. Zwar gebe es Engpässe, diese könnten aber durch kurzfristige Maßnahmen aufgefangen werden. So werde der Import aus dem Ausland verringert, deutscher Müll verstärkt nach Westeuropa exportiert und die Kunden sortierten Müll zunehmend vor. Auch seien derzeit einige Anlagen in Revision, die bald wieder in Betrieb gingen.

Der BVSE fordert hingegen Zwischenläger auf den Deponien, auf denen Müll verpackt abgeladen werden kann, bis neue Anlagen stehen. Einige Bundesländer haben bereits welche genehmigt. Dies dürfe aber nur die Ausnahme sein, verlangt BDE-Vertreter Harmening: „Wenn wir die Deponien wieder aufmachen, unterlaufen wir die ökologischen Vorteile der TASi.“

Gespannte Lage

Kapazitäten: In einer aktuellen Umfrage des Bundesverbandes der deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE) haben knapp 40 Prozent der Mitglieder über Engpässe bei der Entsorgung berichtet, 36 Prozent bezeichnen die Kapazitäten zumindest als knapp. Für das kommende Jahr erwarten aber nur noch 20 Prozent Engpässe.

Preise: Die Preise für Gewerbemüll sind der Umfrage zufolge deutlich gestiegen, allerdings ist die Situation regional sehr unterschiedlich. Die Spanne reicht von 100 bis 200 Euro je Tonne.

Maßnahmen: Fast die Hälfte der Entsorger gibt an, Gewerbemüll werde jetzt stärker getrennt und recycelt. 13 Prozent nutzten den Export, nur zwölf Prozent planten Zwischenlager. Der BDE fordert, vor allem die Trennung weiter zu fördern – unter anderem durch eine flächendeckende Einführung der Biotonne.

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