Enorme Nachfrage
Mondpreise bei Ebay für Lidl-Bahntickets

Beim Internet-Auktionshaus Ebay werden bereits hunderte Bahntickets angeboten, die seit Donnerstagmorgen bei der Discount-Handelskette Lidl zu haben waren. Findige Anbieter machen zudem doppelt Kasse: Sie teilen das für 49,90 Euro verkaufte Heft mit zwei Blanko-Fahrkarten und verkaufen jedes Ticket einzeln.

HB BERLIN. Der Ebay-Bieter "felgenhaus", der dutzende Lidl-Fahrkarten offeriert, schreibt etwa: "Achtung für alle Leute, die des Lesens der Artikelbeschreibung nicht mächtig sind: Es handelt sich hier um ein Bahnfahrschein, also eine Einzelfahrt, die weder eine zweite Person noch eine Rückfahrt beinhaltet. Also nochmal ganz deutlich: Es handelt sich um ein One-Way Ticket !!!". Viele Interessenten schreckte die Masche allerdings wenig: Weniger als eine Stunde vor Ende der Auktion wurden zwischen 70 und 80 Euro für das Einzelticket geboten.

"felgenhaus" antwortete auf die Frage, wie er denn angesichts der Verkaufsbeschränkung auf sechs Doppelfahrkarten pro Person an dutzende Tickets gekommen sei, lapidar: "Ich habe sie käuflich erworben."

Die Bahn hatte vor Beginn der Aktion versucht, dem Weiterverkauf über Ebay einen Riegel vorzuschieben. Allerdings weigerte sich das Auktionshaus, die Versteigerung der Tickets zu stoppen. Sprecherin Maike Fuest sagte, beim Verkauf würden die Fahrkarten nicht mit dem Namen des Verkäufers versehen. Deshalb könnten die Blanko-Tickets nach Einschätzung von Ebay auch weiterverkauft werden.

Bei den 2600 deutschen Lidl-Filialen hatte die Aktion am Morgen zu langen Schlange geführt. Nach wenigen Minuten waren die Ticket-Hefte ausverkauft, die zwei beliebig lange Fahrten innerhalb Deutschlands ohne Zugbindung und vorgegebenes Datum ermöglichen. Wer leer ausgegangen war, konnte sich in Listen eintragen. Eine Interessentin aus Dresden sagte Handelsblatt.com, sie sei noch am Mittag von der Handelskette angerufen worden und habe sich ihre gewünschten Tickets abholen können.

Bahn-Sprecher Gunnar Meyer erklärte am Mittag, der Konzern habe Lidl insgesamt eine Million Tickets geliefert. Mehr werde man Lidl nicht zur Verfügung stellen. Die Bahn werde aber bereits im Juli "andere attraktive Sonderangebote" haben.

Nach Ansicht des Bundesverbands der Verbraucherzentralen haben die Bahn und Lidl mit der Aktion wahrscheinlich nicht gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verstoßen, das von einer "irreführenden Werbung" spricht, wenn die Ware nicht in einer angemessenen Menge vorgehalten wird. "Die Aktion ist juristisch schwer angreifbar, weil die Aktion mit dem Zusatz 'Solange der Vorrat reicht' beworben wurde", sagte der Pressesprecher der Verbraucherzentrale, Christian Fronczak.

Die Verbraucherzentrale sowie die Stiftung Warentest riefen die Bahn auf, wegen des Erfolges der Aktion ihr Preissystem zu überdenken. "Flexible Tickets zu günstigen Preisen sind reizvoll. Das sollte ein festes Element werden", so Fronczak. Stiftung-Warentest-Verkehrsexperte Michael Koswig sagte: "Die enorme Nachfrage zeigt, dass das normale Preissystem nicht in Ordnung ist. Vor allem auf längeren Strecken ist die Bahn zu teuer."

Für die Bahn ist die Verkauf über Lidl ohnehin mehr Marketingaktion als Geschäft: Bei einem Preis von 49,90 Euro und einer Million verkauften Ticktes beläuft sich der Gesamtumsatz auf 50 Mill. Euro - ganze zwei Prozent dessen, was der Konzern im vergangenen Jahr insgesamt umsetzte. Außerdem wird der Verkauf über Lidl den Gewinn zusätzlich schmälern. Bahn-Vertriebschef Jürgen Büchy hatte zudem erklärt, nur 35 bis 40 % der Lidl-Bahnticket-Käufer dürften Neukunden sein, alle anderen seien sowieso Stammkunden.

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