Entlassungen geplant
Alitalia verhandelt Notfallplan

Die italienische Traditions-Airline Alitalia kämpft zurzeit um ihre Existenz: Nach Millionenverlusten und gescheiterten Übernahmen stehen unter dem neuen Chef Maurizio Prato nun Einschnitte beim Personal an. Während die Belegschaft mit Streiks reagiert, verliert der Flughafen Mailand derweil stetig an Bedeutung.

MAILAND. Für die italienische Fluggesellschaft Alitalia hat eine entscheidende Woche mit weiteren Streiks begonnen. Fünf Tage bevor der Verwaltungsrat die Details des Notfallplans beschließen wird, blockierten nicht autorisierte Streiks mehr als 20 Flüge aus Mailand. Grund sind vor allem die geplanten Entlassungen, die Alitalia-Chef Maurizio Prato gestern den Gewerkschaften vorgestellt hat.

Der seit August amtierende Prato hat die Einzelheiten des Notfallplans zur Rettung der maroden Fluggesellschaft noch nicht offiziell präsentiert. Aber Medienberichten zufolge sieht das Management außer einer Kapitalerhöhung auch Entlassungen, den Wegfall verschiedener Langstreckenflüge und die Reduzierung der Flüge vom Mailänder Flughafen Malpensa vor. Auf der Verwaltungsratssitzung am kommenden Freitag sollen die Einzelheiten beschlossen werden. Spekuliert wird über 1 000 Entlassungen bei 20 000 Mitarbeitern. Bei der Kapitalerhöhung gehen Beobachter von 1,5 Mrd. Euro aus. Dabei soll die Kapitalerhöhung von den neuen Investoren getragen werden, da die Regierung kein Geld mehr zuschießen will.

Beobachter sehen die Pläne skeptisch: Die Investmentbank JP Morgan warnte, dass eine weitere Kapitalerhöhung die Gewerkschaften nur ermutigen werde, einen Stellenabbau nicht mitzutragen. „Wir glauben nicht, dass dieser Geschäftsplan mehr Erfolgschancen hat als die vorherigen“, schreiben die Analysten von JP Morgan. Der Plan, neue Aktien zu verkaufen, „riskiert, eine weitere unnütze Finanzierung zu werden“, kritisiert auch ein italienischer Analyst. Die Aktie der Alitalia verlor gestern angesichts der Kritik der Gewerkschaften und der anhaltenden Streiks zwischenzeitlich mehr als drei Prozent.

Die italienische Regierung, die noch immer knapp die Hälfte der Aktien der ehemaligen Staats-Airline hält, hatte im Frühjahr versucht, ihre Anteile im Zuge einer Auktion zu verkaufen, war damit aber im Sommer gescheitert. Für die Fluggesellschaft, die im vergangenen Jahr mehr als 600 Mill. Euro verloren hat, konnte die Regierung zu ihren Bedingungen keinen Käufer finden. Zuletzt hatten sich auch die russische Aeroflot und der italienische Hoffnungsträger Air One zurückgezogen. Nun soll der neue Alitalia-Chef Prato die Airline gleichzeitig sanieren und einen Käufer finden. Dafür hat er eigens mehr operative Kompetenzen bekommen als sein Vorgänger.

Besonders umstritten sind außer den geplanten Entlassungen die Streckenkürzungen, die vor allem den erst im Jahr 2000 eröffneten Mailänder Flughafen Malpensa betreffen. Bisher betreibt Alitalia mit Rom und Mailand zwei so genannte Hubs – also Drehkreuze, die Italien mit internationalen Flughäfen verbinden. In Zukunft soll Rom der Hauptflughafen sein. Malpensa dagegen wird, obwohl es im wirtschaftlich viel bedeutenderen Norditalien liegt, an Bedeutung verlieren. „Durch den Plan wird eine sterbende Gesellschaft künstlich am Leben erhalten“ kritisierte Dario Baldin, Sekretär der lombardischen Transportgewerkschaft das Vorhaben. Zudem will Prato verschiedene Flüge nach Asien streichen.

Als mögliche Käufer werden erneut Air France-KLM und auch immer wieder Lufthansa gehandelt. Dabei könnte die Lufthansa gemeinsam mit dem italienischen Partner Air One bieten, so die Spekulationen. Zudem sagte Claudio Genovesi, Generalsekretär der Gewerkschaft Fit-Cisl gestern, auch British Airways habe ein Auge auf Alitalia geworfen. Auch eine Gruppe italienischer Investoren soll interessiert sein.

Alitalias anhaltende Krise

Dezember 2006: Die Regierung beschließt, die Kontrollmehrheit an Alitalia abzugeben. Das Finanzministerium sucht Interessenten.

Februar 2007: Beradino Libonati ersetzt Giancarlo Cimoli an der Spitze von Alitalia.

April 2007: Drei Interessenten legen unverbindliche Angebote vor.

Mai 2007: Das Konsortium TPG, Matlin Patterson und Mediobanca zieht sich zurück.

Juni 2007: Aeroflot zieht sich zurück.

Juli 2007: Air One zieht sich zurück.

August 2007: Der neue Präsident Maurizio Prato wird neuer Chef und erhält mehr Befugnisse als seine Vorgänger. Grundzüge des Rettungsplans werden Ende August bekannt. 9. September: Verwaltungsrat soll Details des Plans abstimmen.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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