Entscheid über Flughafen
Münchner Bürger stoppen Bau dritter Startbahn

Beim Bürgerentscheid über den Bau einer dritten Startbahn am Münchener Flughafen haben die Gegner des Projekts sich durchgesetzt. Für das Bündnis der Befürworter ist der Ausgang des Entscheids eine herbe Schlappe.
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MünchenDie Münchner haben sich gegen den Bau einer dritten Startbahn am Flughafen der bayerischen Landeshauptstadt ausgesprochen. Beim Bürgerentscheid stimmten am Sonntagabend nach dem vorläufigen Endergebnis 54,3 Prozent gegen und 45,7 Prozent für den weiteren Ausbau des zweitgrößten deutschen Flughafens. Das Ergebnis ist auch eine Schlappe für CSU, SPD und FDP, die gemeinsam für den Ausbau geworben hatten.

Insgesamt beteiligten sich 32,8 Prozent der 1,04 Millionen Wahlberechtigten an dem Bürgerentscheid, der damit das nötige Quorum von zehn Prozent klar übertraf. Nicht abstimmungsberechtigt waren die unter Lärm und Abgasen leidenden Anwohner des Flughafens, der weit vor den Toren der Stadt im Erdinger Moos liegt.

Mit dem Bürgerentscheid wird nun der Stadtrat gezwungen, in der Flughafengesellschaft gegen die dritte Startbahn zu votieren. Der Flughafen wird gemeinsam vom Bund, dem Freistaat Bayern und der Stadt München betrieben. Da in der Flughafengesellschaft einstimmige Abstimmungen zwingend sind, kann der Stadtrat den Ausbau verhindern.

Bayerns Staatsregierung unter CSU-Chef Horst Seehofer hatte ebenso wie der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) massiv für den Ausbau geworben. Durch diesen sollte die Kapazität des Airports von 90 auf 120 Starts und Landungen pro Stunde erhöht werden.

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) versicherte, er werde das eindeutige Ergebnis "ohne Wenn und Aber" akzeptieren. Die dritte Startbahn sei vom Tisch. Zugleich warnte Ude davor, den Willen der Bürgerschaft mit "Tricksereien" zu hintergehen. Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause sagte, Ude habe zugesichert, dass er das Votum der Bürger akzeptieren werde. Das müsse er nun auch einhalten. Sie fügte hinzu: "Die Befürworter müssen miteinander die Niederlage eingestehen. Alle miteinander haben sie verloren. Und wir haben gewonnen."

Nötig ist der Ausbau nach Auffassung der Befürworter, weil der Flughafen nach Prognosen bald an seine Kapazitätsgrenzen stößt. So werden für dieses Jahr an die 40 Millionen Passagiere in München erwartet, bis 2025 soll die Zahl auf über 58 Millionen und damit ähnlich viele wie derzeit am größten deutschen Flughafen Frankfurt steigen. Im Zuge der Erweiterung hätten zu den 30.000 Arbeitsplätzen am Flughafen 11.000 weitere hinzukommen sollen.

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Münchner Bürger stoppen Bau dritter Startbahn

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Zweifel an der Passagier-Prognose

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  • ...Interessant ist aber schon die Tatsache, dass in Frankfurt bspw. viele Häuser, die in der Einflugschneise liegen und Protestlern gehören/gehörten, von der Flughafengesellschaft aufgekauft wurden, - und die angeblich so lärmgeplagten Bewohner dann aber doch da wohnen bleiben. - Soooo schlimm kann also Fluglärm nicht sein? Oder ist Schizophrenie auch eine Wirkung von Fluglärm. Bestimmt findet sich irgendein Professor, der dies gutachterlich bestätigen wird...!

  • Werte Redaktion,

    ich vermisse hier meinen Beitrag. Oder werden Beiträge von der Pro-Seite nicht veröffentlicht? Wo bleibt die Meinungsfreiheit?

    Nochmal, ich wohne in Pulling, von den Fliegern bekommt man kaum was mit, die stören kaum, die Vögel zwitschern lauter als die Flieger, die Luft ist reiner als in den Städten, was wirklich stört, sind die Züge, vor allem Güterzüge z.B. aus Südtirol für die Äpfel, weil die heimischen sind ja nicht gut genug, die hier nachts langdonnern und einen aus dem Schlaf reißen. Ich akzeptiere das Ergebnis, auch wenn ich jetzt weiß, dass mein Arbeitsplatz nicht mehr gesichert ist und ich mich nach einem neuen Job umschauen kann.

    Vielen Dank an die Egoisten, Faschisten etc. Wer gegen die Bahn gestimmt hat, hat für den Nationalsozialismus gestimmt, denn die sind in vorderster Front zusammen mit den Grünen gegen die Bahn gewesen!

    Gruß der Pullinger

  • @Sebbe: Stimmt schon, ad hominem ist nicht nett und auch nicht richtig. Absolut nichts habe ich gegen ECHTE Investoren. Nur, die Investoren, die sich hier am Flughafen beteiligen tun absolut nicht EINEN Schritt ohne die Garantien Seehofers und Udes. Ohne Staat keine Investoren. Kennen wir das nicht zur Genüge? So entsteht Fehlallokation, das eigentliche und teils schwer erkennbare Monster der Staatsmarktwirtschaft. Und das schmeckt den Süddeutschen nicht, eben genau WEIL sie mit Geld umgehen können.
    Wenn man sagt, ja, wenn´s a so a ausgschamt guads Gschäft is, warum macht ihr den Ausbau nicht ohne Staat, gibt später vielmehr diridari... - ja, dann is plötzlich nicht mehr so gut, das Geschäft.
    Dann ist plötzlich das Risiko zu hoch. Aha.
    (Und Augsburg könnt man auch ausbauen z.B. etc...)
    Die Wachstumsprognosen sind, wie die Kostenkalkulation, noch auf dem Stand von vor 2007 - einfach extrapoliert, als gäb´s keine Krise. Nun leidet München im Moment ganz besonders unter einer sogenannten Katastrophenhausse. Warum leidet? Weil der Bayer weiss, dass Parties schön sind, aber der Horror, wenn die Gäste plötzlich wegbleiben. Also sagt der Bayer, Wachstum muss langfristig gerechtfertigt sein. Und die Münchner Mieter sagen sowieso, baut´s erstmal Wohnungen, ihr Hirnis, bevor ihr den Flughafen ausbauts.
    Anständig entschädigt wird auch wieder niemand, mag der Bayer auch nicht.
    Jetzt muss die Politik nachlegen und das ist auch gut so.
    Wenn dann die Leute immer noch wie verrückt über München kreuzen wollen, dann wird der Ausbau schon noch kommen, keine Angst.
    Und dann geht´s mit der Genehmingung auch normalerweise zack, zack...
    P.S.: Ein Staatreporter des BR setzte den (glaube) Chef des Flughafens mit ein paar naiven, aber faktenunterlegten Fragen so unter Druck, dass dieser am Ende nur noch die organisatorischen Vorteile für die Betreiber heraus stellen mochte. Und das ca. zwei Tage vor der Wahl.
    So geht´s halt ned...

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