Entscheid über Flughafen

Gegner der dritten Startbahn gewinnen

Beim Bürgerentscheid über den Bau einer dritten Startbahn am Münchener Flughafen haben die Gegner des Projekts sich durchgesetzt. Für das Bündnis der Befürworter ist der Ausgang des Entscheids eine herbe Schlappe.
Update: 17.06.2012 - 22:11 Uhr 30 Kommentare
Gegner der Startbahnerweiterung freuen sich über ihren Erfolg beim Bürgerentscheid. Quelle: dpa

Gegner der Startbahnerweiterung freuen sich über ihren Erfolg beim Bürgerentscheid.

(Foto: dpa)

MünchenDie Münchner haben sich gegen den Bau einer dritten Startbahn am Flughafen der bayerischen Landeshauptstadt ausgesprochen. Beim Bürgerentscheid stimmten am Sonntagabend nach dem vorläufigen Endergebnis 54,3 Prozent gegen und 45,7 Prozent für den weiteren Ausbau des zweitgrößten deutschen Flughafens. Das Ergebnis ist auch eine Schlappe für CSU, SPD und FDP, die gemeinsam für den Ausbau geworben hatten.

Insgesamt beteiligten sich 32,8 Prozent der 1,04 Millionen Wahlberechtigten an dem Bürgerentscheid, der damit das nötige Quorum von zehn Prozent klar übertraf. Nicht abstimmungsberechtigt waren die unter Lärm und Abgasen leidenden Anwohner des Flughafens, der weit vor den Toren der Stadt im Erdinger Moos liegt.

Mit dem Bürgerentscheid wird nun der Stadtrat gezwungen, in der Flughafengesellschaft gegen die dritte Startbahn zu votieren. Der Flughafen wird gemeinsam vom Bund, dem Freistaat Bayern und der Stadt München betrieben. Da in der Flughafengesellschaft einstimmige Abstimmungen zwingend sind, kann der Stadtrat den Ausbau verhindern.

Bayerns Staatsregierung unter CSU-Chef Horst Seehofer hatte ebenso wie der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) massiv für den Ausbau geworben. Durch diesen sollte die Kapazität des Airports von 90 auf 120 Starts und Landungen pro Stunde erhöht werden.

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) versicherte, er werde das eindeutige Ergebnis "ohne Wenn und Aber" akzeptieren. Die dritte Startbahn sei vom Tisch. Zugleich warnte Ude davor, den Willen der Bürgerschaft mit "Tricksereien" zu hintergehen. Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause sagte, Ude habe zugesichert, dass er das Votum der Bürger akzeptieren werde. Das müsse er nun auch einhalten. Sie fügte hinzu: "Die Befürworter müssen miteinander die Niederlage eingestehen. Alle miteinander haben sie verloren. Und wir haben gewonnen."

Nötig ist der Ausbau nach Auffassung der Befürworter, weil der Flughafen nach Prognosen bald an seine Kapazitätsgrenzen stößt. So werden für dieses Jahr an die 40 Millionen Passagiere in München erwartet, bis 2025 soll die Zahl auf über 58 Millionen und damit ähnlich viele wie derzeit am größten deutschen Flughafen Frankfurt steigen. Im Zuge der Erweiterung hätten zu den 30.000 Arbeitsplätzen am Flughafen 11.000 weitere hinzukommen sollen.

Zweifel an der Passagier-Prognose
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30 Kommentare zu "Entscheid über Flughafen: Münchner Bürger stoppen Bau dritter Startbahn"

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  • ...Interessant ist aber schon die Tatsache, dass in Frankfurt bspw. viele Häuser, die in der Einflugschneise liegen und Protestlern gehören/gehörten, von der Flughafengesellschaft aufgekauft wurden, - und die angeblich so lärmgeplagten Bewohner dann aber doch da wohnen bleiben. - Soooo schlimm kann also Fluglärm nicht sein? Oder ist Schizophrenie auch eine Wirkung von Fluglärm. Bestimmt findet sich irgendein Professor, der dies gutachterlich bestätigen wird...!

  • Werte Redaktion,

    ich vermisse hier meinen Beitrag. Oder werden Beiträge von der Pro-Seite nicht veröffentlicht? Wo bleibt die Meinungsfreiheit?

    Nochmal, ich wohne in Pulling, von den Fliegern bekommt man kaum was mit, die stören kaum, die Vögel zwitschern lauter als die Flieger, die Luft ist reiner als in den Städten, was wirklich stört, sind die Züge, vor allem Güterzüge z.B. aus Südtirol für die Äpfel, weil die heimischen sind ja nicht gut genug, die hier nachts langdonnern und einen aus dem Schlaf reißen. Ich akzeptiere das Ergebnis, auch wenn ich jetzt weiß, dass mein Arbeitsplatz nicht mehr gesichert ist und ich mich nach einem neuen Job umschauen kann.

    Vielen Dank an die Egoisten, Faschisten etc. Wer gegen die Bahn gestimmt hat, hat für den Nationalsozialismus gestimmt, denn die sind in vorderster Front zusammen mit den Grünen gegen die Bahn gewesen!

    Gruß der Pullinger

  • @Sebbe: Stimmt schon, ad hominem ist nicht nett und auch nicht richtig. Absolut nichts habe ich gegen ECHTE Investoren. Nur, die Investoren, die sich hier am Flughafen beteiligen tun absolut nicht EINEN Schritt ohne die Garantien Seehofers und Udes. Ohne Staat keine Investoren. Kennen wir das nicht zur Genüge? So entsteht Fehlallokation, das eigentliche und teils schwer erkennbare Monster der Staatsmarktwirtschaft. Und das schmeckt den Süddeutschen nicht, eben genau WEIL sie mit Geld umgehen können.
    Wenn man sagt, ja, wenn´s a so a ausgschamt guads Gschäft is, warum macht ihr den Ausbau nicht ohne Staat, gibt später vielmehr diridari... - ja, dann is plötzlich nicht mehr so gut, das Geschäft.
    Dann ist plötzlich das Risiko zu hoch. Aha.
    (Und Augsburg könnt man auch ausbauen z.B. etc...)
    Die Wachstumsprognosen sind, wie die Kostenkalkulation, noch auf dem Stand von vor 2007 - einfach extrapoliert, als gäb´s keine Krise. Nun leidet München im Moment ganz besonders unter einer sogenannten Katastrophenhausse. Warum leidet? Weil der Bayer weiss, dass Parties schön sind, aber der Horror, wenn die Gäste plötzlich wegbleiben. Also sagt der Bayer, Wachstum muss langfristig gerechtfertigt sein. Und die Münchner Mieter sagen sowieso, baut´s erstmal Wohnungen, ihr Hirnis, bevor ihr den Flughafen ausbauts.
    Anständig entschädigt wird auch wieder niemand, mag der Bayer auch nicht.
    Jetzt muss die Politik nachlegen und das ist auch gut so.
    Wenn dann die Leute immer noch wie verrückt über München kreuzen wollen, dann wird der Ausbau schon noch kommen, keine Angst.
    Und dann geht´s mit der Genehmingung auch normalerweise zack, zack...
    P.S.: Ein Staatreporter des BR setzte den (glaube) Chef des Flughafens mit ein paar naiven, aber faktenunterlegten Fragen so unter Druck, dass dieser am Ende nur noch die organisatorischen Vorteile für die Betreiber heraus stellen mochte. Und das ca. zwei Tage vor der Wahl.
    So geht´s halt ned...

  • Erst einmal:
    Bitte sachlich bleiben, ich beleidige auch niemanden persönlich!
    Zweitens: Was haben SIE gegen Investorenmeinungen? Seien sie doch froh, wenn Investoren Geld in die Hand nehmen und tätig werden!
    Wenn der Ausbau des FH nicht so interesant wäre, würde man nicht anfragen müssen!
    Des Weiteren: Anscheinend haben Sie sich informiert über Auslastung, etc. pp.
    Tatsache ist ( zumindest gehe ich davon aus), dass wir hier anders diskutieren als die Kritiker draußen!
    Viele protestieren, ohne Fakten zu haben! Da kann ein Seehofer sich hinstellen und erzählen was er will und mag es so kompetent wie sonst was sein oder auch nicht, irgendwann schalten alle ab, die es nicht juckt.
    Ergo: Nur die Leute die Nachfragen sind informiert und wissen worum es geht, der Rest interessiert sich nicht dafür.
    Drittens steht es nicht in meiner Macht, an den Planverfahren etwas zu ändern. Da sollen sich andere drum bemühen.
    Meiner Meinung ist, egal welche Informationspolitik betrieben wird, Projekte, die ein Land nach vorne bringen, die für mehr Wirtschaftskraft sorgen und ich sage jetzt bewusst können, eine entsprechende FH- Auslastung kommt ja nicht von heute auf Morgen, sollten gefördert werden!
    Nur leider sind wir zu egoistisch und schauen nur auf unsere Vorteile und das auf kurze Zeit.
    Aus meinem Beispiel entnehmen sie doch einiges, Thema Windkraft.
    Schattenwurf von weniger als zwei Stunden.
    Bei einem normalen Arbeitstag von 8 Stunden, rechnen wir An- und Abreise zur Abfahrt mal 40 Minuten, sind Sie, wenn wir Einkaufen und Gesellschaftsliches Vergnügen abziehen vielleicht 13-14 Stunden zuhause, wovon sie 6-7 Schlaf abziehen und die Tageszeit des Schattenwurfs berücksichtigen.
    Ergo: Zu 66% und mehr Wahrscheinlichkeit, je nachdem wann der Schatten auf das Haus fällt, erleben sie dies gar nicht mit!
    Hier fehlt das Fingerspitzengefühl und der nötige Beitrag zum Gemeinwohl!
    Und den sehe ich zum Größten Teil in Deutschland nicht!!!

  • dann werden eben mehr flüge ab dem künftigen ber im nächsten frühjahr abgewickelt werden... alles halb so schlimm!

  • Ein Flughafen ist verkehrstechnisch und in Sachen Arbeitsplatz eine tolle Sache. Es sei denn, man wohnt in der Einflugschneise eines Flughafens. Dann denkt man darüber anders nach.
    Meiner Meinung nach dürften Lande- und Startbahnen in der Nähe von bewohntem Gebiet gar nicht gebaut werden. Im dicht besiedeltem Deutschland ist das natürlich schwiegig umzusetzen. Aber wenn alle Beteiligten das wirklich wollen, geht das.

  • Wer hier wirklich Wutbürger ist, sieht man an diesen Kommentaren: die beleidigten Verlierer des Bürgerentscheids!

    Wisst ihr Befürworter der 3. Bahn (oder S21 oder oder) eigentlich, WARUM wir NUR DAGEGEN sind?
    Weil ALLES andere in unserem Land nicht möglich ist!

    Warum z.B. werden Anlieger von neuen Großprojekten nicht vom Verursacher entschädigt, so dass sie kostenneutral an einen anderen, besseren Ort umziehen können?

    Unter
    https://sites.google.com/site/sosegides/
    wird erklärt, was ich meine!

    In unserem Land bezahlt nicht der Verursacher, sondern immer unbeteiligte Dritte, Unschuldige oder Schwache. Also nicht der Passagier, sondern der Anlieger.

    Wie bei der EEG-Umlage. Dort zahlt auch der Bürger unabhängig von seinem Verbrauch, nicht aber die Stromverschwender in der stromintensiven Industrie!

  • "Sie müssen sie kürzer halten. Der Wütbürger ist für eine lange Argumentationskette nicht offen, so richtig sie auch ist."

    Der "Wutbürger" ist derjenige, der diese ganzen schönen und fantastischen Waren kaufen soll. Sonst funktioniert das System nicht. Der "Wutbürger" soll sich mit Arbeitsplätzen begnügen, die ihn krank machen. Diese müssen auch in den dann 3 Einflugschneisen wohnen. Der "Wutbürger" hat keine Lust das Gesundheitswesen mit den Folgekosten zu belasten.
    Auch das Argument Arbeitsplätze endet bei der menschenlichen Gesundheit, und die umfaßt nicht nur Gehörschäden, diese umfaßt auch soziale und emotionale Gesundheit. Und die kann mit Geld nicht kaufen. So ein Mist aber auch.

  • @ Sebbe: ja, sehen Sie? Wie der Seehofer. Sie halten die Leute für blöd. Danke für die Belehrung, dass Genehmigungsverfahren ewig dauern können. Wenn Sie so fortschrittlich sind, könnten Sie ja mal dagegen was tun. Ansonsten gehören die Bürger Baden-Württembergs und Bayerns was das Wirtschaften angeht, ja wohl ausgewiesener Massen zu den Schlauesten. Das der Flughafen am Maximum lebt und das die Verkehrszahlen in Zukunft nur den Weg nach oben kennen ist eben genau NICHT überzeugend dargelegt worden.
    Die Zahlen bestätigen das nicht - eine reine Investorenmeinung, die genauerer Zahlen-Analyse nicht standhält.
    Interviews des BR (Staatsfernsehen) mit Betreibern und Investoren waren windelweich und ausflüchtend. Darf man dann halt nicht senden.
    Ich kritisiere keinen Ausbau des Flughafens, ich kritisiere die hanebüchen inkompetente Kommunikationsstrategie, zumal wenn man bedenkt, dass Ude ja auch für die Erweiterung ist.
    Es zeigt sich hier nur die unsägliche Arroganz der Staats "diener". Die meinen halt, wenn sie dafür sind dann langt das schon.
    Genauso S21; eine totale Fehlkonstruktion aus Beamtenstuben. Gelungene Konzepte werden von Bayern und Baden-Württembergern gerne gekauft.
    Da benötigen wir keinen sabbelnden Sebbe.

  • Sie müssen sie kürzer halten. Der Wütbürger ist für eine lange Argumentationskette nicht offen, so richtig sie auch ist.
    Stimme ihnen inhaltlich in allen überein. V.a. die Dauer des Ausbaus ist entscheidend. Viele Fragen sie, warum bspw. Kohlekraftwerke in NRW so ineffizienz sind, obwohl der aktuelle Stand der Technik so viel ausgereifter ist. Die Baugenehmigung wurde eben auch schon vor 20 Jahre erteilt. Und nach grüner Verzögerung jetzt erst in Betrieb genommen.
    Solche großen Infrastrukturprojekte dauern eben Zeit. Und solche Bürgerbeteiligungen (auch wenn sie tlw. gutzuheißen sind) verschleppen die Baufertigstellung. Leider nun auch in München und leider erfahren die Wähler ihrer Konsequenzen nicht sofort. In ein paar Jahren werden sie die Ergebnisse nicht auf ihr Handeln zurückführen und sich einen neuen Sündebpck/Schuldigen suchen.

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