Entscheidung Ende Oktober
Transnet und GDBA prüfen Fusion

Die beiden Eisenbahnergewerkschaften Transnet und GDBA stehen offenbar kurz vor der Aufnahme von Fusionsverhandlungen.Zwar wollten die Sprecher beider Seiten entsprechende Berichte nicht offiziell bestätigen. "Das Wort Fusion wollen wir nicht in den Mund nehmen, bis die Spitzengremien entschieden haben," sagte Transnet-Sprecher Michael Klein auf Nachfrage. Aber ein hartes Dementi gab es weder bei Transnet noch bei der GDBA.

BERLIN. Die Spitzengremien treffen sich Ende Oktober in Fulda. Am 28. und 29. tagen dort zunächst in getrennten Sitzungen der Beirat von Transnet und der Hauptvorstand der GDBA. Offiziell soll es um eine weitere Intensivierung der Zusammenarbeit gehen.

Doch scheint noch mehr Kooperation jenseits eines Zusammenschlusses kaum denkbar. Außerdem strebt Transnet mit seinen 230 000 Mitgliedern die Fusion mit der mit 40 000 Mitgliedern deutlich kleineren Schwesterorganisation bereits seit 2004 an. Damals fällte der Gewerkschaftstag einen entsprechenden Beschluss. Er führte dazu, dass die zuvor konkurrierenden Organisationen sich 2005 zu einer Tarifgemeinschaft zusammenschlossen. Im vergangenen Jahr folgte die Zusammenlegung der Bildungseinrichtungen.

Größtes Hindernis für eine Fusion ist, dass beide Gewerkschaften unterschiedlichen Dachorganisationen angehören: die Transnet ist Teil des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), die GDBA ist eine der 40 Einzelorganisationen unter dem Dach des Deutschen Beamtenbunds (DBB). Eine Fusion der beiden unter dem Dach des Beamtenbunds würde der DGB niemals tolerieren. Es käme also darauf an, dass die GDBA bereit ist, sich vom Beamtenbund zu lösen.

Dieses Hindernis werde nur schwer auszuräumen sein, hieß es bei beiden Organisationen. Eine Alternative könnte eine Fusion in Raten sein. So könnten in einem ersten Schritt die Entscheidungsgremien für die politische Interessenvertretung und die Betreuung der Beamten zusammengeführt werden. Bisher gebe es dort häufig Reibungsverluste. Ein noch größerer Schritt in Richtung Zusammenschluss könnte die Bildung einer gemeinsamen Tarifkommission sein.

"Ein geschlossenes Vorgehen ist wichtiger denn je," sagte Transnet-Chef Alexander Kirchner. Denn der Wettbewerb auf dem Verkehrssektor werde sich in Zukunft weiter verschärfen. Sowohl die künftige Bundesregierung als auch die EU-Kommission würden hier "die Schrauben anziehen". Ein Grund für ein noch engeres Zusammenrücken dürfte aber auch sein, dass beide Gewerkschaften seit Jahren mehr Mitglieder verlieren als andere Gewerkschaften.

Eine einheitliche Interessenvertretung der Arbeitnehmer im Bahnbereich wird es aber auch nach einer Fusion nicht geben. Die 2007 auf der Tarifgemeinschaft ausgetretene Gewerkschaft der Lokführer will weiterhin selbstständig bleiben - schon weil sie den in mehrwöchigen Streiks erreichten selbstständigen Tarifvertrag mit der Bahn-AG für die Lokführer nicht aufgeben will.

Auch die Tarifkonkurrenz zur DGB-Gewerkschaft Verdi wird durch eine Fusion nicht verschwinden. Sie vertritt im Verkehrsbereich als Nachfolgerin der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr Bus- und Straßenbahnfahrer, Binnenschiffer, Flughafenpersonal und Flugzeugbesatzungen. Die Chance, die Interessenvertretung der Beschäftigten im Verkehrsbereich unter einem Dach zu bündeln, hat Transnet vertan, als sie sich Ende der 90er-Jahre dagegen entschied, der damals neu gegründeten Gewerkschaft Verdi beizutreten.

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