Entscheidung kommende Woche
Lufthansa-Fusion mit AUA auf der Kippe

Seit Ende 2008 liegt der Kaufvertrag unterschrieben auf dem Tisch: Die Lufthansa will die Austrian Airlines (AUA) übernehmen - vorausgesetzt, die Europäische Kommission gibt grünes Licht. Die Entscheidung muss bis Ende kommender Woche fallen, sonst wird der Kaufvertrag hinfällig. Noch sind viele Fragen offen.

HB FRANKFURT. Die wichtigste: Ist die AUA angesichts der massiven Einbrüche im Weltluftverkehr überhaupt noch attraktiv für Lufthansa? Seit der Ende 2008 vereinbarten Übernahme der AUA durch die Lufthansa ist die österreichische Gesellschaft noch tiefer in die Krise geflogen. Im ersten Quartal wies sie einen Verlust von 88 Millionen Euro aus, im Vorjahresquartal waren es 60 Millionen Euro Verlust.

Der Umsatz sank um 16,5 Prozent auf knapp 440 Millionen Euro. Die Schulden belaufen sich auf eine Milliarde Euro. Gerade auf den Strecken nach Osteuropa brechen die Passagierzahlen ein. Die Lage gilt als katastrophal. Langfristig könnte die gute Stellung der AUA in Osteuropa für Lufthansa allerdings attraktiv sein.

Weitere Frage: Hat Lufthansa noch genügend Geld für Zukäufe?

Auch die Lufthansa, die für eine Komplettübernahme bis zu 382 Millionen Euro auf den Tisch legen müsste, trifft die weltweite Rezession hart. Mit einem Einstellungsstopp, teilweiser Kurzarbeit und Stellenstreichungen stemmt sich Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber, selbst ein gebürtiger Österreicher, gegen den Absturz. Geld für die AUA-Übernahme hat die Lufthansa aber trotzdem noch - schließlich sehen die Verträge vor, dass ein großer Teil des Maximalkaufpreises nur dann zu zahlen ist, wenn künftig auch wieder Gewinne fließen.

Welche Rolle spielt die Europäische Kommission?

Die Europäische Kommission muss nun im wesentlichen zwei Punkte klären: Zum einen muss sie eine zugesagte Staatshilfe der Regierung in Wien in Höhe von 500 Millionen Euro absegnen. Zudem muss sie sich mit Lufthansa einigen, welche Flugverbindungen eine kombinierte Lufthansa/AUA möglicherweise abgeben würde, damit keine Monopole entstehen. Hier hatte auch ein Spitzengespräch in Brüssel kein greifbares Ergebnis gebracht. Die Kaufverträge für die AUA sehen als Bedingung vor, dass die kartellrechtliche Freigabe und die Genehmigung der Subvention bis Ende Juli vorliegen müssen.

Ist die Swiss-Übernahme mit der AUA vergleichbar?

Als Vorbild für eine erfolgreiche Fusion in der Luftfahrtbranche gilt die Integration der Schweizer Swiss in die Lufthansa, für die die Unternehmen ebenfalls Zugeständnisse bei der EU machten. Doch der Fall Swiss ist eigentlich anders gelagert: Die frühere Staatsairline Swissair ging in die Insolvenz, danach wurde 2002 in der Schweiz die neue Swiss geformt, die zwar Flugzeuge und Strecken übernahm, aber nicht mehr die Altlasten der Swissair mit sich tragen musste. Und erst diese sanierte Swiss wurde dann von Lufthansa übernommen.

Und die Übernahme in Belgien?

Ähnlich wie bei der Swiss lief es bei der Übernahme von Brussels Airlines. Die einstige nationale Fluggesellschaft Sabena ging 2001 pleite, später wurde dann Brussels Airlines aus der Taufe gehoben. Und diese neue Fluggesellschaft wird nun in Lufthansa integriert.

Welche Alternativen wären denkbar?

Für eine Expansion muss die Lufthansa keine Fluggesellschaft im Ausland kaufen - sie kann auch selbst eine neue Airline gründen. Dies zeigte Lufthansa in Italien, wo sie sich vergeblich um die Übernahme der Alitalia bemüht hatte. Sie gründete dann in Mailand die Lufthansa Italia - die nun der nach ihrer Insolvenz neu aufgestellten Alitalia Konkurrenz im Heimatmarkt macht. Auch in Österreich könnte Lufthansa selbst stärker Fuß fassen, wenn die Übernahme platzt. Gefahr für Lufthansa bestünde nur, wenn ein direkter Lufthansa-Konkurrent wie Air France/KLM in Österreich zum Zuge käme und erfolgreich wäre.

Rochus Görgen, dpa

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