Entscheidung noch im August
Swiss sucht Partner im Überlebenskampf

Wirtschaft und Politik in der Schweiz sehen für einen Alleingang ihrer nationalen Fluggesellschaft Swiss International Airlines offenbar keine Chance mehr.

HB DÜSSELDORF. Swiss-Verwaltungsrat Walter Bosch betonte im Gespräch mit dem Schweizer Rundfunk DRS, dass der schwer angeschlagene Konzern inzwischen nur noch zwei Optionen in Erwägung ziehe: eine Anbindung an die Deutsche Lufthansa oder den Beitritt zur konkurrierenden Luftfahrtallianz Oneworld um British Airways und American Airlines. Viel Zeit bleibt dem Schweizer Unternehmen nicht mehr. Der Verwaltungsrat hat gestern erneut über die Zukunft der Swiss beraten und eine endgültige Entscheidung für Ende August angekündigt.

Die involvierten Fluggesellschaften schweigen seit Wochen zu den vorgelegten Rettungsplänen. Eine Sprecherin von British Airways dementierte gestern allerdings Spekulationen, wonach die Briten der Schweizer Fluggesellschaft ein Angebot unterbreitet hätten: „Wir versuchen nicht aktiv, in Swiss zu investieren“, sagte sie. Über einen Beitritt zur Oneworld-Allianz sei allerdings gesprochen worden. Ähnliche Aussagen kommen vom Konkurrenten Lufthansa: „Priorität hat das eigene Geschäft, da haben wir noch eine Menge Hausaufgaben zu machen“, sagte Lufthansa-Finanzchef Karl-Ludwig Kley vorige Woche.

Hinter den Kulissen ist das Pokerspiel um die lukrative Schweizer Businessflieger-Kundschaft in vollem Gange. Auf der einen Seite steht Lufthansa, die das hochdefizitäre Unternehmen Swiss gern auf einen kleinen, aber feinen Edel-Zubringer zurechtstutzen würde. „Was eine Air Dolomiti aus Mailand heraus für die Lufthansa macht, müsste eine Swiss von Zürich aus machen. Das wäre interessant für die Lufthansa“, sagt Martin Köhler, Luftfahrtexperte bei der Unternehmensberatung Boston Consulting.

Unklarer ist die Position bei British Airways: Zwar will sie auf der einen Seite verhindern, dass die Einbindung der Swiss unter das Dach des großen Rivalen Lufthansa gelingt. Auf der anderen Seite hat sie sich bisher jedoch hartnäckig geweigert, die Swiss wegen ihres Hub-Verkehrs in Zürich in den Oneworld-Verbund aufzunehmen.

Doch seit Tagen wird in Schweizer Medien die Hoffnung genährt, die heimische Swiss könne als Oneworld-Mitglied weiter von Basel aus gesteuert werden. Lufthansa macht indes zur Bedingung, das Fluggeschäft der Swiss künftig von Frankfurt aus zu managen.

Swiss-Vorstandschef André Dosé wird über die höchst bedrohliche Lage heute anlässlich der Halbjahreszahlen berichten. Schweizer Luftfahrtanalysten erwarten erneut hohe Verluste von rund 550 Mill. sfr für die ersten sechs Monate des Geschäftsjahrs 2003. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Fluggesellschaft ein Minus von rund 1 Mrd. sfr (664 Mill. Euro) ausgewiesen.

Swiss benötigt nach eigenen Angaben zur weiteren Sanierung einen Kredit über 500 Mill. sfr. Eidgenössische Investoren aus Wirtschaft und Politik, die dem Swissair-Nachfolger erst vor gut einem Jahr mit 2,7 Mrd. sfr zum Neustart verhalfen, stehen offenbar nicht für weitere Finanzhilfen zur Verfügung.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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