Entscheidung
Starterlaubnis für Virgin America

Im zähen Ringen um eine Liberalisierung des transatlantischen Luftverkehrs fallen die ersten Schranken. Nach jahrelangem Widerstand ermöglicht das US-Verkehrsministerium dem britischen Unternehmer Richard Branson unter Auflagen, eine US-Fluggesellschaft unter der Marke Virgin America an den Start zu schicken.

NEW YORK/BRÜSSEL. Der neue Virgin-Ableger aus San Francisco, an dem Branson nur eine Minderheitsbeteiligung von 25 Prozent halten darf, kündigte umgehend nach dem vorläufigen Okay die Aufnahme des Betriebs für diesen Sommer an. Die Airline will mit Flügen von San Francisco nach New York beginnen und wenige Monate später auch Washington, Las Vegas, Los Angeles und San Diego einbinden. „Wir sind einen riesigen Schritt vorangekommen“, sagte ein Sprecher von Virgin America.

Branchenexperten sehen das Signal im Zusammenhang mit dem Treffen der EU-Verkehrsminister, die am heutigen Donnerstag das mit den USA ausgehandelte Open-Skies-Abkommen unterzeichnen sollen. British Airways (BA) und Bransons Virgin Atlantic hatten bis zuletzt heftig opponiert, weil sie sich durch das Abkommen benachteiligt fühlen. Mit der Starterlaubnis für Virgin America werbe die USA um Unterstützung für den Open-Skies-Plan, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Das Abkommen war Anfang März nach einem über Jahrzehnte währenden Streit ausgehandelt worden: Es sieht vor, dass europäische Fluggesellschaften künftig aus jedem Mitgliedsland der EU in die USA fliegen können. Bisher wird der freie Verkehr durch bilaterale Verträge behindert.

Prominentestes Beispiel für die Marktabschottung ist die Situation an Londons Flughafen Heathrow: Den Betrieb auf der wichtigsten Nordatlantikstrecke dürfen sich American und United Airlines mit zwei britischen Firmen teilen (BA und Virgin Atlantic). Tritt das neue Abkommen in Kraft, erwarten Analysten einen intensiven Wettbewerb an Europas größtem Flughafen.

Die britische Regierung habe ihre Bedenken wegen der Marktöffnung in Heathrow zurückgestellt, hieß es gestern in Brüssel. Dort wird erwartet, dass heute alle 27 EU-Staaten dem Abkommen zustimmen werden. Großbritannien will seine Zustimmung aber von Bedingungen abhängig machen, weil die USA ihren Flugmarkt weiterhin abschotten. Spätestens 60 Tage nach Inkrafttreten von „Open Skies“ sollten neue Verhandlungen über eine weitere Liberalisierung beginnen, heißt die britische Forderung. Großbritannien will damit erreichen, dass auch Mehrheitsbeteiligungen an US-Fluggesellschaften möglich werden.

Am Beispiel Virgin America wird deutlich, wie sehr sich die USA noch gegen einen Eintritt der Europäer wehren: Branson hält zwar vorschriftsmäßig nur 25 Prozent an der Airline, während 75 Prozent des Kapitals bei den US-Fonds Cyrus und Black Canyon Air Partners liegen. Die halbe US-Flugindustrie erhob jedoch Einspruch beim Verkehrsministerium und verwies darauf, dass Virgin America kein wirklich amerikanisches Unternehmen sei. Schließlich habe Branson, der Brite, die Idee gehabt, den US-Ableger zu gründen, kritisierte die von Continental Airlines angeführte Opposition.

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