Enttäuschendes Quartal
Wal-Mart spürt die Rezessionsangst

In den USA grassiert die Angst vor der Wirtschaftsflaute. Das bekommt auch der größte Einzelhändler der Welt zu spüren. Wal-Mart verfehlte im dritten Quartal die Erwartungen der Analysten.
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ChicagoDer weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart spürt wegen der unsicheren Wirtschaftslage die Zurückhaltung der Verbraucher in vielen Ländern. Zwar baute die amerikanische Supermarktkette im dritten Quartal ihren Umsatz weltweit um 3,4 Prozent auf 113,2 Milliarden Dollar aus, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Damit verfehlte Wal-Mart jedoch die Erwartungen der Analysten, die dem Metro -Rivalen annähernd 115 Milliarden Dollar zugetraut hatten. "Ob in Großbritannien, in Argentinien, in Mexiko oder China, ob in den USA oder in Kanada, ich denke alle Verbraucher stehen etwas unter Druck", sagte Finanzchef Charles Holley zu Journalisten. In China lockte der Konzern weniger Kunden in seine Märkte und in den Verkaufszahlen in Japan spiegelte sich die schwache Wirtschaftslage wider.

An der Wall Street wurde das Zahlenwerk zum dritten Quartal nicht gut aufgenommen: Die Aktie verlor vier Prozent.

Wal-Mart baute im wichtigen US-Geschäft nach mehr als zwei Jahren mit rückläufigen Geschäften die Umsätze auf vergleichbarer Basis inzwischen das fünfte Quartal in Folge aus. Die Erlöse in den heimischen Supermärkten legten auf vergleichbarer Basis um 1,5 Prozent zu. Damit lagen sie innerhalb der vom Management in Aussicht gestellten Spanne von plus einem bis drei Prozent. Branchenexperten hatten aber mit einem stärkeren Zuwachs von 1,8 Prozent gerechnet - zumal das Management sich kürzlich auf einer Veranstaltung mit Analysten noch optimistisch geäußert hatte. Angesichts nach wie vor knapper Kassen bei vielen Amerikanern hatte Wal-Mart die Konsumenten mit Billig-Angeboten gelockt und die Preise für einzelne Produktgruppen wie Lebensmittel und Elektronik gesenkt. Das drückte aber auf die Einnahmen.

Die Kundenzahlen legten in den US-Geschäften nur geringfügig zu. Hier spürte Wal-Mart die gestiegenen Benzin-Preise, was Verbraucher weniger oft in die Verkaufshallen fahren ließ. "Das derzeitige Konjunkturumfeld belastet weiterhin unsere Kunden", sagte Finanzchef Holley. Das wichtige Weihnachtsgeschäft werde daher voraussichtlich von hartem Wettbewerb geprägt sein. "Aber wir sind sehr gut vorbereitet, die Werte und niedrigen Preise zu liefern, die unsere Kunden erwarten", fügte er hinzu.

Insgesamt steigerte Wal Mart in seinem dritten Quartal, das am 31. Oktober endete, seinen Konzerngewinn auf 3,64 Milliarden Dollar von 3,34 Milliarden vor Jahresfrist. Pro Aktie stand ein Gewinn von 1,08 Doller in den Büchern, womit der Einzelhandelskonzern die Analystenschätzungen um ein Cent übertraf. Branchenexperten äußerten sich dennoch vorsichtig. Die leichte Abschwächung des Umsatzwachstums bei Wal-Mart zeige, unter welchem Druck die US-Verbraucher derzeit stünden, sagte Natalie Berg, Direktorin bei Planet Retail. Wal Mart sei zwar gut aufgestellt, um mit preisbewussten Kunden umzugehen. "Aber am Ende des Tages sind die Verbraucher immer noch sehr zurückhaltend, wenn es darum geht, sich von ihrem hart verdienten Geld zu trennen."

Die Geschäftszahlen des Branchenprimus stehen in starkem Kontrast zum kleineren Wettbewerber Target Corp. Dieser übertraf mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen der Analysten, was der Aktie des Unternehmens zu einem Kursplus von zwei Prozent verhalf. Target konnte die Verbraucher mit einer größeren Vielfalt an Lebensmitteln und einem fünfprozentigen Preisnachlass für Kundenkarten-Besitzer locken. Erst vor wenigen Tagen hatte zudem die weltgrößte Baumarktkette Home Depot Hoffnungen auf eine Belebung der US-Wirtschaft geweckt, als sie nach einem überraschend kräftigen Gewinnplus im dritten Quartal die Jahresprognose anhob. Dabei profitierte das Unternehmen von der jüngsten Entspannung am Häusermarkt. Home Depot steigerte im dritten Quartal seinen Nettogewinn um 1,4 Prozent auf 947 Millionen Dollar bei einem Umsatzzuwachs um fünf Prozent auf 18,1 Milliarden Dollar.

 
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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