„Er hat sie alle heiß gemacht“
Rewe im Streitfall Berninghaus kompromissbereit

Der Handelskonzern Rewe ist im Rechtsstreit mit seinem ehemaligen Vorstandssprecher Ernst Dieter Berninghaus um Schadenersatz grundsätzlich zu einem Vergleich bereit. Zum Auftakt eines Prozesses vor dem Landgericht Köln verständigten sich beide Seiten am Freitag auf Vorschlag des Richters darauf, nach einer Einigung zu suchen.

HB KÖLN. Die Rewe hat den im vorigen Oktober zurückgetretenen Berninghaus auf Schadenersatz von 30,3 Mill. Euro verklagt, weil er im Jahr 2000 den überteuerten Kauf eines Internetunternehmens betrieben haben soll.

Rewe-Anwalt Wilhelm Danelzik sagte in der einstündigen Verhandlung vor der 10. Kammer für Handelssachen, falls man sich auf einen „nennenswerten Betrag“ verständigen könne und sichergestellt sei, dass das Geld auch fließe, werde man „sehr ernsthaft“ über einen Vergleich nachdenken. Auch Berninghaus-Verteidiger Michael Witzel sagte, prinzipiell sei sein Mandant vergleichsbereit. Mehr als die 6,5 Mill. Euro, die er im Zuge der Übernahme des Internetdienstleisters Nexum an Provision erhalten habe, könne Berninghaus allerdings nicht aufbringen.

Die Gegenseite wie der Vorsitzende Richter Herbert Schäfer zogen diese Darstellung in Zweifel. Der gesundheitlich angeschlagene Berninghaus selbst nahm an der Verhandlung nicht teil. Der 40-Jährige sei nicht in der Lage zu erscheinen, sagte sein Anwalt unter Verweis auf ein Attest. Er halte sich derzeit zur ärztlichen Behandlung in Deutschland auf. Die Rewe hatte den Rücktritt des Managers nach knapp einem halben Jahr im Amt mit einer ernsten Erkrankung begründet. Kurze Zeit nach seinem Abgang war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Köln gegen Berninghaus wegen Betrugs und Steuerhinterziehung ermittelt.

Nach den Worten des Richters ist in dieser parallel laufenden Strafsache mit einer Anklageerhebung zu rechnen. In dem von Rewe angestrengten Zivilprozess sprach sich Schäfer für eine gütliche Einigung aus. Weil Berninghaus den Erhalt der Provision eingeräumt habe, sei eine Verletzung seiner Pflichten als damaliger Geschäftsführer der Rewe Internet Media GmbH erwiesen. Allerdings sei zu bedenken, ob nicht eine Mitverantwortung der Aufsichtsgremien in Zusammenhang mit dem Nexum-Kauf gegeben sei. Rewe hatte 25,7 Mill. Euro für 76% an dem Unternehmen gezahlt.

Schäfer sagte, man müsse sich fragen, warum nicht Konkurrenzangebote eingeholt und intern eine Unternehmensbewertung durchgeführt worden sei. Berninghaus legte damals zwar ein Gutachten vor, doch war dieses nach Angaben des Rewe-Anwalts von einem Bekannten des Managers erstellt worden, der dafür mehr als 6 Mill. Euro erhielt. Die Klägerseite warf Berninghaus vor, Rewe mit einer „ausgetüftelten Strategie“ in den überteuerten Kauf getrieben zu haben. Der Manager habe die zum damaligen Internetboom herrschende Stimmung ausgenutzt, Druck aufgebaut und den Deal „weitgehend eingestielt“. „Er hat sie alle heiß gemacht“, sagte Anwalt Danelzik.

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