Erfahrungsbericht
Kein Kollege zweiter Klasse

Unsicherer als seine festangestellten Kollegen hat sich Dennis Brandt nie gefühlt. Als Zeitarbeiter hat der Maschinenbau-Ingenieur größtenteils positive Erfahrungen gemacht, die Kritik an der Branche teilt er nicht.
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FrankfurtNein, um seine Zukunft habe er sich nie gesorgt. Dennis Brandt lächelt. Mit wachen Augen wartet er auf die nächste Frage, die gerade gestellte ist für ihn schon abgehakt. Brandt ist Zeitarbeiter. Doch das Gefühl, ein „verliehenes Produkt“ zu sein, hatte er noch nie: „Ich fühle mich nicht weniger unsicher als die festangestellten Kollegen.“

Der Personaldienstleister Hays hat den Maschinenbau-Ingenieur unter Vertrag – oder besser gesagt: hatte. Denn Brandt wird in ein festes Arbeitsverhältnis bei einem Pharmaunternehmen wechseln. Der Mann hat es geschafft, werden viele jetzt sagen. Die „Sklaventreiberei“ hat ein Ende. Doch der 28-Jährige widerspricht: „Die Zeitarbeit war für mich eine tolle Möglichkeit, ins Berufsleben zu starten und Erfahrungen zu sammeln.“

Immer mehr Unternehmen setzen auf temporäre Beschäftigungsverhältnisse. Das erhöht die Flexibilität. Eine Flexibilität, die auf den Schultern der Zeitarbeiter ausgetragen wird? Brandt schüttelt den Kopf. „Ich kann die Vorurteile nicht nachvollziehen. Bestätigen kann ich sie erst recht nicht.“

In Rente wollte er als Zeitarbeiter nie gehen
So hielt er es für keine Zumutung, sich immer wieder auf eine neue Umgebung und neue Menschen einstellen zu müssen. „Die Kollegen waren immer sehr nett zu mir, haben mich so aufgenommen wie einen Festangestellten“, erzählt Brandt. Ihn habe es eher angespornt, immer wieder neue Kollegen kennen zu lernen. „Ich bin allerdings auch sehr kontaktfreudig, andere haben da vielleicht mehr Probleme.“

Um Reputation und Anerkennung habe er nicht stärker als andere kämpfen müssen. „Die Kollegen wollten gerne wissen, was ich anderswo gesehen und gelernt hatte. Und auch die meisten Vorgesetzten waren daran sehr interessiert“, erzählt Brandt.

Doch das war nicht immer so. Als 2009 die Krise ausbrach, musste er bei seiner damaligen Firma, einem Elektronikunternehmen, gehen. Seine Zeitarbeitsfirma – damals war er noch nicht bei Hays – ließ ihn hängen. „Damals war ich schon sehr verunsichert“, erinnert er sich. Dennoch sei er wieder zu einer Zeitarbeitsfirma gegangen, allerdings eine, die auch für ihn sorgt, wenn mal keine Nachfrage besteht.

In seinem Freundeskreis ist der Job längst kein Thema mehr. „Das wird überall akzeptiert, das Feedback ist sehr positiv“, berichtet Brandt.

Dass Zeitarbeiter durchaus ihren Marktwert haben, erkannte er durch ein Schlüsselerlebnis. Eines Tages fand er eine Anzeige eines großen deutschen Automobilkonzerns, der Ingenieure suchte. Das Gespräch dort sei gut verlaufen. „Nur als die mir das Gehalt nannten, habe ich schnell klargemacht, dass das nichts wird. Es war deutlich weniger als das, was ich als Zeitarbeiter damals bekam“, so Brandt.

Nur eines stand für ihn von vornherein fest: In Rente wollte er als Zeitarbeiter nicht gehen. Gerade deshalb freut er sich dann doch, dass er nun festangestellt ist.


Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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