Erfolgreiche Übernahme: Hamburg stößt auf Hapag an

Erfolgreiche Übernahme
Hamburg stößt auf Hapag an

Bei M.M. Warburg melden sich weitere ehrenwerte Mitglieder der hanseatischen Gesellschaft - aber kaum keiner ist bereit, die kritische Größe einzusetzen. Später werden unter dem Dach von Warburg zwei Privatleute mit von der Partie sein.

Dafür rennen Berater, internationale Private-Equity-Fonds und Investmentbanken in die holzgetäfelten Kontorräume. Die Bank beherbergt von Anfang an die Schaltzentrale der Hamburger Offensive. Gerade einmal mit einer Handvoll Vertrauter treibt Bank-Chef Olearius das Vorhaben voran. Als höchst kompliziert erweist sich das Verkaufsverfahren. Völlig unklar ist, was die Tui-Manager Frenzel und Feuerhake am Ende losschlagen wollen: Das Unternehmen Hapag-Lloyd samt Markennamen und Immobilien oder nur Teile davon? Immer wieder werden neue Unterlagen angefordert. Kaum sind sie im Datenraum von Hapag-Lloyd eingetroffen, stellen sich den Käufern weitere Fragen.

Trotz mangelnder praktischer Hilfe der Bundesregierung gelingt es Olearius und Peiner schnell, die Stadt Hamburg ins Boot zu holen. Am Ende werden die Stadtväter über die Tochtergesellschaft HGV 484 Mio. Euro an Steuergeldern für eine 23-Prozent-Beteiligung an Hapag-Lloyd locker machen.

Parallel spricht Olearius mit großen Adressen aus dem deutschen Bank- und Versicherungssektor, um ihnen ein Investment schmackhaft zu machen. Die meisten ziehen zurück, sobald es konkret wird. Am Schluss bleiben Signal Iduna und Hanse Merkur, die jeweils 100 Mio. Euro beisteuern. Peiner, Aufsichtsratsvize der HSH Nordbank, holt das halbstaatliche Kreditinstitut ins Konsortium.

Am 18. Juli geben Olearius und Peiner ein elfeinhalbseitiges "unverbindliches Angebot" ab. Der Clou für die Hamburger und Tui-Chef Frenzel: Vorgesehen ist die Option, dass der Dax-Konzern weiterhin als Minderheitsgesellschafter an Hapag-Lloyd beteiligt bleibt. Frenzel kann seine Satzung einhalten, wird an möglichen Wertsteigerungen des Unternehmens beteiligt und bootet auf diese Weise seine sperrigen Großaktionäre aus. Die Hanseaten müssen - zumal angesichts der hereingebrochenen Finanzkrise - nicht den ganzen Unternehmenswert von 4,45 Mrd. Euro stemmen.

Während mehr als 400 Mitarbeiter Kühne schon am 24. September vor der hiesigen Firmenzentrale in der Hamburger Hafencity als Retter umjubeln, sind die Signale selbst am vergangenen Dienstag bei einem Treffen von Olearius und Peiner mit Tui-Chef Frenzel noch uneindeutig. Sogar am Sonntagnachmittag drohen die Verhandlungen noch zu scheitern - erst gegen halb sechs ist man sich in der Tui-Zentrale in Hannover einig.

Seit gestern Nachmittag hängt das Porträt des Hapag-Ahnherren Ballin im Melchior-Saal neben dem Handelsraum der Warburg-Bank.

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