Erfolgreiche Übernahme
Hamburg stößt auf Hapag an

Eine Übernahme durch die asiatische Reederei NOL hätte wohl das Ende der Eigenständigkeit von Hapag Lloyd bedeutet. Doch ein Hamburger Konsortium überbot die Asiaten und rettete die Arbeitsplätze in der Hansestadt. Wie die Privatbank M.M. Warburg das erfolgreiche Gebot einfädelte.

HAMBURG. Die sperrige Lieferung traf gestern Morgen ein. Absender: Hapag-Lloyd-Chef Michael Behrendt, Ballindamm 25. Der Empfänger: Christian Olearius, federführender Gesellschafter der Privatbank M.M. Warburg, die nur wenige Meter entfernt in der Ferdinandstraße 75 sitzt. Der Inhalt: Ein riesiges zeitgenössisches Öl-Gemälde von Albert Ballin, dem legendären Reeder und Hapag-Lloyd-Mitbegründer.

Mit dem wertvollen Geschenk, zuvor als Leihgabe im Museum, bedankte sich ein überglücklicher Behrendt bei seinem Partner für den Erhalt der Eigenständigkeit der bisherigen Tui-Tochter - und seinen Verbleib an der Spitze der fünftgrößten Reederei der Welt.

Behrendt garantiert nun den Erhalt der Jobs. Bei einem Sektempfang stießen am Tag nach dem Sieg 700 der rund 2 000 in Hamburg beheimateten Mitarbeiter von Hapag-Lloyd auf den aus ihrer Sicht glücklichen Verlauf des Bietergefechtes mit dem Konkurrenten Neptune Orient Lines (NOL) aus Singapur an.

Was die Hansestadt jetzt feiert, nahm im Februar seinen Anfang, als sich abzeichnete, dass Tui-Chef Michael Frenzel auf Druck seiner Großaktionäre die Tochter zum Verkauf stellen musste. Behrendt wandte sich am 20. Februar vertrauensvoll an den Bankier Olearius. Beide kennen sich seit langem. Behrendts Bitte: ein lokales Konsortium zusammenzustellen, das einen Verkauf des Traditionsunternehmens an Konkurrenten wie NOL verhindern sollte.

Nur eine Straßenseite trennt die beiden prachtvollen Firmenzentralen von Hapag-Lloyd an der Binnenalster und der im Jahr 1798 gegründeten Privatbank im Herzen der Hansestadt. Olearius musste nicht überzeugt werden, war allerdings skeptisch, was die Erfolgsaussichten anging. Als erstes holte der in der Hansestadt fein verdrahtete 66-Jährige einen anderen Bekannten ins Boot: Wolfgang Peiner, ehemals Chef des Kölner Versicherers Gothaer und ehemals Hamburger Finanzsenator.

Im März teilte das Tandem Tui-Chef Frenzel und dessen Finanzchef Rainer Feuerhake sein Interesse mit: "Wir bilden ein Hamburger Konsortium." Zu diesem Zeitpunkt stand die Finanzierung längst nicht.

Dann stößt Klaus-Michael Kühne zu der Runde. Der Ex-Politiker Peiner steht seiner Stiftung als Geschäftsführer vor. Kühne hält die Mehrheit am Logistikriesen Kühne+Nagel. Der Konzern ist einer der großen Geschäftspartner von Hapag Lloyd. Der 71-Jährige Firmenpatriarch lebt zwar in der Schweiz, ist aber gebürtiger Hamburger mit tiefer Bindung zu seiner Heimatstadt. Kühne steuert in der Folge über die Kühne für rund ein Viertel an Hapag-Lloyd gut 500 Millionen Euro aus seiner Privatsschatulle bei - ohne diesen Beitrag wäre das Geschäft gescheitert.

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