Erfolgsgeschichte
Griechische Aegean Airlines wächst trotz Luftfahrtkrise

Weltweit sinken die Passagierzahlen, Aegean Airlines wächst. Die private Fluggesellschaft steigerte ihr Passagieraufkommen um 14 Prozent und überflügelt nun sogar die staatliche Olympic Airlines. Die Airline hat es geschafft, ihre Flotte zu modernisieren und das Streckennetz auszubauen.

ATHEN. Die griechische Fluggesellschaft Aegean Airlines setzt auch in der Weltwirtschaftskrise auf Expansion. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen erstmals mehr Passagiere befördert als die staatliche Olympic Airlines. Während der Weltverband IATA für 2009 mit einem branchenweiten Rückgang des Fluggastaufkommens von drei Prozent rechnet, erwartet Aegean weiteren Zuwachs. Die Fluggesellschaft profitiert nicht zuletzt von ihrer engen Kooperation mit der Lufthansa.

Während andere Fluggesellschaften wegen der Krise Maschinen einmotten und den Flugplan ausdünnen, baut Aegean Flotte und Streckennetz aus. Nachdem die Airline im Winter neue Flüge von Athen nach Paris, London und Düsseldorf auflegte, kommen im Sommerflugplan Berlin, Brüssel, Barcelona, Wien und Venedig hinzu. „Wir expandieren selbstbewusst, aber mit Augenmaß und ohne übergroße Euphorie“, sagt Aegean-Chef Dimitris Gerogiannis im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Yale-Absolvent arbeitete unter anderem als Ingenieur bei Daimler-Benz in Stuttgart, bevor er 1999 zu Aegean kam und dort half, den kommerziellen Flugbetrieb aufzubauen. Bis dahin vermietete die Gesellschaft Businessjets. 2007 ging Aegean an die Börse. 77 Prozent der Aktien werden von fünf griechischen Großaktionären gehalten, 23 Prozent sind im Streubesitz.

Im vergangenen Jahr steigerte Aegean das Passagieraufkommen um 14 Prozent auf knapp sechs Mio. Fluggäste. In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz um 26 Prozent auf 468 Mio. Euro und der Gewinn (Ebitda) um 13 Prozent auf 51,5 Mio. Euro. Mit Prognosen für 2009 ist CEO Gerogiannis vorsichtig: „Das Airline-Geschäfts ist zurzeit ungeheuer volatil, selbst ein kleiner Fehler kann große Folgen haben – es gibt keine verlässlichen Rahmenbedingungen“, sagt der 48-Jährige. Das erfordere viel Flexibilität. Wachsenden Druck erwartet Gerogiannis wegen der globalen Krise bei den Erträgen. Der Aegean-Chef ist aber zuversichtlich: „Wir machen seit sechs Jahren Gewinne, und ich glaube, wir werden das trotz aller Schwierigkeiten auch 2009 schaffen.“

Gut aufgestellt sieht er Aegean vor allem wegen der laufenden Flottenumstellung. Seit 2007 ersetzt die Airline ihre Boeing 737 schrittweise durch Airbus A320 und A321. Bis 2010 sollen alle Boeings ausgemustert sein, die Airbus-Flotte 27 Maschinen umfassen. Dann wird Aegean einer der jüngsten Flotten in Europa betreiben – Durchschnittsalter: zwei Jahre. Auch die 2005 aufgenommene Kooperation mit der Lufthansa dürfte Aegean helfen, die Krise zu meistern. Deutschland ist wichtigster Auslandsmarkt für Aegean. Die Ziele München, Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf und Berlin werden als Gemeinschaftsflüge mit Lufthansa bedient. Auch einen späteren Beitritt zur Star Alliance schließt Gerogiannis nicht aus.

2010 will die Fluggesellschaft ihr Streckennetz weiter ausbauen. „Wir prüfen Destinationen wie Amsterdam, Madrid, Genf, Budapest, Prag, Kopenhagen und Zürich“, sagt Gerogiannis. Langstreckenflüge sind nicht geplant: „Wir bleiben bei unserem erfolgreichen Geschäftsmodell einer Regional-Airline – unsere ‚Langstreckenflüge' sind maximal vier Stunden. Wunschziele wie die russische Hauptstadt, Istanbul oder Tel Aviv bleiben Aegean allerdings bisher verwehrt: das griechische Verkehrsministerium verweigert die Verkehrsrechte, um die staatliche Olympic Airlines auf diesen Routen vor privater Konkurrenz zu schützen. Die seit Jahren mit Staatsbeihilfen hochgepäppelte Fluggesellschaft, die pro Tag rund eine Million Euro Verlust einfliegt, soll in diesen Wochen mal wieder privatisiert werden – der fünfte Anlauf. Sofern die Regierung einen Käufer für Olympic findet, freut sich Aegean-CEO Gerogiannis auf einen fairen Wettbewerb: „Dann ist mit den staatlichen Subventionen hoffentlich Schluss und wir konkurrieren auf Augenhöhe.“

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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