Erfolgsgeschichte Star Alliance
Griff nach den Sternen

Im Mai 1997 schließen sich fünf Fluggesellschaften zur Star Alliance zusammen – ein loser, aber durchaus effektiver Verbund. Wie genial das konzept ist, belegen zum zehnten Geburtstag der Star Alliance all die Nachahmer aus anderen Branchen, in denen die Konsolidierung auch auf Grund staatlicher Interessen stockt.

FRANKFURT. Eine Ranch am Fuße der Rocky Mountains irgendwo in Wyoming, mit ihren fast 50 000 Hektar groß genug für ausgedehnte Tagesmärsche durch Weideland, durch Cowboyland. Wyoming, das ist einer der am dünnsten besiedelten US-Staaten, das ist das Herz des Wilden Westens. Ein idealer Ort für das jährliche konspirative Treffen der führenden Männer der Luftfahrt, der „Conquistadores del Cielo“ (Eroberer der Lüfte), die hier seit 1937 zusammenkommen. Männer wie der Gründer der legendären US-Fluglinie PanAm, Juan Trippe, und der Chairman des Flugzeugbauers McDonnell Douglas, Sanford McDonnell.

Mitte der 90er-Jahre ist auch Jürgen Weber dabei, der Chef der Lufthansa. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Geheimbunds geht er in Wyoming angeln und wandern, reiten und Golf spielen.

Der studierte Luftfahrttechniker zählt zwar erst seit kurzem zu dem konspirativen Kreis, doch er wird mit einer ungewöhnlichen Idee der gesamten Branche ganz neue Perspektiven geben: Die Fluggesellschaften sollten sich zu einer globalen Allianz zusammenschließen, schlägt er seinen Kollegen 1995 am Ufer des North Platte River vor. Ein solcher Verbund sei eine gute Möglichkeit zu expandieren, ohne über Grenzen hinweg zu fusionieren. Das lassen die rigiden Regeln der Weltluftfahrt und die nationalstaatlichen Interessen schließlich nicht zu. Es fehlt zudem an Kapital. Eine Allianz, und für diese Idee wirbt der deutsche Manager, wäre eine Linderung, wenn auch noch keine Lösung des Problems.

Zwei Jahre später ist das Saatkorn, das Weber in Wyoming säte, aufgegangen. Gerald Greenwald von United, Thamnoon Wanglee von Thai Airways, Jan Sternberg von der skandinavischen SAS, Lamar Durett von Air Canada, Fernando Pinto von der brasilianischen Varig und Weber verbünden sich – zum eigenen Wohl und dem ihrer Kunden. Sie werden künftig ihre Flugpläne abstimmen und Bonusprogramme verknüpfen sowie gemeinsam Treibstoff kaufen und Versicherungen abschließen, sie werden einfach überall dort kooperieren, wo Synergien zu holen sind und der bürokratische Aufwand gering ist. Ihr oberstes Prinzip, und das wird im anderthalbseitigen Gründungspapier festgehalten: Geben und nehmen.

„Für uns“, sagt Jürgen Weber ein Jahrzehnt später, „war es der Griff nach den Sternen – und deshalb nannten wir unser Bündnis auch Star Alliance.“ Ein Formationsflug am 14. Mai 1997 über Frankfurt ist der offizielle Gründungsakt.

Die fünf Luftfahrtmanager schreiben Wirtschaftsgeschichte. Sie entwickeln ein Erfolgsmodell, das auch alle anderen auf den Plan ruft. Auf die Star Alliance folgt im Jahr 1999 das Bündnis Oneworld um British Airways und im Jahr 2000 Sky Teams um Air France. Heute gehen zwei von drei geflogenen Kilometern auf Passagiere zurück, die mit einer Fluggesellschaft unterwegs sind, die Teil eines solchen Verbunds ist.

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