Ermittlungen dauern an
Der Hühner-Baron und die Salmonellen

Die juristischen Vorwürfe gegen Bayern-Ei-Chef Stefan Pohlmann wiegen schwer. Der Unternehmer muss wohl noch länger in Untersuchungshaft bleiben. Die Ermittlungen könnten sich bis 2016 ziehen, so die Staatsanwaltschaft.
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HamburgEs ist ein Signal: Die Staatsanwaltschaft will im Skandal um salmonellenbelastete Eier durchgreifen. Seit dieser Woche sitzt der Chef des Unternehmens Bayern-Ei, Stefan Pohlmann, in Untersuchungshaft. 78 Menschen waren im vergangenen Jahr in Österreich erkrankt, ein 94-jähriger Senior sogar gestorben.

Die Staatsanwaltschaft erhebt schwere Vorwürfe gegen den 44-Jährigen Pohlmann: „Dabei soll der Beschuldigte die zum Teil schweren Gesundheitsschäden der Verbraucher billigend in Kauf genommen und die Todesfolge fahrlässig verursacht haben. Zudem ist er dringend verdächtig seine gewerblichen Großabnehmer bei 256 Verkäufen über die Mangelfreiheit der von ihm gelieferten Eier getäuscht und dadurch einen Schaden von über drei Millionen Euro verursacht zu haben.“ Der juristische Vorwurf lautet: vorsätzliches Inverkehrbringen von gesundheitsschädlichen Lebensmitteln in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und mit Körperverletzung mit Todesfolge sowie gewerbsmäßiger Betrug.

Die Ermittlungen würden sich voraussichtlich bis ins kommende Jahr hinziehen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft dem Handelsblatt am Freitag. Solange könnte Pohlmann in Untersuchungshaft bleiben.

Denn die Strafverfolger gehen von Fluchtgefahr aus. Er könne sich leicht ins Ausland absetzen. Dafür spricht: Pohlmanns Vater Anton hat eine Flucht bereits hinter sich. Zwischen den 1970er und 1990er-Jahren machte er Schlagzeilen als „Hühnerbaron“.

Die FAZ nennt ihn den „übelsten Hühnerhalter aller Zeiten“: Er soll verbotenes Gift, Nikotinsulfat, zur Stallreinigung eingesetzt haben. Das brachte beiden, Vater und Sohn, bereits in den 1990er-jahren einen Prozess ein, weil ein Mitarbeiter schwer erkrankte.

Der Senior entlastete damals seinen Sohn. 1997 erhielt der Senior ein gerichtliches Berufsverbot, eine Geld- und Bewährungsstrafe. Auch in den USA hatte er Ärger mit den Behörden.

Heute soll er, so mutmaßen bayerische Medien, möglicherweise noch von seinem unbekannten Aufenthaltsort aus die Fäden in der Hand halten.

Anders als bei den Dioxin-Eiern, die 2012 Schlagzeilen machten, soll Bayern-Ei im aktuellen Fall ungenießbare Eier wissentlich in den Verkehr gebracht haben. Daher reagiert die Staatsanwaltschaft Regensburg so drastisch. Zudem gelten schlimme hygienische Zustände in den Hühner-Ställen als Ursache für die Salmonellen-Fälle. Und: Laut Medienberichten darf Bayern-Ei noch immer die umstrittenen engen Legebatterien einsetzen, trotz EU-Verbots gibt es einen Bestandsschutz.

Bei den Dioxin-Eiern hingegen stammte die Belastung teils aus dem Bodenbelag, teils aus einer Styroporplatte im Stall. Entsprechend waren Freiland- und Biohöfe betroffen. Eine unmittelbare Gesundheitsgefahr bestand – anders als bei den Salmonellen – nicht.

Die Eier, die aktuell in den Ställen von Bayern-Ei gelegt werden, werden inzwischen in versiegelten Gebinden und verplombten Lastwagen in die Niederlande gebracht. Weil sie offiziell nicht zum Verzehr zugelassen sind, werden sie laut unterschiedlichen Angaben in dem Land zu Kosmetika oder Tierfutter verarbeitet.

In der bayerischen Landespolitik findet der Skandal Widerhall. Die Opposition wittert eine Chance. Der verbraucherpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Florian von Brunn stellte eine Anfrage, ob Mitglieder der Staatsregierung in den vergangenen Jahren das Unternehmen besucht, sich mit der Geschäftsführung getroffen oder persönlich kommuniziert haben. Er äußerte die Vermutung, die Fälle könnten schon Jahre zurückreichen.

Klar ist wohl nur eins: Es wird nicht der letzte Lebensmittelskandal sein – trotz der großen Aufmerksamkeit von Justiz und Politik. Immerhin führt diese dazu, dass das Thema Lebensmittelsicherheit inzwischen in der Branche hohe Priorität genießt – wenngleich offensichtlich nicht überall.

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  • Was soll denn das Geschrei ?
    Allein die Tatsache, dass man Stefan Pohlmann eine Gewerbeerlaubnis erteilt hat, ist schon merkwürdig.
    Bekannt durch seine vorherige Tätigkeit mit seinem Vater zusammen, die über einen langen Zeitraum zweifelhafte Berühmtheit durch Presse, Funk und Fernsehen erlangten, wussten die einschlägigen Stellen, was möglich sein könnte.
    Hier ist ein eindeutiges Versagen der Behörden, die eine engmaschige Kontrolle der Pohlmann Aktiviäten hätten vornehmen können und dies unterlassen haben.
    Muß natürlich auch hinterfragt werden, wie gut eine Vernetzung ist. Siehe der Fall seines Vaters Anton Pohlmann in Engter.

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