Foodwatch zerpflückt Werbung für Dickmacher

Ernährung
Foodwatch zerpflückt Werbung für Dickmacher

Große Nahrungsmittelfirmen haben sich seit Jahren verpflichtet, keine Werbung für gesundheitlich zweifelhafte Produkte an Kinder zu richten. Die Verbraucherschutzorganisation sieht ein Scheitern des Ansatzes.
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BerlinIm Kampf gegen Übergewicht fordert die Verbraucherschutz-Organisation Foodwatch gesetzliche Regeln zur Einschränkung der Werbung für Kinder-Lebensmittel. Die europaweite freiwillige Selbstbeschränkung, unterschrieben von 19 der größten Hersteller, lasse den Unternehmen zu viele Schlupflöcher - die Selbstverpflichtung entpuppe sich als „reine Werbemasche“, kritisierte Foodwatch am Freitag in Berlin.

Seit 2007 haben sich 19 große Lebensmittelkonzerne wie Nestlé, Kellog's oder McDonald's im sogenannten EU Pledge verpflichtet, keine Werbung für unausgewogene Produkte an Kinder unter zwölf Jahren zu richten. Tatsächlich aber laufe die Vermarktung von Frühstücksflocken, Eiscreme oder Kartoffelchips direkt an Kinder einfach weiter, erklärte Foodwatch.

Als Beispiel nannte die Organisation zwei Werbekampagnen, die derzeit auch beim Negativ-Wettbewerb „Goldener Windbeutel“ als „dreisteste Werbemasche“ des Jahres für Kinder-Lebensmittel nominiert sind: die für den Snack „Pom-Bär“ von Intersnack und für „Kosmostars“ von Nestlé.

„Pom-Bär“-Chips enthielten doppelt so viel Fett und mehr als fünf Mal so viel Salz wie Pommes frites von McDonald's, würden aber dennoch weiter an Kinder beworben. Die Rechtfertigung laute nicht, dass das Produkt ausgewogen sei, sondern dass es vor einer Rezepturänderung noch unausgewogener gewesen sei. Nestlé werbe weiter für seine Frühstücksflocken „Kosmostars“, obwohl diese 25 Prozent Zucker enthielten. Das Produkt erfüllt laut Foodwatch die von Nestlé selbst festgelegten Nährwertanforderungen der freiwilligen Selbstverpflichtung.

Nestlé erklärte dazu auf Anfrage, das Unternehmen sehe die Selbstverpflichtung als wichtige Grundlage für eine verantwortungsbewusste Werbung gegenüber Kindern. Seit Ende 2012 gebe es unternehmensübergreifende Nährwertkriterien für verschiedene Produktkategorien, die Vergleichbarkeit und Transparenz ermöglichten. Der Pom-Bär-Hersteller Intersnack erklärte auf Anfrage, der Gehalt an gesättigten Fettsäuren sei bereits um rund 80 Prozent reduziert worden. Bis Ende des Jahres werde auch der Salzgehalt bei allen Pom-Bär-Produkten um weitere 15 Prozent verringert.

Foodwatch monierte auch, dass sich die Selbstverpflichtung der Unternehmen nur auf TV-Werbung, Printmedien und firmeneigene Webseiten bezieht. Verpackungen - etwa in Form von Comicfiguren - und auch Marketingmaßnahmen im Supermarkt wie Gewinnspiele sind ausgenommen. Auch das Sponsoring - etwa von Fußballturnieren oder Schulwettbewerben - falle nicht darunter.

Als Werbung gegenüber Unter-Zwölf-Jährigen gilt laut EU Pledge, wenn mindestens 35 Prozent der Fernsehzuschauer unter zwölf Jahre alt sind. Viele Sendungen, die Kinder gerne sehen, sind laut Foodwatch damit nicht betroffen. Schauten Vater, Mutter und Kind zu, stelle das Kind rein rechnerisch nur 33 Prozent des Publikums. Auch Werbung mit Sportstars, die sich nicht an Kinder richtet, erreiche Kinder „problemlos“.

„Der EU Pledge ist scheinheilig“, erklärte Foodwatch-Experte Oliver Huizinga. Nach wie vor vermarkte die Industrie fast ausschließlich Junkfood an Kinder. „Es muss Schluss damit sein, dass die Hersteller Verantwortung nur vortäuschen und mit wirkungslosen freiwilligen Maßnahmen Regulierung abwehren.“ Die Politik müsse die Eltern dabei unterstützen, Kinder gesund zu ernähren.

Kommentare zu "Foodwatch zerpflückt Werbung für Dickmacher"

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  • "Gesellschaft bewegt sich eindeutig zu wenig. Kohlenhydrate sind, wie Fette auch, wichtige Energielieferanten.
    Wenn nichts, durch Faulheit oder Bequemlichkeit, nichts verbrannt wird, dann lagert sich der ganze Kram im Körper ein."

    JEIN. Das Problem ist NICHT hauptsächlich die Bewegung. Das will uns die Industrie einreden. So nach dem Motto, unsere Nahrungsmittel sind doch nicht schlecht, wenn sich alle bewegen würden, wäre niemand dick.
    Dick und krank wird man hauptsächlich durch das falsche Essen. Adern verschmutzen auch, wenn man Sport treibt. Krebs bekommt man auch wenn man sich bewegt. Wer sich gesund ernährt und sich kaum bewegt, wird trotzdem nicht zwangsläufig dick. In erster Linie müssen sich die Menschen anders ernähren und erst in zweiter Linie bewegen. Klar ist bewegen gut, aber wichtiger ist das richtige Essen. Den Kindern morgens Nutella aufs Weissbrot mit Nesquik in Vollmilch, zur Schule Milchschnitte und Salami-Weissbrot und abends eine Fertigpizza servieren und zwischendurch Cola, Fanta, Fruchtnektare und Haribo und Kinderschokolade satt und dann den Kindern ein schlechtes Gewissen einreden, sie wären dick, weil sie sich nicht bewegen........ das lenkt vom Problem nur ab.


  • Zitat: "ALLE Kinder UND Erwachsene essen zuviel, und vor allem Kohlehydrate, die sofort in Fettzellen eingebaut werden."

    Das alleine ist nicht das Problem der heutige Gesellschaft. Diese Gesellschaft bewegt sich eindeutig zu wenig. Kohlenhydrate sind, wie Fette auch, wichtige Energielieferanten.
    Wenn nichts, durch Faulheit oder Bequemlichkeit, nichts verbrannt wird, dann lagert sich der ganze Kram im Körper ein.
    Eine ausgewogene Ernährung und ausreichende Bewegung kann durchaus viele, heutige Krankheiten vorbeugen.

  • "Richtig wäre, weniger Protein, die richtige Fette und die richtigen Kohlenhydrate wie frisches Obst und viel (rohes) Gemüse. Das hält gesund!"

    Jep.
    Der ganzheitliche Blick verschwindet immer mehr, Rationalisierung nicht nur in der Produktion, auch in der Werbewirtschaft und in der Medizin und des Körpers mitsamt seinen Zusammenhängen und Wechselwirkungen.

    Wer sich wirklich gesund und natürlich ernährt, anzieht und lebt, steht als Umsatzbringer für manche Industrie nicht mehr zur Verfügung. Das gilt es zu verhindern.
    Ob z. B. Foodwatch hier eine tragende aufklärende Rolle spielen kann?
    Keine Ahnung.

  • Hi Netshadow...Meine eigenen Kinder wissen recht genau was ihnen schmeckt und was nicht. Die Lebensmittelkonzerne befinden sich in einer Wettbewerbssituation und kommen nicht umhin zu produzieren was der Konsument kauft. Im Zweifelsfall listet der Handel Produkte aus die sich nicht verkaufen. Letztlich kommt der Mensch offensichtlich auch mit einer nicht ganz idealen Ernährung ganz gut zurecht.

    Die Geschäftsbeziehung von Konzernen zu Oekokonzernen habe ich als Mitarbeiter bei 2 Konzernen am Rande mitbekommen. Meine Quellen sind damit nicht hilfreich. Die Oekokonzerne reagieren mit allen verfügbaren, häufig juristischen Mitteln gegen Kritiker. Ich habe nicht die masoschistische Neigung mich mit Oekokonzernen anzulegen die Umsätze in 3-stelliger Millionenhöhe haben und ihre Existenz verteidigen.

    Somit kommentiere ich ein wenig und beziehe mich ausschliesslich auf bekannte Veröffentlichungen. Wenn man zwischen den Zeilen des Wiwo Artikels liest, ist dieser nicht schlecht.

    Vandale

  • Die Statistiken zur Lebenserwartung beruhen auf Zahlen der Vergangenheit. Die heutigen 70 und 80 jährigen Menschen wurden zwischen 1933 und 1943 geboren und sind aufgewachsen in einer Zeit ohne Nutella und Frühstücksflocken. Meine Generation (Jahrgang 58) wurde durch massive Werbung auf Süßigkeiten bereits in die falsche Richtung gedrängt und die heutigen Zahlen über Diabetes, Fettsucht und vieles mehr zeigt den "Erfolg" dieser Beeinflussung. Das Ziel der Nahrungsmittelkonzerne ist einfach: Mache deine Kunden süchtig dann kannst du ihnen jeden Schrott verkaufen. Je früher du damit anfängst um so mehr Umsatz machst du mit deinen Kunden. Oorganisationen wie Foodwatch sind notwendig, wenn auch viel zu klein, um wirklich viel zu bewegen. 95% der im Supermarkt erhältlichen "Lebensmittel" sind Krankmacher. 30-40% aller Krebsfälle sind auf die Nahrung zurückzuführen, Diabetes, Gicht und Rheuma sowieso und Rauchen und Alkohol ausgenommen ist falsche Ernährung Hauptursache der Herz-Kreislauferkrankungen, an denen die meisten Menschen sterben. Schuld an falscher Ernährung ist die Falschinformation die Verbraucher täuscht. Ernährungswissenschaftler, Ärzte und Verbände helfen dabei, indem sie schwammige Empfehlungen wie "ausgewogene Ernährung" propagieren, was vom Verbraucher als "man sollte von allem etwas essen" interpretiert wird.

    Solange aber die sogenannten Fachleute weiterhin Unsinn erzählen, solange wird der Verbraucher nicht in der Lage sein, richtige Entscheidungen bei der Wahl der Nahrung zu treffen.
    Das fängt bei Zucker an und hört bei Protein auf. Modern ist aktuell ja die Tendenz weniger Kohlenhydrate und mehr Protein zu empfehlen. Fatal ist, dass wir jetzt schon zu viel Protein zu uns nehmen und nicht aufgenommene Aminosäuren im Darm zu giftigen Aminen abgebaut werden, die krank machen. Richtig wäre, weniger Protein, die richtige Fette und die richtigen Kohlenhydrate wie frisches Obst und viel (rohes) Gemüse. Das hält gesund!

  • @vandale...meines sie das ernst, was sie hier schreiben?

  • Die gemeinsamen Stichworte sind doch "Konzerne" und "Lebensmittelindustrie"!
    Wirtschaftsunternehmen über einer gewissen Größe gehören aufgelöst, internationales Agieren derselben unterbunden, damit diese Institutionen nicht zu viel an Macht anhäufen können.
    Lebensmittel und Agrarwirtschaft gehören nicht industriualisiert! Momentan werden doch unsere Felder mit Pestiziden und Herbiziden vergiftet, die Natur mit unabsehbaren Folgen genetisch manipuliert, um diese Gifte noch besser ausbringen zu können. Dabei ist das Ganze überflüssig, wenn man die Finger vom Gigantismus läßt und zu Feldgrößen wie im 19Jh. oder auch nur bis 1950 zurückkehrt, mit Heckenrainen, die Wildtieren, die natürliche Feinde möglicher Schädlinge sind, Lebensraum lassen.
    Schädlinge und Unkräuter können sich nur dann verheerend ausbreiten, wenn es sich um riesige Monokulturen handelt!
    Weniger Qualifizierte können besser als Landarbeiter eingesetzt werden, als sie staatlich zu alimentieren!

    Eine wichtige Aufgabe der Hausfrau ist die Volksgesundheit, da sie die Lebensmittel zu Speisen verarbeitet, ihre Kinder auf- und erzieht, dem erwerbstätigen Teil der Familie den Rücken freihält und wo nötig auch Alte und Kranke der Familie versorgt.
    In einer Gesellschaft, die unbedingt die Hausfrau - und am besten noch die Familie überhaupt - abschaffen möchte, sowie Haushaltsarbeit als minderwertig deklassiert, darf man sich nicht wundern! Doppelt belastete Muttis haben eben keine Zeit mehr selber zu kochen, ihr Wissen an ihre Kinder weiterzugeben, sich zu kümmern!
    Nur so kommt es zu vor dem TV geparkten dicken Kindern, aggresiven Jugendlichen, notwendigen Pflege- und Betreuungseinrichtungen, die ganz bestimmt nicht besser sind, da auch unter Zeitdruck und überlastet, gehäuften Ehescheidungen, etcpp.

    Das Problem liegt doch nicht in der Werbung, sondern in den Lebenumständen, daß Fertigprodukte überhaupt hergestellt werden "müssen" / konsumiert werden!

    Kein Volk kann auf Hausfrau und Bauern verzichten!

  • " In der Wirklichkeit essen die meisten Kinder sehr gerne süss. Die meisten Eltern unterbinden dies nicht. So ist meine Generation und die folgende Generation mit einer sehr zuckerreichen Ernährung aufgewachsen. "

    ALLE Kinder UND Erwachsene essen zuviel, und vor allem Kohlehydrate, die sofort in Fettzellen eingebaut werden.

    Die zuckerreiche einseitige Ernährung bringt dem Gesundheitswesen Kosten, die man einfach durch eine wirklich gesunde ausgeglichene Ernährung und Bewegung vermeiden kann, und den Zahnärzten gute Umsätze nehmen würde.
    Aber das ist ja nun nichts Neues.
    Und das die Lebensmittelkonzerne auf Geschmacksnerven zielen auch nicht.
    Was ich ganz interessant fände, ist Ihre angedeutete Kumpanei wegen Spenden aufzubröseln.
    Wäre nicht der erste Fall einer Symbiose zu ungunsten der Verbraucher.

  • Netshadow...dass ist ein recht sensationsheischender Artikel. In der Wirklichkeit essen die meisten Kinder sehr gerne süss. Die meisten Eltern unterbinden dies nicht. So ist meine Generation und die folgende Generation mit einer sehr zuckerreichen Ernährung aufgewachsen.

    Der Gesundheitszustand meiner Generation ist nicht schlecht. Die durchschnittliche Lebenserwartung wird begleitet vom Jammer der Pensionskassen regelmässig erhöht.

    Vandale

  • "Anstelle von Foodwatch hätte man Fachleute aus dem Verbraucherschutzministerium fragen können. "

    Hehe, echt jetzt?

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