Ernährungsbranche 4.0
Guten Appetit! Die Revolution des Essens

Noch ist die vierte industrielle Revolution für die Lebensmittelindustrie eine Vision. Doch das könnte sich jetzt ändern. Neue Kundenwünsche, höhere Qualitätsstandards und Umsatzrückgänge zwingen zum Umdenken.

KölnDie Fleischfabrik der Zukunft ist eine sterile High-Tech-Halle. Nur wenige Menschen sitzen an Monitoren und überwachen das Computersystem. Es ist die IT selbst, die die Produktionskette steuert: vom geschlachteten Schwein zum Filet, zum Grillspieß, zum Schnitzel. Ein interner Barcode liefert die standardisierten Betriebsdaten. Weil es der Gesetzgeber so will, können Kontrolleure jedes Detail der Verarbeitung zurückverfolgen.

Das System weiß, welches Fleisch in welche Kiste kommt und mit welchem Haltbarkeitsdatum es versehen wird. Der Computer nimmt Aufträge von Großkunden an, steuert den Transport in die Verteilzentren. Gleichzeitig gibt Kunde X mit dem Smartphone im virtuellen Supermarkt seine Bestellung auf: vier Steaks. Eine Stunde später brutzeln die Fleischstücke in seiner Pfanne.

Ist die Industrie 4.0 in der Ernährungsbranche Science-Fiction oder schon bald Wirklichkeit? Die Manager der Ernährungsindustrie jedenfalls planen schon jetzt die Zukunft und setzen dabei auf die vernetzte Produktion, wie auf der Innovation Food Conference (iFood) des Deutschen Instituts für Lebensmitteltechnik (DIL) auf der Kölner Ernährungsmesse Anuga deutlich wurde. Doch zugleich brachte die Konferenz eine ernüchternde Erkenntnis: Bisher ist zu wenig geschehen. „Es gibt nach wie vor Steigerungspotenzial“, sagte DIL-Direktor Volker Heinz.

Der Begriff „Industrie 4.0“ bezeichnet die Vernetzung von Arbeitskräften, Maschinen und Anlagen. Er kommt aus der Maschinenbauindustrie, weckt jedoch auch in der Ernährungsbranche große Hoffnungen: Von effektiveren Produktionsprozessen bis hin zu neuen Marketing- und Vertriebsmodellen könnte die Revolution 4.0 den gesamten Wirtschaftszweig umkrempeln.

Doch wie viel Revolution braucht der Sektor überhaupt? Wie viel Innovation darf man dem Kunden wirklich zumuten? „Wenn eine Branche vor dem demografischen Hintergrund wachsen will, dann wird sie das nicht tun, indem sie weiter Kostenführerschaft übernimmt“, sagt Heinz. „Neue Produktkonzepte sind nötig.“

Die Frage, wie aus der Vision in den kommenden Jahren Realität werden könnte, war ein Kernthema der iFood. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies mahnte Innovationen an. „Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Kooperation und im Austausch zwischen allen Akteuren im Produktionsprozess.“

Vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen fällt die Vernetzung der eigenen Firmen mit den Konsumenten schwer. Oftmals scheitert es am Geld: Nach einer repräsentativen Umfrage der Bitkom vom März dieses Jahres sehen rund zwei Drittel aller Unternehmen den Investitionsbedarf als Hindernis für Industrie 4.0.

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