Erste große Übernahmewelle abgeschlossen
Sana setzt auf Regionalisierung

Bei der Privatisierung von Krankenhäusern werden die potenziellen Käufer zunehmend wählerisch. Marktführer Sana Kliniken GmbH etwa setzt regionale Schwerpunkte, statt nach schierer Größe zu streben. Neben Synergieeffekten im Einkauf und bei der Personalentwicklung erhofft sich Sana-Geschäftsführer Reinhard Schwarz davon auch Vorteile im Wettbewerb um den Patienten.

MÜNCHEN. Damit steht er nicht allein in der Branche, die zunehmend regionale Netzwerke bildet, um in den Verhandlungen mit den Krankenversicherern Ressourcen bündeln und unliebsame Wettbewerber von ihrem Territorium fern halten zu können. Diese neue Regionalisierungstendenz deutet darauf hin, dass die erste große Übernahmewelle mit ihren Bieterschlachten um einzelne Krankenhäuser abgeschlossen ist.

Mitte der siebziger Jahre von 18 privaten Krankenversicherungen gegründet, betreibt die Sana-Gruppe derzeit bundesweit 61 Krankenhäuser. Ihre regionalen Schwerpunkte sind im Großraum der Städte München, Stuttgart, Köln/Düsseldorf, Dresden und Hamburg. In Hamburg bemüht sie sich auch um den Zuschlag für die Privatisierung der Landesbetriebe Krankenhaus (LBK), die sie allerdings nur in Teilen übernehmen und nach ihren Vorstellungen in ein regionales Netz einbinden möchte.

Auch die im SDax notierte Mediclin AG versucht sich in der Clusterbildung in bestimmten Regionen, etwa der mecklenburgischen Seenplatte, wo sie nacheinander mehrere Häuser erworben hat. Die Fuldaer Helios Kliniken GmbH, die sich eigentlich vornehmlich für die Übernahme von Krankenhauskolossen mit 1 000 oder mehr Betten interessiert, denkt bei ihrer Akquisitionsstrategie ebenfalls regional. Sofern sie eine Ergänzung der bereits bestehenden Standorte darstellten, kämen für das Helios-Management auch kleinereÜbernahmeobjekte in Frage, heißt es.

Auch außerhalb des privaten Sektors, dem mit steigender Tendenz etwa jede fünfte Klinik in Deutschland zugerechnet werden kann, lässt sich eine ähnliche Tendenz beobachten. Quer durch die Republik versuchen große Häuser in öffentlicher Trägerschaft, Kooperationen mit den kleinen Krankenhäusern der Gegend zu schließen. In Frankfurt am Main etwa schmiedete das Universitätsklinikum vor gut einem Jahr mit drei kleineren Häusern in kommunaler und freigemeinütziger Trägerschaft die Frankfurter Klinikallianz.

Im Gegensatz zu der im MDax notierten Rhön-Klinikum AG, die grundsätzlich nur an der mehrheitlichen Übernahme von Krankenhäusern interessiert ist, schließt Sana auch Managementverträge auf Zeit ab. Gegen eine fixe Gebühr und eine prozentuale Erfolgsbeteiligung an der Ergebnisverbesserung übernehmen die Krankenhaus-Manager der Sana-Gruppe dabei für fünf bis acht Jahre die Verantwortung für Krankenhäuser anderer Träger.

In Zeiten, in denen die Branche händeringend nach kompetenten Klinik-Managern sucht, ist dieses Angebot von Sana offenbar gefragt. Neben 21 eigenen Kliniken führt die Gruppe derzeit 40 Häuser im Managementauftrag.

Viele der Häuser, die ihm angetragen werden, haben Schwarz zufolge einen erheblichen Beratungsbedarf, der mit dem verschärften Wettbewerb durch die bevorstehende Neugestaltung der Abrechnungsweise mit den Krankenversicherern zusammenhänge, heißt es bei Sana. Kommunen, die sich trotzdem gegen den Verkauf ihrer Häuser sträubten, könnten auf diese Weise eine „sanfte Privatisierung“ ausprobieren, sagt Sana-Chef Schwarz.

Angesichts der beträchtlichen gesellschaftlichen Vorbehalte, die den Privatisierungsprozess im Krankenhausbereich begleitet, hatte Sana in der Vergangenheit stets betont, dass jeder ihrer Managementvertrag auch verlängert worden sei.

Im Zuge seiner neuen Strategie hat das Unternehmen sich inzwischen aus einigen Engagements selbst verabschiedet. Das evangelische Tabea-Krankenhaus mit angeschlossenem Pflegeheim in Hamburg etwa, an dem Sana seit 1977 als Hauptgesellschafterin beteiligt war, wurde inzwischen an die Diakonie zurückgegeben, weil es nicht mehr in die Sana-Strategie passte.

Als mangelndes Verantwortungsbewusstsein will Schwarz die Rückzugsoption jedoch nicht missverstanden wissen: „Wir stehlen uns nicht aus dem medizinischen Versorgungsauftrag davon, sondern geben ihn an einen anderen Träger weiter.“

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