Erste Verfahren eingeleitet
Arcandor-Pleite wird zum Puzzle

Die Abwicklung der nach Mitarbeiterzahl drittgrößten Pleite der Bundesrepublik wird komplizierter als gedacht. Wie sich in den vergangenen Tagen herauskristallisierte, wird über die Insolvenz des Arcandor-Konzerns keineswegs nur am Essener Amtsgericht entschieden sondern auch bei den Richtern in Nürnberg und Fürth. Die haben bereits Verfahren gegen drei Quelle-Unterfirmen eröffnet.

DÜSSELDORF. Entsprechend einem Gutachten des Ulmer Rechtsanwalts Michael Pluta haben die Essener bereits die Verfahren über zwei Arcandor-Töchter nach Nürnberg und Fürth verwiesen, weil dort der "Mittelpunkt der selbstständigen wirtschaftlichen Tätigkeit der Unternehmen" zu finden sei. Über weitere - darunter die Konzerntochter Foto-Quelle - steht die Entscheidung noch aus. Die ersten Verfahren in Essen werden voraussichtlich am 1. September eröffnet.

Hinzu kommt: Während die Richter in Essen die dort eingereichten Insolvenzanträge über 40 Arcandor-Töchter noch prüfen, haben die Kollegen in Fürth die Verfahren über drei weitere Quelle-Unterfirmen schon eröffnet. Nicht Arcandors vorläufigem Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg übertrug das Fürther Amtsgericht dafür die Verantwortung, sondern dem Nürnberger Rechtsanwalt Henning Schorisch, Partner der Insolvenzverwalterkanzlei HWW Wienberg Wilhelm.

Görgs Bemühung, Arcandors Versandsparte Primondo en bloc an einen Investor zu verkaufen, wird damit kaum einfacher. "Wir werden die drei Unternehmen unabhängig von Arcandor verwalten", sagte Schorisch dem Handelsblatt. Zudem werde man bei Arcandor als Gläubiger auftreten, weil die Finanzierung der Quelle-Töchter Anfang Juni abgebrochen worden sei.

Ein Sprecher von Görg erklärte dagegen, er erwarte durch die Aufteilung der Verfahren keine weiteren Schwierigkeiten. Schließlich handele es sich nur um Randaktivitäten des Konzerns.

Sobald die Insolvenzverfahren für die Kerngesellschaften Arcandor AG, Karstadt GmbH und Quelle GmbH starten, wird es jedoch ernst für Görg. Mit der Eröffnung laufe die Finanzierungshilfe durch das dreimonatige Insolvenzgeld aus, gibt Burkhard Jung, Vorstandsvorsitzender der Berliner Sanierungsberatung CMS, zu bedenken. "Der Insolvenzverwalter kann den Betrieb nur dann fortführen, wenn er auch unter Vollkosten rentabel läuft." Wesentliche Sanierungsmaßnahmen müssten daher bereits im Zeitpunkt der Verfahrenseröffnung umgesetzt sein.

Die Pleite von Arcandor ist nach Mitarbeiterzahlen die drittgrößte der Bundesrepublik - nach dem Elektrokonzern AEG und der Konsumgenossenschaft

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