Erster Auftritt
Für neuen Bahn-Chef steht der Kunde im Vordergrund

Der künftige Bahnchef Rüdiger Grube will den Konzern nicht umbauen und vor allem den Service in Deutschland verbessern. „Sie werden nicht erleben, dass ich den Konzern zerschlagen werde“, sagte Grube beim ersten öffentlichen Auftritt zur neuen Aufgabe. Und noch viel mehr.

HB BERLIN. Der Konzern müsse international sein, das Kerngeschäft bleibe aber Dienst am Kunden in Deutschland. Obwohl er hier in Kernpunkten mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA übereinstimme, wolle er eine von diesen in Aussicht gestellte Unterschrift unter ein Memorandum aber nicht leisten. Grube lobte Vorgänger Hartmut Mehdorn als „großes Vorbild“. Dringlich sei für ihn nun die Aufklärung der Datenaffäre, über die Mehdorn gestürzt war, sowie der Wiederaufbau von Vertrauen.

Die Privatisierung des Konzerns stehe für ihn angesichts der Wirtschaftskrise nicht auf der Tagesordnung, sagte Grube. An dem Projekt werde er aber grundsätzlich festgehalten: „Die Option der Teilprivatisierung müssen wir uns erhalten.“ Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee hatte erklärt, er wolle einen Börsengang auch in der kommenden Wahlperiode bis 2013 nicht. Der Minister betonte stattdessen erneut, die Bahn müsse vor allem beim Service in Deutschland stark sein. „Das ist unser Pfund mit dem wir Europa erobern werden“, sagte er.

Über den Aufbau des Konzerns war auch im Zuge der Börsepläne heftig gestritten worden. Union und FDP, aber auch Teile von SPD und Grünen, hatten eine stärkere Trennung des 34 000-Kilometer-Schienennetzes und der Bahnhöfe vom Personen- und Güterverkehr gefordert. Nur letztere sollten auf Drängen der Union schließlich privatisiert werden. Nach der Absage des Börsengangs wurde unter anderem infrage gestellt, warum ein Staatskonzern ein weltweites Logistik-Geschäft betreiben müsse.

Durch die Eigenständigkeit von Netz und Bahnhöfen in staatlicher Hand sollten DB-Konkurrenten vor Diskriminierung geschützt und mehr Verkehr auf die Schiene gebracht werden. Der scheidende Bahnchef Mehdorn hatte sich lange dagegen gewehrt und für den sogenannten integrierten Konzern gekämpft. Auch die Gewerkschaften stützten dies, weil eine Beschäftigungsgarantie auf dem Verschieben von Arbeitsplätzen zwischen den Konzernteilen beruht. Dennoch wollte Grube die von den Gewerkschaften schon in Aussicht gestellte Unterschrift unter ein entsprechendes Memorandum nicht leisten, obwohl er sich zum integrierten Konzern bekannte. „Für mich gilt das gesprochene Wort“, suchte er die Gewerkschaften zu beruhigen.

Eine neue Debatte über den Aufbau der Bahn wird allerdings nach der Bundestagswahl im Herbst erwartet. Grube appellierte daher schon an die Politik: „Lassen sie uns die Bahn aus dem Wahlkampf heraushalten!“

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