Erster Hoffnungsschimmer bei Sorgenkind Praktiker
Metro hebt Umsatzziel für 2003 an

Der günstigen Geschäftsverlauf im zweiten Quartal hat Metro-Chef Hans-Joachim Körber veranlasst, die Prognosen für 2003 nach oben zu setzen: Statt bisher 5 Prozent Umsatzwachstum erwartet Deutschlands größter Handelskonzern nun ein Erlösplus von „mindestens 5,5 Prozent vor Wechselkurseffekten“. Beim Ergebnis je Aktie, das um 6 bis 10 Prozent über Vorjahr liegen soll, ist Körber zuversichtlich, „den oberen Bereich des Erwartungskorridors“ erreichen zu können. Die Aktie legte gestern um etwa 10 Prozent zu.

DÜSSELDORF. Das sind beachtliche Wachstumsraten angesichts der Tatsache, dass der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) für den hiesigen Einzelhandel in diesem Jahr einen Umsatzrückgang von einem Prozent erwartet.

Die Belebung beim Metro-Konzern im zweiten Quartal ist in der Tat augenfällig: Der Konzernumsatz stieg währungsbereinigt um 7,6 % und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) um 16,4 % auf 211,5 Mill. Euro. Selbst im konjunkturschwachen Deutschland – Metro macht heute 46,3 % der Erlöse im Ausland – ist der Geschäftsverlauf günstig, sodass sich der Umsatz im Inland im ersten Halbjahr um 3,7 % auf 13,40 Mrd. Euro erhöhte. Summa summarum legte Körber eine ansprechende Halbjahresbilanz vor: ein Umsatzplus von 6,3 % auf 24,95 Mrd. Euro und ein Ergebnis vor Zinsen und Ertragssteuern (Ebit), das von 175,9 Mill. auf 233,7 Mill. Euro stieg.

„Es war klar, dass das 2. Quartal besser ausfallen würde als das erste“, kommentiert Handelsanalyst Joachim Bernsdorff die Zahlen, „weil das Ostergeschäft in diesem Jahr ins zweite Quartal gefallen ist“. Doch auch ohne diesen Effekt sieht Bernsdorff den Metro-Konzern gut aufgestellt. Die günstige Entwicklung sei vor allem auf die Cash & Carry-Sparte (SB-Großhandel) zurückzuführen, urteilt der Analyst. Cash & Carry legte von April bis Juni ein Wachstum von 8,3 % auf 6,25 Mrd. Euro hin. Der SB-Großhandel der Metro sei ein geniales Konzept, erklärt Bernsdorff, die Investitionen je Markt seien relativ gering und die Gewinnschwelle sei sehr schnell erreicht. Schon die fortlaufende Eröffnung neuer Märkte in Rußland, Mitteleuropa und Asien sichert dem Unternehmen stetige Zuwachsraten.

Bernsdorff traut dem Metro-Konzern in diesem Jahr sogar ein Umsatzwachstum von 6 % und ein Ergebnisplus je Aktie von 10 % zu. 2002 erreichte Deutschlands Nummer eins einen Konzernumsatz von 51,5 Mrd. Euro. Eine Bank ist für Metro auch die Elektronik-Tochter Media Markt/Saturn, die im ersten Halbjahr mit einem Umsatzzuwachs von 9,9 % auf 4,5 Mrd. Euro brillieren konnte. Das Ebit wuchs von 386 auf 401 Mill. Euro. „Media Markt ist einer der wenigen Einzelhändler, die einen echten Brandname (Markennamen) haben, nennt Bernsdorff eine wesentliche Ursache des Erfolgs. Media Markt/Saturn ist mit einem Marktanteil von über 20 % größter Anbieter auf dem hiesigen Elektronikmarkt.

Wichtig für Metro-Chef Körber ist aber eine andere Nachricht. Die Sorgenbrecher Praktiker Baumärkte scheint Fuß zu fassen. Profitierte sie im ersten Quartal noch von ihren Jubiläumsverkäufen, die für einen deutlichen Umsatzschub sorgten, verzeichnete sie laut Körber auch im zweiten Quartal noch ein Wachstum von 7,4 %. Vor allem aber: Unter dem Strich stand im ersten Halbjahr ein Ebit von plus 2,8 Mill. Euro – nach minus 8,2 Mill. Euro im Halbjahr 2002. „Es sieht so aus, als ob Praktiker die Kurve bekommen könnte“, so Körber vorsichtig.

Allein, der Markt hat noch kein nachhaltiges Zutrauen gefasst. Die Struktur von Praktiker, die aus vielen Unternehmen zusammengebaut ist, sei recht schwierig, urteilt ein Analyst, der auch im deutschen Filialnetz noch Bereinigungsbedarf bei zu kleinen Märkten sieht. Gleichwohl werden Praktiker im osteuropäischen Ausland gute Expansions-Chancen bescheinigt, zumal bei den neugebauten Filialen die Größe der Märkte stimme.

Die Warenhaus-Tochter Kaufhof profitierte laut Körber 2003 nur wenig vom Ostergeschäft, dafür aber von der Verlängerung der Öffnungszeiten bis 20 Uhr an Samstagen. Die Tochter weist ein Ebit von minus 38,4 Mill. Euro aus. Im Warenhausgeschäft werden auf Grund der hohen Fixkosten erst im letzten Quartal schwarze Zahlen erreicht. Für das zweite Halbjahr sieht Metro-Chef Körber erste Anzeichen einer Belebung – wenn nichts Unerwartetes passiert –, obwohl die Stimmung der Verbraucher derzeit besser ist als die Fakten.

Beim Thema Immobilienverkauf berichtete Körber nichts Neues. Nur so viel: Nach langem Hindernislauf sei man jetzt auf der Zielgeraden. Metro hatte im Januar 2000 sämtliche Einzelhandelsimmobilien in die Asset Immobilienbeteiligungen GmbH (AIB) übertragen. Daran hält Metro 49 % und die Düsseldorfer WestLB 51 % der Anteile. Metro verhandelt mit zwei Bieterkonsortien.

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