Erstes Quartal
Güterverkehr zieht Bahn nach unten

Der neue Bahnchef Rüdiger Grube muss sich gleich an seinen ersten Arbeitstagen mit deutlich verschlechterten Geschäftszahlen auseinandersetzen. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen sind die Erlöse bei der Deutschen Bahn im ersten Quartal deutlich stärker eingebrochen, als erwartet.

ek/HB DÜSSELDORF. Der Umsatz ist in den ersten drei Monaten demnach um mehr als zehn Prozent auf 7,2 Mrd. Euro geschrumpft. Vor allem die Güterverkehrssparte sei betroffen und rechne mittlerweile mit einem Rückgang des Umsatzes im Jahresverlauf von 25 Prozent. Das Unternehmen wollte sich dazu nicht äußern. Bisher hatte sich die Bahn auf einen Umsatzrückgang von etwa sieben Prozent eingestellt.

Trotz der aktuellen Probleme will Grube die Bahn weiter an die Börse bringen. Die Verschiebung des Börsengangs im vergangenen Herbst bedeute nicht, "dass wir den Weg dahin aufgeben", sagte Grube jetzt in der Mitarbeiterzeitung "DB Welt". Er ergänzte: "Wenn ich jetzt sagen würde, ich bin gegen die Kapitalmarktfähigkeit, würde ich dem Unternehmen schweren Schaden zuführen". Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee hatte das Thema zuletzt als für die nächsten Jahre erledigt bezeichnet.

Neben dem Erhalt der Kapitalmarktfähigkeit nannte Grube den Fortbestand des integrierten Konzerns mit Inftrastruktur und operativen Geschäftsbereichen als "Grundbedingung" für seinen Antritt bei der Bahn. "Ich wäre nicht zu Ihnen gekommen, wenn mir das nicht zugesichert worden wäre", sagte der ehemalige Daimler-Manager. In dem Gespräch mit der Mitarbeiterzeitung hatte sich Grube den Fragen von fünf Mitarbeitern aus unterschiedlichen Teilen des Konzerns gestellt.

Der Vorstandschef betonte, dass er auch in anderen Punkten nicht von der Strategie seines Vorgängers abweichen wolle. Dazu zählen die Fortführung des konzerninternen Arbeitsmarktes, der die Mitarbeiter zurzeit vor betriebsbedingten Kündigungen schützt, ebenso wie die Internationalisierung der Aktivitäten. Grube sagte: "Wir sind ein europäisches Unternehmen, das auch die Weltmärkte im Blick hat." Eine Absage erteilte er Bestrebungen, den Konzern auf das Kerngeschäft Bahn zurückzuführen. Das weltweite Fracht- und Logistikgeschäft sei auch künftig ein "wichtiger Faktor für unseren Erfolg".

Zur Datenaffäre erklärte der neue Bahnchef: "Ich werde bedingungslos aufklären - und wenn notwendig auch aufräumen." Grube verwies auf die zusätzliche Aufsichtsratssitzung am 13. Mai, während der die Ermittlungsergebnisse vorgelegt werden sollen. Bis zum Ende des Monates werde er sämtliche Entscheidungen in dieser Frage treffen. Das Unternehmen brauche "rasch die nötige Klarheit und Klärung".

Am heutigen Dienstag wird Grube die erste Vorstandssitzung leiten. Zu den zentralen Themen gehört, so verlautete aus Bahn-Kreisen, neben der Datenaffäre auch die neue Mittelfristplanung für die nächsten fünf Jahre. In dem Interview hatte Grube verdeutlicht, dass er sich auf längere Zeit Kurzarbeit einrichte.

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