Erstmals entfallen rechtliche Regelungen
Sommerschlussverkauf lockt nur wenige

Im Rabatthagel des deutschen Einzelhandels findet der Sommerschlussverkauf offenbar kaum noch Beachtung. Der Saison-Räumungsverkauf, der gestern zum ersten Mal ohne gesetzliche Rahmenbedingungen startete, lockt nur noch wenige Schnäppchenjäger.

cs/dpa DÜSSELDORF. Verhalten begann der Sommerschlussverkauf etwa bei Karstadt in Hanau. „Einen Ansturm, wie wir ihn aus früheren Jahren kennen, haben wir nicht mehr“, sagte Filialleiter Norbert Richter. „Viele Preissenkungen sind wegen der ungünstigen Witterung bereits in den vergangenen Wochen vorgezogen worden.“

In Frankfurt war bei den großen Häusern wie der Metro-Tochter Kaufhof, Karstadt, der Douglas-Tochter Appelrath-Cüpper und C&A ebenfalls kein starker Kundenandrang zu erkennen. Dabei hat allein Karstadt 80 000 Artikel quer durch alle Abteilungen im Angebot, sagte Geschäftsführer Wolfgang Sohler. Gut gelaufen sei aber das Geschäft am Samstag, hieß es übereinstimmend – einen Tag vor dem eigentlichen Start des SSV.

„Es sieht nicht so aus, als sollten wir die Umsätze des vergangenen Jahres machen“, glaubt Lothar Holtfrerich, Organisationsleiter von Karstadt in Gießen. Ganz verschwunden sei das klassische Bild zu Beginn des Sommerschlussverkaufs – drängelnde Kunden, die schon am frühen Morgen vor der Eingangstür warten. „Da stand heute Morgen niemand“, berichtet Holtfrerich.

Die Zurückhaltung der Kunden verwundert kaum. Vor zwei Jahren hatte der Gesetzgeber das umstrittene Rabattgesetz abgeschafft und damit Preisschlachten rund ums Jahr ermöglicht. Wenig später fiel dann auch die gesetzliche Regelung von Sonderverkäufen. Im Klartext: Preisreduzierungen über das gesamte Sortiment sind jederzeit erlaubt. Ein terminlich festgelegter Winter- oder Sommerschlussverkauf wird damit – unter juristischen Gesichtspunkten – überflüssig.

Weil viele Händler die Termine als Kaufanreiz erhalten wollen, hofft der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels , WSV und SSV als „Marke“ erhalten zu können. Für den Verband eine Gratwanderung: Eine Abstimmung der Verkaufstermine zwischen den Händlern verstößt gegen deutsches Kartellrecht.

Wenig Anklag findet der diesjährige Sommerschlussverkauf bei Händlern, die erstmals ihre Schaufenster mit dem werbewirksamen, aber rechtlich nicht mehr geschützten Kürzel „SSV“ schmücken dürfen. Ikea etwa startet seine Verkaufsaktionen „Knut“ und „Midsommar“ zu völlig anderen Terminen. Und auch die Parfümkette Douglas steigt nicht beim SSV ein. „Unsere Parfümerie- und Schmuckläden werben mit Preisaktionen eher zu Ostern oder am Valentinstag“, heißt es dort.

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